Wegemann: Erweiterung des barischen Windgesetzes nebst Anwendungen. 415
Augenblicklich stehen mir nur die Isobarenkarten des Russischen Reiches!)
zur Kontrolle zur Verfügung. Leider fehlen darauf die höheren Stärkegrade fast
ganz oder ist für dieselben die Größe des zugehörigen Gradienten zu willkürlich,
um maßgebend sein zu können. Doch stimmt im großen und ganzen für die
zuverlässigen Beobachtungen die beobachtete Windstärke mit der nach den
obigen Tabellen aus dem Isobarenabstand gefundenen überein, ebenso befriedigt
der beobachtete Ablenkungswinkel im allgemeinen die Theorie, )”
Für die Ozeane können derartige Windkarten noch von besonderer Be-
deutung werden. Da wir die strömungerzeugende Kraft des Windes für die
Weltmeere durch verschiedene Untersuchungen kennen,‘) so kann man an der
Hand einer solchen ohne Berechnung eine Karte der Windströmungen der
Meere entwerfen. Da schon jetzt ganz leidliche zutreffende Strömungskarten
der Weltmeere vorhanden sind, so ist es möglich, für zahlreiche Punkte der-
selben die Gesamtströmung nach dem Prinzip des Kräfteparallelogramms in
Komponenten zu zerlegen, deren eine der durch den. Wind erzeugte Anteil ist.
Vielleicht gelingt es, von der andern Komponente ebenfalls Unterkomponenten
abzuspalten, etwa die stromerzeugende Kraft infolge Dichteunterschiede usw.
Eine derartige Strömungsanalyse, die sich für einzelne Meeresgebiete*) schon
jetzt wird ausführen lassen, wird noch mancherlei Aufschluß über die Erzengung
der Meerströme geben,
Auch bei der Herstellung einer Isobarenkarte können obige Resultate
von Nutzen sein, besonders bei täglichen Wetterkarten, wo außer den Baro-
meterbeobachtungen auch die Windgeschwindigkeiten registriert werden, In
den. Gebieten, aus denen nur wenige Beobachtungen vorliegen, sowie an den
Kartenrändern, wird die Konstruktion der Isobaren ‚naturgemäß oft sehr
willkürlich sein. In solchen Fällen können die obigen Beziehungen vielleicht
wertvoll werden.
Einige Ergebnisse der dänischen Expedition nach Ostgrönland
1898-—1899.
| Die Expedition hatte zur Aufgabe, die unbekannte Küste Ostgrönlands
zwischen Angmagsalik und Scoresby-Sund auf Schlitten- und Bootsreisen zu er-
forschen. Während des Winters 1898/99 blieb die Expedition im Tasiusak-Fjord
auf der Insel Angmagsalik, um hier wissenschaftliche Beobachtungen anzustellen,
deren Ergebnisse uns in dem vom Leiter der Expedition, T. C. Amdrup, heraus-
gegebenen Bericht „Observations astronomiques metSorologiques et magnetiques
de Tasiusak 1898—1899, Copenhague 1904“ vorliegen.‘) Einige der hier’ ge-
wonnenen Resultate seien in folgendem mitgeteilt. -
_ Das rein arktische Klima der Ostküste Grönlands ist bedingt durch ihre
Lage zwischen dem Inlandeis und dem ostgrönländischen. Polarstrom, welcher
das ganze Jahr hindurch die Küste mit seinen Eismassen besetzt hält. Die
geographische Lage der Station Tasiusak wurde zu 65° 36‘ 40“ N-Br. und
37° 33‘ 26” W-Lg. bestimmt; sie liegt also ungefähr in derselben Breite wie
die. Nordküste von Island, jedoch zeigt ein Vergleich der Temperatur-Mittel und
‚Extreme zwischen Tasiusak und Stykkisholm (an der Nordostküste Islands) den
ungleich milderen Charakter des isländischen Klimas:
1) Atlas climatologique de d’Empire de Russie. St. Petersburg 1900.
2) Mohn: Den Norske Nordhave Expedition 1876—-78, Nordhavets Dybder ete,
Christiania 1887. S. 119,
3) Wegemann a, a. O. 5. 23, .
4) Die meteorologischen Beobachtungen sind von Villaume-Jantzen bearbeitet,