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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1903/04, - 407 
lichen Nordsee, charakterisiert durch Tönning. Auch hier hebt die Eisbildung 
schon in den ersten Tagen des Dezember an, während selbst in den im Durch- 
schnitt bedeutend kälteren östlichen Gebieten der Beginn ein späterer. ist. Wie 
aus einem Vergleich der verschiedenen Temperaturkurven hervorgeht, war 
Schleswig-Holstein in den letzten Tagen des November bei weitem die kälteste 
Gegend des ganzen Küstengebietes. Hin weiterer Vergleich der vier Kurven 
zeigt jedoch auch den erheblich kälteren Charakter des Ostseegebietes gegen- 
über der Nordsee. Demzufolge ist auch die Zahl der Eistage eine erheblich 
größere. Während im Gebiet der Küste von Lübeck bis zum Greifswalder 
Bodden, ähnlich wie bei der Nordsee, der Beginn der Eisbildung erst auf Ende 
Dezember bis Anfang Januar fällt, tritt östlich hiervon dieselbe schon Mitte 
Dezember ein. Ein Vergleich der Eisverhältnisse mit denen früherer Jahre ist 
jedoch an der Hand des vorliegenden Materials kaum möglich, da die Zusammen- 
fassungen früherer Jahre meist diejenigen Daten gaben, in welchen die Schiffahrt 
durch Eisbildung behindert und geschlossen gewesen ist. Wie schon erwähnt, 
sind aber diese Daten .abhängig von. der Größe des Verkehrs und den sich 
stetig verbessernden Hilfsmitteln der modernen Schiffahrt,‘ so daß in größeren 
Häfen infolge Tätigkeit der Eisbrecher wohl nur selten die Schiffahrt gänzlich 
geschlossen zu werden braucht. . ; 
Bei einem Vergleich der HEisverhältnisse zwischen Travemünde ‘und 
Warnemünde fällt die ungleich günstigere Stellung von Travemünde hinsichtlich 
der Schiffahrt auf, während Ackermann‘) aus älteren Beobachtungen die 
günstigere Lage von Warnemünde nachzuweisen versucht. Daß dieses anscheinend 
nicht zu Recht besteht, dafür sprechen auch die von E. Herrmann”) diskutierten 
Eisverhältnisse des Winters 1899/1900, welche sich für Warnemünde ungünstiger 
gestalteten, jedoch kann ein abschließendes Urteil erst auf Grund eingehender 
Untersuchungen gefällt werden. .. 
Die weitaus stärksten Eisbildungen weisen das Frische- und das Stettiner 
Haff auf, an denen die Zahl der Tage mit Eis 100 überstieg. (Für das Kurische 
Haff liegen nur die‘ Meldungen von Memel vor, dessen Kisverhälthisse infolge 
der starken Strömung und Dünung relativ günstige sind). Auf dem Frischen 
Haff war die Schiffahrt im Januar und während der beiden ersten Dekaden des 
Februar gänzlich geschlossen, während - auf dem Stettiner Haff der Verkehr 
während dieser Zeit durch Eisbrecher offen gehalten wurde. Der Schluß der 
Eisperiode findet meist Mitte bis Ende März statt, nur in Memel wird noch in 
den ersten Tagen des April Eis gemeldet; das Kurische Haff wird erst im 
Laufe des April eisfrei, ; 
Aus den dänischen Gewässern wird von der Lotseninspektion zu Helsingör 
mitgeteilt, daß nennenswerte Behinderungen der Schiffahrt durch Eis nur im 
Hafen von Kjöge (Seeland) und in den Fjorden der Ostküste von Jütland vor- 
kamen: die Behinderungen erstrecken sich auf die Monate Februar und März. 
In dem finnischen Ostseegebiet sind die Zeiten des Zufrierens und Auf- 
gehens des Meeres außerordentlich verschieden; ersteres trat im verflossenen 
Winter an einzelnen Stellen schon im Oktober ein, letzteres zumeist erst im 
April oder Mai. 
Die Deutsche Seewarte. 
4) Ackermann:. „Beiträge zur Physischen Geographie der Ostsee.“ 
2) Herrmann: „Die Eisverhältnisse an. der deutschen Küste im Winter 1899/1900.“ 
(„Ann, d. Hydr., etc.“, 1900.)
	        
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