Börgen, C.: Über die Anordnung der Nadeln einer Kompaßrose etc.
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Stahlmagnete und nur durch Induktion des Erdmagnetismus magnetisch gewordenes
weiches Eisen handelt; daß aber der durch Induktiom der Nadeln ‚selbst. in
letzteren hervorgerufene Magnetismus die Bedingung cos 4y = 0 erfordere. Die
Anwendung auf eine Rose mit zwei Paaren gekreuzter Nadeln führt’ auf die
Winkel y=7,5° und y=52,5°, durch welche die sextantalen und oktantalen etc.
Glieder ausgeschlossen werden können. Diese Winkel sind von Herrn Vital
in Triest zur Konstruktion einer Versuchsrose benutzt worden, . welche in der
Tat eine Kompensation dieser Glieder ergab.) “ ; “
Der Abschnitt IV handelt von der Anwendung der gefundenen Grundsätze
auf die Konstruktion von Kompaßrosen. Derselbe ist nach dem hier Gesagten
zu modifizieren.
Endlich gibt der letzte Abschnitt die Resultate einiger praktischen
Versuche mit Rosen verschiedener Konstruktion, durch welche im ‚allgemeinen
das Hauptergebnis der Untersuchung bestätigt wird.
Zur Frage der Kompaßaufstellung in eisernen Ruderhäusern, )
Von Dr. H. Meldau, Oberlehrer an der Seefahrtschule zu Bremen,
(Hierzu Tafel 2.) +
Auf die Wichtigkeit der Wahl eines in magnetischer Hinsicht einwand-
freien Kompaßortes an Bord eines eisernen Schiffes ist in den letzten Jahrgängen
dieser Zeitschrift wiederholt aufs eindringlichste hingewiesen worden.‘) In allen
bezüglichen Abhandlungen, wie auch im „Kompaß an Bord“ und den „Instruktionen
der Seewarte über die Behandlung der Kompasse und ihrer Deviation an Bord
eiserner Schiffe“, ist immer wieder vor dem verhängnisvollen Einfluß großer
vertikal stehender Eisenmassen in der Nähe des Kompasses gewarnt
worden.
Vom Gesichtspunkte der dieser Warnung zugrunde liegenden Tatsachen
mußte es von vornherein als eine in magnetischer Beziehung bedenkliche Ver-
schlechterung des Kompaßortes bezeichnet werden, als man im letzten Jahrzehnt
mehr und mehr dazu überging, den Kompaß, statt ihn auf offener Brücke auf-
zustellen, .in ein den mittleren Teil der Brücke überdeckendes Ruderhaus mit
wenigstens teilweise eisernen Wänden einzuschließen. en
Anderseits sind die Vorteile eines solchen vor den ärgsten Unbilden
der Witterung Schutz gewährenden Ruderhauses, besonders für die modernen
Schnelldampfer, so große, daß man ohne zwingende Gründe auf ein solches
Haus nicht verzichten wird. .
Es kommt vielmehr darauf an, sich mit den durch die Aufstellung des
Kompasses in einem Ruderhause geschaffenen. Verhältnissen abzufinden, vor
allem darauf, diese Verhältnisse kennen zu lernen, um die für ein einwandfreies
Arbeiten des Kompasses notwendigen und hinreichenden Bedingungen
bezüglich der Bauart und des Baumaterials des Ruderhauses und seiner Unter-
bauten angeben zu können.
Zur Beantwortung dieser Frage einen ‚Beitrag zu liefern, ist der Zweck
dieser Arbeit. . .
Die markanteste Veränderung, die in den magnetischen Verhältnissen des
Kompaßortes durch die Aufstellung des Kompasses in einem Ruderhause eintritt,
ist die, daß die schiffsmagnetische Vertikalkraft R (Kraft senkrecht zum Deck)
einen Zeichenwechsel erfährt und unter Umständen übermäßig groß
wird. Der Grund liegt auf der Hand: Bei Schiffen, die in nordmagnetischer
Breite gebaut sind, zeigen die in oder über Deckshöhe gelegenen Kisenteile
1) „Mitteilungen aus dem Gebiete der Seewesens“, 1899, S. 56 bis 59.
3) Über die in diesem Aufsatze beschriebenen Beobachtungen habe ich auch in der „Physi-
kalischen Zeitschrift“ (1. Januarheft 1904) berichtet. ;
3) Siehe u. A, Koldewey: „Einiges über die Aufstellung und Kompensation der Kompasse
an Bord“ (Ann. d. Hydr., etc.“ 1902, S. 495), sowie den Aufsatz: „Der Platz für den Regelkompaß“,
ein Wort an Reeder, Schiffbauer und Versicherer. Von L. Rosenberg, Aus dem Holländischen
äbersetzt von Dr. H. v. Hasenkamp („Ann. d, Hydr. etc.“ 1903, S. 555).