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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1904.
Sor. | Dez. ' an.
1898 1898 1899
2 . —16.
Febr. | AP | Mai
1899 1899
Mittel
Temperatur .
Tasiusak ai Maximum
abs. Minimum
— 414 -— 66
8,5 | 2,5
—15,5 | —14,9
— 8,4
2,7
—19,7
— 9,4. |
2,8
—99.5
— 76
4,7
— 921,2
|
1,8
8,4
— 5,8
| Mittel
Temperatur .
Stykkishalm] abs. Maximum
abs. Minimum
0,0 0,9
8,1 8,7
—8,7| — 99
— 2,3
7,7
— 15,5
1,9
6,5
11,7 |
— 1,9
3,9
— 105
5,2
13,0
— 1,9
Die Zahlen sind gut miteinander vergleichbar, da sie sich auf die gleichen
Zeiträume beziehen; auch stimmen sowohl die Temperaturmittel der einzelnen
Monate für Tasiusak!) wie für Stykkisholm gut mit den langjährigen Mittel-
werten überein, d.h. der Winter hatte in Ostgrönland wie in Island einen
normalen Charakter, nur der April war an beiden Stationen um 2-3 Grad zu
kalt. Island bildet das Bindeglied zwischen dem gemäßigten Klima Nordwest-
guropas und dem arktischen Ostgrönlands; einerseits werden seine Küsten noch
umspült von den warmen Fluten des Golfstroms, anderseits sind in einzelnen
Jahren seine Küsten oft monatelang von arktischen Eismassen besetzt. Bei dem
Vorherrschen der östlichen Winde, welche einen Transport der Wärme aus den
östlichen Gebieten des Nordatlantischen Ozeans bewirken, nimmt Island meist
jedoch Anteil an der positiven Temperaturanomalie des nordwestlichen Europa,*)
während an der ostgrönländischen Küste nördliche Winde und Kalmen am
häufigsten auftreten, so daß, wie obige Tabelle zeigt, einerseits die mittlere
Temperatur von Ostgrönland in allen Monaten um 4° bis 7° niedriger ist als
unter gleicher Breite in Island, anderseits auch in jenem die Kälteperioden
extremer und andauernder sind als in Island. Besonders auffallend ist in
Angmagsalik die große Menge der Kalmen; von November bis Februar betrug
die Anzahl derselben 40 bis 50% und erreichte in den Monaten April und Mai
70%. Zum Teil sind dieselben veranlaßt durch die Lage der Station im Innern
des Tasiusak-Fjords, welcher auf allen Seiten von recht bedeutenden Höhen um-
geben ist, so daß die Windstärke meist nicht durch den barometrischen Gradienten
bestimmt wird, sondern daß vielmehr die Luft ähnlich wie in einer Mulde stagniert.
Hiermit in Zusammenhang stehen die Kälteperioden des Februar und April 1899
im Februar lag die Temperatur tagelang unter —20° und erreichte im April
noch ein Minimum von —21,2°); diese fallen zusammen mit einer Periode
völliger Windstille und relativ geringer Bewölkung, so daß eine intensive Ab-
kühlung der unteren Schichten der Atmosphäre durch Strahlung eintreten
konnte. Diese Abkühlung wird sich wahrscheinlich nur auf die unteren Schichten
der Atmosphäre erstreckt haben, wie auch durch Messungen im Scoresby-Sund®)
unter ähnlichen Verhältnissen stets eine bedeutende Temperaturumkehr bis zur
Höhe von mehreren 100 Metern festgestellt wurde.
Trotz dieser großen Anzahl von Kalmen und der durchschnittlich geringen
Windgeschwindigkeit ist die Luftdruckschwankung in Angmagsalik recht bedeutend
(während der vier ersten Monate zwischen 775 und 710 mm); so sank z. B. das
Barometer vom 29. zum 80. Dezember 1898 um 29 mm in 25 Stunden, dem ein
weiteres Sinken von 12 mm in den nächsten 27 Stunden folgte, also insgesamt
41 mm in 52 Stunden. In der Diskussion über die Luftdruckverteilung zwischen
Ostgrönland und Island zieht Villaume-Jantzen neben den von der Expedition
beobachteten Werten auch die für sieben Jahre vorliegenden Werte der dänischen
Niederlassung in Angmagsalik heran sowie die gleichzeitigen Beobachtungen, von
Stykkisholm auf Island. Aus der Vergleichung der mittleren Luftdruckwerte
geht hervor, daß mit Ausnahme des Januar der Luftdruck in Angmagsalik in
und im
1) In Tasiusak (oder Angmagsalik) werden seit 1894 regelmäßige Beobachtungen angestellt
„Dänischen Meteorologischen Jahrbuch“ veröffentlicht,
2) Vgl. Hann: „Handbuch der Climatologie“, Bd. 3XI,
3) Vol. „Met, Zeitschr.“ 1901, S. 6 u. 7.