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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Wegemann: Erweiterung des barischen Windgesetzes nebst Anwendungen. 409 
Beaufort VI nach Scott = 15 m pro Sekunde. 
Richtiger Wert für Beaufort VI 10,7 m pro Sekunde.‘) 
Derartige Abweichungen sind aber viel zu groß, um sich aus den unzu- 
treffenden, beschränkenden Voraussetzungen allein erklären zu lassen. Man 
wird sich dieser Formeln also nicht bedienen dürfen, um etwa auf Grund einer 
Isobarenkarte für einen Ort Windrichtung und -stärke zu berechnen, wie z.B. 
Mohn es getan hat.”) Da es aber für verschiedene meteorologische Aufgaben 
notwendig ist, eine brauchbare Beziehung zwischen Gradient und Windstärke 
zu kennen, so habe ich versucht, eine ‘solche empirisch aus den täglichen 
Wetterkarten abzuleiten. Das HErgebnis dieses Versuches ist der Inhalt der 
folgenden Zeilen. Vorarbeiten dazu sind bereits früher von mir gemacht worden.) 
Das angewandte Verfahren ist kurz folgendes: Man mißt für die ver- 
schiedenen Windstärken den zugehörigen Isobarenabstand für je 1 mm Barometer- 
differenz, drückt denselben in Kilometer aus und dividiert 111 durch deren Anzahl, 
dann gibt der Quotient den Wert des Gradienten in Millimetern an. Um den 
Isobarenabstand bis 5 km genau bestimmen zu können, ist der aus der Karte 
genommene Abstand verzehnfacht, - dann erst gemessen und zuletzt aus allen 
Werten das Mittel genommen worden. Die Beobachtungen wurden sowohl nach 
Breitenzonen (z. B. Tabelle I 35°-Zone zwischen 30° und 40° Breite), als auch 
nach der Windstärke gruppiert. Um noch weitere Unterabteilungen zu machen, 
etwa nach der Windrichtung, dem Ablenkungswinkel oder der Dauer des Windes, 
hat es an Material gefehlt. Dieser so einfachen Methode stellen sich in der 
Praxis. indes große Schwierigkeiten entgegen, und zwar ist die Auswahl der 
Beobachtungen die hauptsächlichste. 
Auf jeder Wetterkarte lassen sich vielfach Fälle nachweisen, wo die 
Isobaren einen andern Verlauf nehmen, als nach dem barischen Windgesetz in 
seiner einfachen Form zu erwarten steht, wo z. B. die Isobaren sich voneinander 
entfernen, trotzdem die Windstärke oft erheblich zunimmt oder daß trotz eines 
sehr großen Isobarenabstandes. außergewöhnlich hohe Windgeschwindigkeiten 
beobachtet sind u. v. a. Der Grund derartiger Erscheinungen ist wohl zum Teil 
darin: zu suchen, daß die 1 mm - Isobaren, welche zwischen den 5 mm- (oder 
0,1 ioches = 2,54 mm) Isobaren der Wetterkarten einzuschalten sind, nicht unter- 
einander parallel und in gleichen Abständen, sondern unregelmäßig verlaufen, 
oder daß der Gradient der Druckdifferenz von 5 mm nicht der zu der beob- 
achteten Windstärke gehörige ist. Es sind deshalb nur solche Beobachtungen 
benutzt worden, bei denen durch mehrere benachbarte der Verlauf der Isobaren 
möglichst genau festgelegt und von einem zweiten Beobachter dieselbe Wind- 
geschwindigkeit verzeichnet war. Ausgeschlossen wurden dagegen alle zwischen 
nicht parallelen oder unregelmäßig verlaufenden Isobaren oder auch diejenigen, 
in deren Nähe eine erheblich abweichende Windrichtung und -stärke registriert 
wurde, Gar nicht in Frage kommen solche, bei denen die Lage der Isobaren 
nicht genau festzulegen war. Endlich ist noch auf den Ablenkungswinkel 
Rücksicht genommen, indem alle diejenigen Beobachtungen gestrichen sind, bei 
denen der Ablenkungswinkel zu stark von dem theoretischen abwich. Dies 
schien” auf Grund einer geometrisch-mechanischen Betrachtung über diese Größe 
notwendig.) Damit dürften zugleich auch diejenigen Fälle ausgeschieden sein, 
in denen die einfachen Formeln von Guldberg und Mohn, die unter der Voraus- 
setzung einer geradlinigen, gleichförmigen Bewegung aufgestellt sind, keine 
Gültigkeit mehr haben, sondern in denen die allgemeineren Formeln von 
Finger®) und Nils Ekholm®) Anwendung finden müßten, d. h. die Fälle, bei 
denen die Luftbewegung eine Beschleunigung oder Verzögerung erleidet oder 
ein Auf- und Absteigen der Luft stattfindet. 
. 4) Es sind hier wie im folgenden für die Umrechnung von Beaufortgraden in Metern pro 
Sekunde die Köppenschen Werte zugrunde gelegt (Archiv d. Deutschen Seewarte 1898, Heft V). 
“,!!.2) Den Norske Nordhave Expedition 1876—78.. Mohn: Dybder, Temperatur og Stremninger. 
Christiania 1887. 
': 3% Wegemann: Die Oberflächenströmungen des Nordatlantischen Ozeans "nördlich von 
50° N-Br. [Ing.-Diss. 1899. Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 
‘1 Sprung a. a, 0. S. 115, 
Wien. Sitzgsber. II Abt., Bd. LXXXI, 1880. 
Meteor. Ztschr. 1894. 
Y
	        
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