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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Annälen der Hydrographie und Maäritimen Meteorologie, September 1904. 
gänzlich eisfrei geblieben — auch Husum an der schleswigschen Küste verzeichnet 
kein Eis. Einen exzeptionellen Charakter zeigt Tönning an der Eidermündung, 
da es die einzige Station der Nordsee ist, welche schon in der Zeit vom 
3 bis 10. Dezember Eis, und zwar mit Behinderung der Segelschiffahrt, auf- 
weist. Dieses ist einerseits begründet durch die Temperaturverhältnisse, welche, 
wie die Kurve von Westerland zeigt, im nordöstlichen Teil der Nordsee 
ungünstiger zu Beginn des Dezember waren als im westlichen Teil. Anderseits 
kommt hinzu, daß die an der Untereider vorhandenen Wattflächen die Eisbildung 
sehr begünstigen. Auf diesen gefriert das wenige zur Zeit der Ebbe zurück- 
bleibende Wasser leicht und wird durch die Flut alsdann in den Strom getrieben. 
Schließlich ist zu berücksichtigen, daß Treibeis von der Mitteleider in See 
geführt wird und die Schiffahrt behindern kann. 
Die Frostperiode, welche um den 20. Dezember 1903 einsetzte, ver- 
anlaßte an allen, nicht gänzlich eisfrei bleibenden Stationen ziemlich gleich- 
zeitig in den letzten Tagen des Monats intensive Eisbildung, welche gegen 
Mitte Januar durch ein beträchtliches Ansteigen der Temperatur ihr Ende 
fand. Zeitlich weniger ausgedehnt und leichter ist die KEisperiode bei den 
Stationen Cuxhaven, Brunsbüttel und Bremerhaven, da das in den oberen Teilen 
der Wasserläufe, gebildete Eis hier erst später anlangt und auch der Einfluß 
von Ebbe und Flut bedeutend größer ist, als bei den landeinwärts gelegenen 
Häfen. Auch Norderney und Borkum weisen während dieser Frostperiode Eis 
auf. Mit Ausnahme von Cuxhaven etc. tritt meist eine Behinderung der Segel- 
schiffahrt ein; in Tönning und Borkum ist dieselbe für einige Tage geschlossen. 
Auf der Elbe und Weser sowie in Nesserland sind an mehreren Tagen -Kis- 
brecher tätig. 
Die zweite Frostperiode, welche in der letzten Dekade des Januar einsetzt, 
ist von bedeutend geringerer Intensität als diejenige Ende Dezember, und dem- 
zufolge ist auch die Eisbildung nur gering; Behinderung für die Schiffahrt tritt 
nur in einzelnen Fällen ein. Die Mehrzahl der Stationen bleibt ganz frei von 
Eis, nur an der Mündung der Flüsse Ems, Weser, Elbe und Eider findet Eis- 
bildung statt, welche am bedeutendsten auf der Elbe ist und sich hier bis in 
den Anfang Februar erstreckt. 
Nach der bedeutenden Erwärmung, welcher das Nordseegebiet im Laufe 
des Februar unterlag und von der die Pentadenmittel ein gutes Zeugnis ablegen, 
vermochte die ziemlich intensive Frostperiode gegen Schluß des Monats bis 
Anfang März keine bedeutende Eisbildung mehr hervorzubringen, Nur von vier 
Stationen werden noch einige Tage mit Eis gemeldet; der Schluß der Eisperiode 
trat am 10, März ein. 
II. Ostsee. 
Bedeutend größere Gegensätze in ihren Eisverhältnissen als die Nordsee 
bietet die Ostsee. Während die größte Anzahl der Tage mit Eis bei den 
Norseestationen Altona und Tönning mit 34 bezw. 31 Tagen aufweisen, finden 
wir einerseits im Frischen und Stettiner Haff über 100 Eistage, anderseits bei 
frei gelegenen Punkten wie Hela etc. überhaupt keine Eisbildung. Aber auch 
Stationen wie der Kieler Hafen, Flensburg und Apenrade sind ganz oder bis 
auf vereinzelte Tage eisfrei geblieben, trotzdem ihre Lage zum Meer gänzlich 
entgegengesetzt derjenigen von Hela, Rixhöft, Arkona u. a. ist. Die Gründe 
für das gleiche Verhalten dieser verschiedenartig gelegenen Stationen dürften 
folgende sein: Bei den frei gelegenen Stationen wird die Eisbildung in milden 
Wintern durch die starke natürliche Wellenbewegung verhindert, bei den 
geschützt liegenden durch die Lebhaftigkeit des Verkehrs, Beiden gemeinsam 
ist, daß sie nicht an der Mündung größerer Flüsse liegen, welche das binnen- 
wärts gebildete Eis nach der See herausführen, Neben diesen kommen aller- 
dings noch in Betracht die morphologischen und hydrographischen Verhältnisse, 
deren Einzeldiskussion jedoch erst auf Grund eines einheitlichen, einen längeren 
Zeitraum umfassenden Materials sowie spezieller Untersuchungen möglich ist.*) 
‚Jie Eisverhältnisse des westlichsten Teiles der Ostsee (Haderslebener 
Föhrde, Eider und Schleimünde) sind sehr ähnlich den Verhältnissen der öst- 
ı) Es konnte auch nicht mit Sicherheit festgestellt werden, ob nicht ganz leichte Eisbildungen 
zuweilen — als nicht hindernd — vernachlässigt wurden.
	        
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