sr. Hasenkamp, H.: Der Hodograph von Th. Ferguson.
4925
natürlich eine trigonometrische Aufnahme nicht ersetzen, aber er kann: z. B. auf
Forschungsreisen von wesentlichem Nutzen sein. Der Erfinder hat von demselben
Revier zwei Aufnahmen mit dem Instrument gemacht, einmal beim Hinauffahren,
das andere Mal beim Hinabfahren, und sehr gut übereinstimmende Ergebnisse
erhalten. Die Einrichtung des Apparates soll im folgenden näher beschrieben
werden, ohne auf die Einzelheiten der Konstruktion zu weit einzugehen. Man
wird daraus ersehen, daß der Hodograph vor. dem in dieser Zeitschrift
(Jahrg. 1904, S. 388) beschriebenen automatischen Loggregistrierapparat von
Hjalmar v. Köhler, mit dem er manche Berührungspunkte darbietet, den
Vorzug vielseitigerer Verwendbarkeit voraus hat,
In einem Gestell sind . drei Rollen mit parallelen Achsen drehbar an-
gebracht, über die ein langer Papierstreifen von 75 mm Breite ähnlich wie bei
einem Morseschen Telegraphenapparat läuft. Zwei Rollen liegen unten in dem
Gestell; auf der einen ist der Papiervorrat aufgewickelt; die andere, gegen die
das Papier durch eine Feder angedrückt wird, hat eine rauhe Oberfläche, so
daß bei ihrer Umdrehung der Streifen vorgeschoben wird. Die mittlere Rolle
ist oben angebracht und hat einen sehr kleinen Durchmesser, so daß der Streifen,
der über sie hinweggeht, eine ziemlich scharfe Bucht macht. .
Der ganze Apparat ist cardanisch aufgehängt; die bewegende Kraft greift
den Schnittpunkt der beiden Aufhängungsachsen an. In diesem Punkt ist an
dem Gestell eine kleine Rolle hefestigt, über die ein Draht läuft, der durch
einen Hebel mit Sperrhaken ein Zahnrad um einen Zahn voran bewegt, wenn
an dem Draht gezogen wird. Die Achse dieses Zahnrades bildet eine Schraube
ohne. Ende, durch die die oben erwähnte Rolle mit rauher Oberfläche gedreht
und der Papierstreifen vorangeschoben wird.
Der Zug an dem Draht geschieht durch eine senkrechte, an dem Gehäuse
des Apparates befestigte Achse, die an ihrem .oberen Ende eine horizontale
hölzerne Scheibe trägt. Über die Mitte dieser Scheibe läuft eine horizontale
Achse, die eine Rolle mit Kautschukrand trägt. Diese treibt bei einer Drehung
die Scheibe unter sich fort. Das Verhältnis der Umdrehungszahlen der Scheibe
und der Rolle kann durch Verschiebung der letzteren längs ihrer Achse geändert
werden. Diese Achse erhält ihre Bewegung von einer außenbords angebrachten
Schraube. Ferguson gebrauchte hierfür ein Paar in Schraubenform gebogene
Platten.
Der Apparat arbeitet nun in folgender Weise: Die zuletzt erwähnte kleine
Rolle dreht sich gleichzeitig mit der außen nachschleppenden Schraube. Nach
einer bestimmten Anzahl von Umdrehungen der Rolle (3 bis 10 je nach der
Stellung der Rolle) hat sich die horizontale Scheibe einmal herumgedreht, wo-
durch sich das Sperrad um einen Zahn voran bewegt hat. . Hat sich dies so viel
mal wiederholt, (als das Sperrad Zähne: hat, so ist dieses und die endlose
Schraube einmal herumgegangen und die Rolle, die das Papier vorschiebt, um
einen Zahn weiter gedreht. Bei einer bestimmten Schraube und derselben
Stellung der Rolle ist also der Abstand, um den sich das Papier voran bewegt,
proportional der Anzahl von Umdrehungen der Schraube, d. h. dem Wege durch
das Wasser. Will man nur diesen Weg wissen, so kann man das Verhältnis
zwischen der Bewegung des Schiffes und der des Streifens ein für allemal be-
stimmen; es bleibt ungeändert, so lange man dieselbe Schraube benutzt und
die Rolle nicht auf ihrer Achse verschiebt. Diese Bestimmung läßt sich am
besten ausführen, wenn man an einen Ort, wo kein Strom vorhanden ist, einen
bekannten Abstand zurücklegt und bemerkt, wie viel Papier dabei. abgelaufen
ist, oder auch, indem man das Mittel aus einer Anzahl von Beobachtungen mit
dem Strom und gegen den Strom nimmt, wobei man die zurückgelegte Distanz
durch Peilung bestimmt. .
Dies Verfahren genügt jedoch nicht für die Aufnahme eines Reviers. oder
eines andern Fahrwassers mit Strom. Bei Benutzung des ohne Strom gefundenen
Verhältnisses würde man eine Karte in zu großem Maßstabe erhalten, wenn
man gegen den Strom fährt, und eine solche in zu kleinem Maßstabe im ent-
yegengesetzten Fall.. Ist die Stärke des Stromes in jedem Augenblick genau
bekannt, so könnte man den Fehler bestimmen; dies würde jedoch sehr - um-
ständlich sein und zu vielen Irrtümern Anlaß geben können.