Meldau, H.: Zur Frage der Kompaßaufstellung in eisernen Ruderhäusern, 37
nach unten) über dem darunter liegenden Speisesaal. Deshalb gibt es in
der Umgebung. des Kompasses keine Eisenmasse von‘ beträchtlicher Vertikal-
earstreckung. ;
Außer den bisher genannten sechs ‘Schiffen ist noch der Dampfer
„Schleswig“ von mir untersucht worden. Das Schiff ist in Stettin gebaut.
Die Bauart des Ruderhauses und der Verlauf der Vertikalkräfte stimmt im
wesentlichen mit den auf „Gneisenau“ vorliegenden Verhältnissen überein,
so daß von einer Beifügung des Vertikalkraftdiagramms hier abgesehen werden
konnte. Die absolute Größe der Kräfte bleibt noch hinter derjenigen der auf
„Gneisenau“ beobachteten Vertikalkräfte zurück.
Der Vergleich der Figuren untereinander macht es sehr wahr-
scheinlich, daß die von den verschiedenen Werften verwandten KEisensorten
maguetisch erhebliche Abweichungen zeigen. Man vergleiche nur die Vertikal-
kräfte auf „Kaiser Wilhelm II.“ mit denen auf „Roon“! Das vom Stettiner
Vulkan verwandte Material scheint nach den vorliegenden Figuren in
magnetischer Hinsicht das günstigste zu sein.. Man vergleiche z. B. die auf
„Gneisenau“ und „Kaiser Wilhelm II.“ beobachteten Vertikalkräfte gegen die
auf „Seydlitz“ und „Roon“! 5
Die eingehende Betrachtung, die hier den Vertikalkräften . gewidmet
worden ist, findet ihre Berechtigung darin, daß ein erheblicher Wert der
schiffsmagnetischen Vertikalkraft am Kompaßorte als ein, wie mir scheint,
untrügliches Zeichen für eine schlechte Beschaffenheit des Kompaß-
ortes angesehen werden kann.‘') ,
Insbesondere haben die Dampfer „Kronprinz Wilhelm“ und „Roon“ mit
ernstlichen Kompaßschwierigkeiten zu kämpfen.
Aus den gemachten Beobachtungen in Verbindung mit den auf den ver-
schiedenen Schiffen gesammelten. Erfahrungen ergibt sich, daß es — auch ab-
gesehen von dem Fall „Zieten“, in dem besondere Mittel aufgewendet worden
sind — möglich ist, dem Ruderhause eine solche Gestalt zu geben, daß allen
in magnetischer Hinsicht zu stellenden billigen Anforderungen genügt wird.
Die auf „Kaiser Wilhelm II.“, „Gneisenau“ und „Schleswig“ vorliegenden
Verhältnisse beweisen das. Auf der anderen Seite jedoch zeigen insbesondere
„Kronprinz Wilhelm“ und „Roon“, daß beim Bau des Ruderhauses in
magnetischer Hinsicht auch schwere Fehler begangen werden können.
Die praktischen Folgerungen, die sich aus dem Vergleich der
Figuren ergeben, betreffen einerseits die Bauart des Ruderhauses und seiner
Umgebung:
Die Seitenwände des Ruderhauses sind unter keinen Umständen
aus Eisen herzustellen. Auch in den hinter dem Ruderhause gelegenen
Räumen sind eiserne Wände, soweit es irgend möglich ist, zu
vermeiden.
Für die Wahl des Kompaßortes im Ruderhause ist auch auf die
magnetische Beschaffenheit des Ortes Rücksicht zu nehmen.
Was des weiteren die Wahl des Materials anlangt, so muß die Her-
stellung eines nur schwach magnetisierbaren Stahles als äußerst wünschenswert
bezeichnet werden. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß es .den Eisen-
walzwerken, sobald sie nur einmal auf das Problem aufmerksam geworden sind,
gelingt, durch Legierung mit Nickel, Mangan, Silicium, Chrom u. a. oder
vielleicht lediglich durch einen bestimmten Kohlenstoffgehalt ein
schwach magnetisierbares Eisen herzustellen, und zwar ein Eisen, das dem auf
1) Anmerkung... Der Zusammenhang beider Erscheinungen ist einerseits ein ursächlicher,
Zwar wird die Vertikalkraft für den Ort, an dem sich die Nadeln befinden, durch. den Krängungs-
magneten aufgehoben, doch ist dıese Kompensation aus mehreren Gründen nur eine angenäherte;
sie berücksichtigt beispielsweise nicht die mit der Veränderung der magnetischen Breite eintretenden
Änderungen. Je größer die aufzuhebende Kraft, desto größer werden auch die Störungsglieder, die
bei einer Neigung des Schiffes in Wirksamkeit treten. Anderseits ist ohne Zweifel das schlechte
Verhalten der Kompasse bei großer Vertikalkraft als eine reine Begleiterscheinung aufzufassen. In
der großen Vertikalkraft drückt sich die zu große Nähe von Eisenmassen aus. Diese Kisenmassen
werden auch bei aufrechter Lage des Schiffes besonders wegen des in ihnen induzierten halbfesten
Magnetismus für das gute Verhalten des Kompasses verhängnisvoll,