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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Reinicke, G.: Einfluß des Windes und Seeganges auf die Geschwindigkeit der Dampfer. 453
Aus den eingegangenen‘ Fragebogen, die trotz einiger Abweichungen im
yanzen dasselbe Bild ergeben, . wurde zunächst die Tabelle I berechnet. Sie
3oll dem Seemann Gelegenheit geben, seine eignen Erfahrungen mit den Mittelwerten
 der Tabelle zu vergleichen. An den Mittelwerten, die, wie bei der gevingen
 Anzahl der Angaben nicht anders zu erwarten war, einige Sprünge aufweisen,
 ist keinerlei Ausgleich vorgenommen worden, es sind aber, um ein
Urteil über die wahrscheinliche Grenze der Fehler zu ermöglichen, die größten
Abweichungen einzelner Angaben vom Mittel gegeben. Im übrigen dürfte die
Tabelle ohne weiteres verständlich und hauptsächlich etwa folgendes daraus zu
entnehmen sein:
Schnelldampfer, große Post- und Passagierdampfer von 19 bis 22 Kn.
Geschwindigkeit, laufen am besten bei ruhigem Wetter, wobei alsdann fast
einerlei ist, aus welcher Richtung der Wind weht. Sie verlieren aber auch bei
stärker werdendem Gegenwinde und Seegange und machen bei Windstärke 10
mit hohem Seegange von vorn noch etwa */s der Fahrt bei ruhigem Wetter.
Bei Querwind wird ihnen hauptsächlich der Seegang nachteilig, so daß sie bei
Windstärke 10 und hohem Seegange etwa 2 Kn. oder '/ı0 ihrer Fahrt verlieren.
Auch bei hohem Seegang von hinten verlieren sie etwa '/a Kn. oder */40 ihrer
Fahrt bei gutem Wetter.
Große Dampfer, Dampfer von etwa 8000 R-T. brutto und 15 bis 16 Kn.
Geschwindigkeit, laufen am besten bei sehr großen Windstärken von hinten, solange
 sich die See dabei ruhig hält, wird diese hoch, so geht die Geschwindigkeit
ein wenig unter die bei ruhigem Wetter zurück. Bei Gegenwind verlieren sie
etwas, wenn aüch nicht viel mehr an Geschwindigkeit wie Schnelldampfer, doch
werden die Verhältniszahlen der Geschwindigkeitseinbuße größer, da sie ohnehin
 eine geringere Geschwindigkeit bei gutem Wetter haben. Auch Querwind
beeinträchtigt die großen Dampfer mehr als die Schnelldampfer. Diese verlieren
nur etwa 2 Kn. bei Windstärke 10 und hoher See quer, während große Dampfer
etwa das Doppelte, 4 Kn. oder etwa !/4 ihrer Fahrt, einbüßen.
Mittlere Dampfer, Dampfer von etwa 6000 R-T. brutto und 12 bis 14 Kn.
Geschwindigkeit, erreichen ihre Höchstgeschwindigkeit bei ruhiger See vor dem
Winde. Bei Gegenwind verlieren sie schnell und haben bei Windstärke 10
und hoher See von vorn nicht mehr ganz die Hälfte ihrer Geschwindigkeit bei
ruhigem Wetter, Bei starken Querwinden und hoher See verlieren sie so
schnell, daß sie bei Windstärke 10 und hoher See quer nur noch */s der Geschwindigkeit
 bei ruhigem Wetter haben.
. Kleine Dampfer, Ozeandampfer von etwa 4000 R-T. brutto und etwa
10 bis 11 Kn.. Geschwindigkeit, laufen am besten, wenn sie bei noch ruhiger
See den Wind von hinten haben. Nimmt unter solchen Umständen die See zu,
so nimmt die Fahrt ab, sinkt aber nur wenig unter die Geschwindigkeit bei
Windstärke 4 von vorn. Bei dieser Windstärke büßen sie aber schon etwa
!/a Kn. Fahrt gegen die bei ruhigem Wetter ein. Nimmt der Wind zu, so
nimmt die Geschwindigkeit schnell ab, besonders mit der zunehmenden See.
Bei Windstärke 10 und hoher See von vorn machen sie kaum 3 Kn. Fahrt, sie
haben dann also nur noch knapp !/4 ihrer Geschwindigkeit bei ruhigem Wetter.
Dem Gedächtnis leicht einzuprägen ist, daß alle Dampfer bei
Windstärke 10 und hoher See von vorn nahe bei 7 Kn. Fahrt verlieren, schnelle
etwas weniger, langsame etwas mehr. Das gilt natürlich nur für beladene
Schiffe und annäherungsweise.
Die Tabelle IL gibt die Mittelwerte der Ab- und Zunahme der Geschwindigkeit
 bei verschiedenen Windstärken und verschiedenem Seegange;
nämlich unter 1. die absolute Zu- oder Abnahme der Geschwindigkeit in Seemeilen
 ausgedrückt. Da nun aber die gleiche absolute Abnahme für den langsamen
 Dampfer eine viel größere Bedeutung hat wie für den schnellen, erschien
as zum Vergleich zweckmäßig, die Ab- oder Zunahme auch in Prozenten auszudrücken,
 das ist zunächst in der Tabelle II 2. geschehen. Man erhält dadurch
auch bequemere Zahlen für die Rechnung, wenn man von der Geschwindigkeit
bei ruhigem Wetter auf die Geschwindigkeiten bei anderem Wetter übergehen
will. Um aber nicht nur auf Geschwindigkeiten bei anderem Wetter übergehen
zu können, sondern auch auf in Ansatz zu bringende. Zeit, wurde die Tabelle II 3.
gebildet, deren Anwendung ohne weiteres klar sein dürfte. Natürlich erscheinen
            
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