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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Zusammenstellung einheitlicher Bezeichnungen für. die Vertikal-Ausmessungen der Gezeiten. 451 
höchsten und tiefsten Lage des Gehobenen bedeutet. Der Form Hub, die die 
Niveaus zwischen denen gehoben wird, noch nicht angibt, ist der Ausdruck 
Tidenhub vorzuziehen, der durch das Wort Tide anzeigt, daß es sich um den 
Hub durch die Tide, also vom Niedrigwasser zum Hochwasser, handelt. - 
Das Wort Flutgröße ist zwar sinngemäß gebildet, da es die Größe des 
Steigens bedeuten soll; doch ist in dem Wort Hub die Vertikalerstreckung 
dieser Größe sinnfälliger ausgedrückt, weshalb die Bezeichnung Hub dem Wort 
Größe vorzuziehen ist. i . 
Natürlich kann in einem Aufsatz über Tiden aus stilistischen Gründen 
statt Tidenhub mitunter nur Hub oder Hubgröße gesagt werden, doch ist der 
Ausdruck Hubhöhe zu vermeiden, da er die Gefahr einer Verwechslung mit der 
Höhe mit sich bringt. 
Einfluß des Windes und Seeganges auf die Geschwindigkeit 
der Dampfer. 
Von 6. Reinicke, Assistent der Deutschen Seewarte. 
Wenn auch‘ kein Zweifel darüber besteht, daß nicht nur die Segler, 
sondern auch Dampfer von Wind und Seegang abhängig sind, so herrscht doch 
über das Maß dieser Abhängigkeit im allgemeinen wenig Klarheit. Man weiß 
allerdings recht wohl, daß gewisse Dampfer zu gewissen Zeiten bis zu so und 
80 viel Tagen Verspätung zu haben pflegen, die Führer der Dampfer wissen 
auch recht genau, wie‘ die Verspätungen entstehen, aber ein wie großer Teil 
davon bei verschiedenen Schiffen auf Wind und Wetter entfällt, mit andern 
Worten die Beziehungen zwischen Dampfergeschwindigkeit und Wind sind 80 
wenig allgemein bekannt, daß der Versuch gerechtfertigt erscheint, hierüber 
Klarheit zu schaffen. I 
. Dieses Ziel. kann man auf verschiedenen Wegen zu erreichen suchen; 
für den Seemann liegt es nahe, dasselbe durch Verwertung einer möglichst 
großen Summe seemännischer Erfahrungen anzustreben. 
_ In Befolgung dieses Weges wurden eine Anzahl Fragebogen an erfahrene 
Dampferkapitäne verschickt. Das Formular der Fragebogen berücksichtigt, um 
es nicht zu umfangreich zu machen, nur 4 Hauptklassen von Dampfern und 
die Windstärken 4 bis 10 der Beaufort-Skala, bei Windstärken von 6 bis 10 
auch‘ noch den Seegang. Es sind bis jetzt allerdings nur 16 beantwortete 
Fragebogen zurückgekommen, aber sie sind sehr sorgfältig ausgearbeitet, zum 
Teil für alle vier Dampferklassen, und sie lassen erkennen, daß die 16 Kapitäne 
ihre Erfahrungen sehr vorsichtig und nach bestem Ermessen darin niedergelegt 
haben. Das Material wird deshalb auch genügen, einige wertvolle Anhaltspunkte 
für überschlägliche Rechnungen, z. B. bei der Wahl eines Weges, zu gewinnen. 
Es können aber, das muß betont werden, nur Anhaltspunkte sein, zu denen der 
Seemann die besondern Umstände jedes einzelnen Falles in Beziehung bringen 
muß. Daß die besondern Umstände sehr mannigfaltig sind, liegt auf der Hand. 
Form und Größe der Schiffe, ihre Maschinen und. Kesselanlagen und die Ver- 
hältniszahlen zwischen der‘ Kraftentwicklung der Maschinen und den Schiffs- 
körpern weisen ganz außerordentliche Unterschiede auf.‘ Ferner ist bei denselben 
Schiffen die Kraftentwicklung bei verschiedenen Kohlen, verschiedenem Heizen 
oder aus andern Ursachen sehr ungleich. Tiefgang und Trimm, Stabilität (rank 
oder steif) und Bodenbeschaffenheit des Schiffes (frischer Bodenanstrich ‚oder 
Ansatz von Schmutz und Schaltieren) beeinflussen die Geschwindigkeit und deren 
Abhängigkeit vom Winde und Seegange sehr. wesentlich; man denke nur an 
Schiffe in Ballast, an stark schlingernde, steife Schiffe und an Reisen, die mit 
schwerem Gewicht an den Enden des Schiffes gemacht werden müssen. Wind 
und Seegang stehen zueinander in einem fast beständig wechselnden Verhältnis, 
das sich aus Dünungen, Kreuzsee oder Richtungsunterschieden zwischen Wind 
und Seegang ergibt, kurz: es wirken im Verlauf einer Reise so viele Faktoren 
auf die Geschwindigkeit eines Schiffes ein, daß der Seemann bei der Aufstellung 
einer Geschwindigkeitsprognose stets auf Grund seiner Erfahrungen von Fall 
zu Fall nach den besondern Umständen urteilen muß. -
	        
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