Ann. d. Hydr. ete., XXXI. Jahrg. (1904), Heft X.
HR N Sa Baht En Ta
X A} (er az » ‚Ze z ‘
Zusammenstellung einheitlicher Bezeichnungen für die Vertikal-
Ausmessungen der Gezeiten.
Gr
Von dem Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts ist am 29. August d. J.
die nachfolgende Verfügung erlassen, durch welche eine einheitliche Bezeichnung
für die bei den Gezeiten in Betracht kommenden Erscheinungen und Größen
festgesetzt ist. Diese Bezeichnungen werden in Zukunft ausschließlich in den
Veröffentlichungen der Deutschen Seewarte zur Anwendung kommen. Es wird
dementsprechend ersucht in Abhandlungen und Mitteilungen, deren Veröffent-
lichungen in den „Annalen der Hydrographie etc.“ beabsichtigt wird, sich eben-
falls dieser Bezeichnungen zu bedienen:
Die Ungleichmäßigkeit, die in der deutschen Literatur in den Bezeichnungen
für die vertikalen Ausmessungen der Gezeiten herrscht und zum Teil so weit
geht, daß die gleichen Ausdrücke an verschiedenen Stellen in ganz anderem
inne gebraucht werden, hat Veranlassung dazu gegeben, diese Bezeichnungen
zu sammeln und zu sichten, um so die Grundlage für eine einheitliche
Bezeichnungsweise zu erhalten. Es hat sich dabei herausgestellt, daß abgesehen
von der Mannigfaltigkeit der Ausdrücke für die Amplitude. der Gezeitenwelle,
überall, wo auf Schärfe des Ausdrucks Wert gelegt wird, im großen ganzen
dieselben Definitionen eingeführt sind, und daß nur eine bedauerliche Nach-
lässigkeit im Sprachgebrauch vielfach auftritt.
So findet man Flut für Flutstrom oder für Hochwasser, Ebbe für Ebb-
strom oder für Niedrigwasser (z. B. Kartenniveau ist die mittlere Springebbe)
oder Tide für einen Wasserstand wie in dem aus dem Englischen entnommenen
Ausdruck Halbtide für mittleren Wasserstand. .
In Zukunft sind in den Veröffentlichungen und sonstigen Arbeiten folgende
Ausdrücke anzuwenden:
Tide = Gezeit oder Gezeitenwelle, worunter bei besonderem Zusatz auch
die Partialwellen verstanden werden können (Mondtide, Sonnentide).
Hochwasser — höchster Wasserstand einer Tide. -
Mittleres Hochwasser = Mittel aus sehr vielen aufeinanderfolgenden
Hochwassern, ; .
Niedrigwasser == niedrigster Wasserstand einer Tide. .
Mittleres Niedrigwasser — Mittel aus sehr vielen aufeinanderfolgenden
Niedrigwassern.
Flut = Steigen des Wassers vom Niedrigwasser zum Hochwasser.
Ebbe = Fallen des Wassers vom Hochwasser zum Niedrigwasser.
Flutstrom = der das Hochwasser bringende Strom, der .nach dem
Erreichen des Hochwassers noch andauern kann,
Ebb- oder Ebbestrom = der das Niedrigwasser bringende Strom, der
nach dem Erreichen des Niedrigwassers noch andauern kann.
Stromwechsel oder Kentern heißt der Übergang vom Flutstrom zum
Ebbstrom und umgekehrt; der Teil der Gezeitenerscheinung in dem
kein Strom läuft, heißt auch Stillwasser. .
Tidenhub (Mehrzahl: Tidenhübe) = Hub des Wassers durch die Tide,
also der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser.
Mittlerer Tidenhub == Mittel aus vielen aufeinanderfolgenden Tidenhüben.
Springtide — Gezeit mit einem Höchstwert des Tidenhubs, so daß sowohl
der unmittelbar vorausgehende als auch der unmittelbar folgende
Tidenhub kleiner als dieser Höchstwert sind, der Springtiden-
hub heißt. .
Nipptide — Gezeit mit einem Mindestwert des Tidenhubes, so daß sowohl
der. unmittelbar vorausgehende als auch der unmittelbar folgende
Tidenhub größer als dieser Mindestwert sind, der Nipptiden-
hub heißt.
Ann. d. Hvär. ate.. 1904. Haft X.