Baum, H. und Fesenfeld, C.: Zur Berechnung des Schiffsortes aus zwei Gestirnshöhen etc. 31
Das Verfahren ist also genau so, wie im ersten Fall. © N
In .den meisten Fällen wird man mit der Tafel „Seemeilen-Abweitung in
Minuten-Längenunterschied“ zu verwandeln, auskommen, da man die Höhen-
unterschiede durch 2 oder.3 dividieren kann und das Resultat mit dem Divisor
multiplizieren kann; sollte indessen in der Praxis der Fall vorkommen, daß die
vorerwähnte Tafel nicht ausreicht, so kann man folgendes, allerdings etwas um-
ständlicheres Verfahren, einschlagen:
Man gehe mit dem halben Azimutalunterschied und den beiden Höhen-
fehlern in die Gradtafel ein (b = Breitenunterschiedsspalte), verfolge den halben
Azimutalunterschied, nach oben und unten gleichmäßig sich verändern lassend,
die beiden Höhenfehler bis die Werte in der d = Distanzspalte übereinstimmen.
Der Winkel der bei dem kleineren Höhenfehler liegt ist dann Z. @ und der Wert
in der d-Spalte die an den scheinbaren Schiffsort zu koppelnde Distanz.
Über die Anordnung der Nadeln einer Kompaßrose zur Vermeidung
der sextantalen und oktantalen Deviation.
Von Prof, Dr. C, Börgen.
Unter obigem Titel hat Verfasser dieses in dem Sammelwerke „Aus dem
Archiv der Seewarte“ als Nr. 1 des Jahrganges 1902 eine ausführliche Unter-
suchung veröffentlicht über die Bedingungen, welchen die Anordnung der Nadeln
einer Kompaßrose genügen muß, damit die sogenannte sextantale‘ und oktantale
Deviation, d.h. in der Deviationsformel die mit es BE und mit en (4 5 4-.0)
multiplizierten Glieder zum Verschwinden gebracht werden, womit zugleich die
sekundären quadrantalen Glieder, die mit os (25‘— d) multipliziert sind, weg-
fallen. Diese Frage ist zwar schon vor mehr als 40 Jahren (1861) von den
englischen Forschern Archibald Smith und Kapt. Evans in einer der „Royal
society“ in London unter dem Titel: „On the effect produced on the‘ deviation
of the compass by the length and arrangement of the compass-needles; and ön
a new method of correcting the quadrantal deviation“ vorgelegten Abhandlung
behandelt worden, so daß es kaum erforderlich gewesen wäre, dieselbe noch
einmal vorzunehmen; indessen glaubte Verfasser seine diesbezügliche Arbeit,
welche zunächst ohne Kenntnis der englischen Abhandlung ausgeführt worden
war, der Öffentlichkeit übergeben zu dürfen, weil sie die Aufgabe in größerer
Allgemeinheit löst, als es von den englischen Gelehrten geschehen war, und
einige Kompaßkonstruktionen in den Bereich der Untersuchung zieht, die erst
in den letzten Jahrzehnten zur Anwendung gekommen sind. \
Verfasser möchte nun hier ganz kurz die Hauptergebnisse der Unter-
suchung mitteilen und bei dieser Gelegenheit eine Ergänzung geben, welche die
Resultate der „Archiv“-Abhandlung insofern modifiziert, als sie nachweist, daß
dieselben, was dort übersehen wurde, nur unter speziellen Voraussetzungen, die
allerdings wohl meistens zutreffen, gültig sind, daß also unter anderen Ver-
hältnissen auch andere Bedingungen für die Anordnung der Nadeln aufgestellt
werden müssen. Zu dem Ende soll im Nachfolgenden eine allgemeine. Bedingungs-
gleichung für die Anordnung der Nadeln behufs Ausschließung der sextantalen,
Oktantalen und sekundär-quadrantalen Glieder gegeben werden, aus welcher sich
die in der fraglichen Abhandlung und: von Archibald Smith und Evans auf-
gestellte als Spezialfall ergeben wird. ; .
Vorausgesetzt wird zunächst eine Kompaßrose, welche aus zwei bezüglich
ihrer Dimensionen und ihres magnetischen Moments ganz gleichen, symmetrisch
auf beiden Seiten und parallel der N—S-Linie derselben ‚angebrachten Nadeln
besteht. Es mögen nun folgende Bezeichnungen gebraucht werden: d== der
Deviation des Kompasses, hervorgebracht durch einen permanent magnetischen
Stahlstab und durch einen ‘solchen von weichem Eisen, welche beide eine
beliebige, aber mit Bezug auf drei im Schiff gedachte Koordinatenaxen fest
definierte Stellung zum Kompaß haben sollen, | = der halben Poldistanz der