378 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1904.
gelesen werden kann. Dann dreht man den Globus derart, daß die vom Bogen
des größten Kreises geschnittenen Meridiane der Reihe nach unter den geteilten
Messingring kommen, und liest auf diesem die Breite der Durchschnittspunkte
ab, während die Länge dieser Meridiane am Aquator abgelesen wird. Ist der
Globus gut gearbeitet und sein Durchmesser nicht kleiner als 20 cm, so kann
man die von ihm abgelesenen Punkte nach Breite und Länge in die Karte ein-
tragen und erhält so eine für die Zwecke der Schiffahrt hinreichend genaue
Darstellung des größten Kreisbogens.
Natürlich kann man auch die Position des Scheitels vom Globus ablesen
und die weitere Arbeit mit Zuhilfenahme
eines der besprochenen Tafelwerke verrichten.
Es bedarf keiner Erklärung, daß die
Auflösungsformeln des astronomischen
Positionsdreiecks auf das von dem in
Frage stehenden orthodromischen Bogen und
den beiden Meridianen gebildete Dreieck auf
der Erdoberfläche ohne weiteres angewendet
werden können (Fig. 3).
Man hat sich bloß ersetzt zu denken:
1. den Himmelspol P durch den Erdpol, das Zenit Z durch den gegebenen
Punkt A, für welchen der Kurs ermittelt werden soll; den Ort des
Gestirns G durch den Bestimmungsort oder einen beliebigen andern
Punkt der größten Kreislinie.
Infolge dieser Annahme erscheint auch ersetzt:
2. der Stundenwinkel s durch den Längenunterschied AA der beiden
unter 1. angenommenen Punkte, das Azimut durch den Kurs K;
die Breite des Beobachtungsortes (g) durch die Breite @, des
gegebenen Punktes (für welchen der Kurs gefunden werden soll), die
Deklination d& durch die Breite og, des andern Punktes.
Wie nun leicht zu ersehen ist, kann zur Ermittlung des Kurses eine
Azimuttabelle mit Vorteil benutzt werden. Man hat bloß, wenn man z. B. die
Azimuttafeln von Ebsen gebraucht, an Stelle der Breite mit der Breite des
fraglichen Punktes, bei der Deklination mit der Breite des Bestimmungsortes,
endlich an Stelle der „wahren Zeit nachmittag“ mit dem in Zeit ausgedrückten
Längenunterschiede (des fraglichen Punktes gegen den Bestimmungsort) einzugehen.
Man findet so durch das in der Tabelle gegebene Azimut den gesuchten Kurs.
Auf die „sphärische Koppeltafel“ von Raper einzugehen, verbietet der
Raum; es ist dies auch bei der großen Verbreitung, deren sich das nautische
Werk dieses Autors erfreut, wohl kaum nötig.
Von Harris angegebenes Verfahren der Auflösung sphärischer Dreiecke
mit Hilfe der stereographischen Projektion.
N Das hierbei verwendete Diagramm ist eine Halbkugel in stereographischer
Aquatorial-Projektion mit Meridianen und Parallelkreisen von Grad zu Grad,
überdies Halbmessern mit Mittelpunktswinkeln von fünf zu fünf Grad und ge-
strichelten konzentricehen Kreisen von fünf
zu fünf Grad, welch letztere kleinere Kreise
der Kugel zur Darstellung bringen.
Die vorkommenden Fälle sollen der
Reihe nach behandelt werden.
il. Rechtwinklige Dreiecke. Der
Scheitel des rechten Winkels wird immer im
Umfange des die Begrenzung bildenden größten
Kreises angenommen, z. B. in R (Fig. 4).
Den Scheitel des einen der beiden spitzen
Winkel denke man sich im Pol N; ist einer
dieser Winkel bekannt, so wird dieser in
den Pol postiert.
Die Größe des Winkels kann an der Nummer der größten Kreise ab-
gelesen werden. Dasselbe gilt von der Länge des auf.den äußeren Umfang
Wie dd