Brennecke, W.: ‚Einige Ergebnisse der dänischen Expedition nach Ostgrönland 1898—-1899, 417
allen Monaten des Jahres stets höher ist als in Stykkisholm ('!/a bis 3'/a mm).
Aus den Winddrehungen zu Stykkisholm ergibt sich, daß in den Monaten No-
vember, Dezember und Januar in jedem Monat durchschnittlich zehn barometrische
Minima an Stykkisholm vorbeiziehen, von denen die größere Hälfte westlich
durch die Dänemarkstraße passiert; im Februar, April und Mai war dagegen die
Zahl ;der Minima sehr gering. Diese Häufigkeit der die Dänemarkstraße
passierenden Minima erklärt die großen Schwankungen des Luftdruckes. Während
der Überwinterung der Expedition betrug an 43 Tagen (30° %) der Luftdruck-
unterschied zu einer der Beobachtungsstunden mehr als 10 mm ‚zwischen
Angmagsalik und Stykkisholm, trotzdem war die Windstärke auch an diesen
Tagen mit einigen wenigen Ausnahmen äußerst gering und erreichte im Mittel
nicht Stärke 1 der sechsteiligen Beaufort-Skala. Auch an denjenigen Tagen, an
denen das Barometer 29 mm in 25 Stunden ‚fiel und der tiefste Stand des Winters
(710 mm) eintrat, war die Luft nur mäßig bewegt, teilweise herrschte sogar
Windstille. | Ähnliche Beispiele für die geringe Beeinflussung der Windstärke
durch starke Gradienten gegen Island führt auch R yder für den Scoresby-Sund an;
auch hier lag die Station im Innern des Fjords.”)
Wie abhängig die Windbeobachtungen von der Wahl der Station sind,
zeigt ein Vergleich der Beobachtungen der Amdrupschen und der Holmschen
Expedition (letztere überwinterte in unmittelbarer Nähe des Meeres). Während
die Beobachtungen Amdrups 50 bis 70% Kalmen aufweisen, hat Holm nur 17° %;
dieser berichtet, daß im Durchschnitt während des Winters alle drei Tage ein
Sturm eintrat; die Amdrupsche Expedition hatte im ganzen nur vier Stürme,
veranlaßt durch Depressionen, welche durch die Dänemarkstraße zogen und
heftige Nordwestwinde im Tasiusak-Fjord zur Folge hatten, Jedoch waren die
wenigen Stürme, welche im Winter 1898/99 auftraten, von bedeutender Stärke;
so wurden Windgeschwindigkeiten von 47, 54 und 61 m pro Sekunde gemessen.
Eine Folge der häufig durch die Dänemarkstraße ziehenden Depressionen
sind die große Veränderlichkeit der Temperatur und die sehr ausgeprägten
Föhnerscheinungen (beim Einsetzen von frischen West- oder Nordwestwinden),
welche schon früher auch von Holm während seiner Überwinterung in
Angmagsalik‘ und von Ryder im Scoresby- Sund festgestellt worden sind.
Die größten plötzlichen Temperatursteigerungen am 23, und 25. November
1898 betrugen 6° und 9,8° in einer, 12,2° und 13,6° in zwei und fast
20° in 24. Stunden. Die relative Feuchtigkeit betrug gleichzeitig 11 bezw.
21%; am 23. November wurde eine Zunahme der Temperatur von 48° in zehn
Minuten beobachtet. Die dynamische Ursache der Erwärmung wird dadurch
illustriert, daß die Temperatursteigerung bei Nordwest eintrat, indessen beim
Zurückdrehen des Windes nach Südwest wieder ein beträchtliches Sinken der
Temperatur stattfand;‘ auch zeigen am 23. November die stündlichen Werte,
daß erst die auf den Höhen lagernde, durch Kontakt mit der Oberfläche sehr
stark abgekühlte Luft abfließen mußte, ehe die dynamische Erwärmung der Luft
sich unten äußern konnte. Betrachiet man die stündlichen Werte der Bewölkung
an den Tagen mit Föhn, so erkennt man, daß mit dem Einsetzen des Föhns
zu gleicher Zeit eine schnelle Abnahme der Bewölkung eintritt,
Sehr instruktiv ist die Darstellung einer Föhnerscheinung im Sommer,
welche der Verfasser‘ durch Karten unterstützt. Während nahe bei Angmagsalik
sich das Zentrum einer Depression befand und eine zweite Depression im Nord-
osten von Island lag, stieg die Temperatur in Angmagsalik am 2. August 1899
in den Mittagstunden bis auf 25,2° ‘bei einer relativen Feuchtigkeit von 20%
und frischen nordwestlichen Winden, An demselben Tage betrug die Temperatur
in Island 9° bis 14° und im. übrigen Grönland 5° bis 16°, so daß sich in Ost-
grönland bei Angmagsalik ein isoliertes Wärmezentrum befand. Es ist dies der
einzige Tag während des Zeitraumes von sieben Jahren, an welchem in Angmagsalik
die Temperatur 25° erreichte; in den übrigen Jahren schwankt das Maximum
zwischen 15° und 21°.?)
1) „Met. Zeitschr.“ 1901, S. 5, .
2) Vgl. über Föhnerscheinungen in Ostgrönland. die Darlegungen von Hann „Met, Zeitschr.“
1889 und Wocikof „Met. Zeitschr,“ 1901.
Ann, d. Hydr. eto., 1904, Heft IX.