Die Gezeiten im Ostindischen Archipel.
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Bord einzelner Schiffe; die nur immer kurze Zeit an einem Orte waren, ließen
für den betreffenden Schiffsführer keinen richtigen Schluß zu auf die Gezeiten-
bewegung.
Im Anschluß hieran werden dann in ähnlicher Weise die Gezeitenströme
behandelt. Nachdem zunächst ausgeführt wird, daß der Versuch, durch Bear-
beitung der Beobachtungen von Landstationen aus, zuerst ohne Erfolg geblieben
sei, man später bei der Bearbeitung der Beobachtungen der Feuerschiffe gute
Resultate erzielt und darauf auch die Stromkonstanten in ähnlicher Weise habe
bestimmen können, wie die Gezeitenkonstanten, wenngleich jenes noch nicht
soweit durchgeführt sei wie bei diesen. Auch die Stromverhältnisse sind in
verschiedenen Gegenden des Ostindischen Archipels ganz verschiedenartig. Zum
Teil haben sie neben einem konstanten Strom in bestimmter Richtung und dem
Monsunstrom, der durch das regelmäßige halbjährige Wechseln der Monsune
entsteht und einen halbjährigen Charakter hat, eine halbtägige, zum Teil eine
ganztägige Periode. Stellenweise erscheinen die Stromverhältnisse als zu-
sammengesetzt aus halb- und ganztägigen Perioden.. Wie für die einzelnen
Tiden, so sind auch für einzelne Orte Stromkonstanten gegeben, mit deren Hilfe
in ganz ähnlicher Weise, wie die Gezeiten auch die Gezeitenströme berechnet
werden an der Hand mehrerer Beispiele. H. Meyer.
Die Witterung zu Tsingtau imDezember 1903, Januar und Februar 1904,
nebst einer Zusammenstellung für den Winter 1903/1904.
Bericht der Kaiserlichen Meteorologisch-astronomischen Station in Tsingtau.
Die anliegende Tabelle enthält die meteorologischen Beobachtungen aus
Teingtau sowohl für die Monatsdrittel als auch für die ganzen Monate
Dezember 1903, Januar und Februar 1904.
Am Schluß der Tabelle befindet sich eine Zusammenstellung, welche den
Winter 1903/04 umfaßt. (Die Berechnungen der „Allgemeinen Luftbewegung“
für die einzelnen Zeitabschnitte sind unter Zugrundelegung der Windbeobachtungen
an den drei Terminen jedes Tages — vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“ 1900, S. 63 —
auf der Deutschen Seewarte eingefügt worden.)
Dezember 1903. Die Witterung im Monat Dezember 1903 war im all-
gemeinen ungefähr dieselbe wie im gleichen Monat früherer Jahre. Die
Temperatur, welche häufigen Schwankungen unterworfen war, bewegte sich
zwischen + 11,0° und —77,0°, die mittlere Tagestemperatur während des
Monats betrug + 2,4°.
Zum Vergleich mögen folgende Zahlenwerte aus den Vorjahren dienen:
5,5°, mittlere =
“39, 3
7,39, ”
9,8%,
— 5,79
1898 höchste Temperatur =
1899 »
1900 »
1901
1902
Während 21 Nächten sank die Temperatur unter den Gefrierpunkt, ein
Tag im Monat, der 19., war infolge des Nordwest-Sturmes ein Kistag.
Die Bewölkung des Himmels war sehr gering, sie machte im Monats-
mittel nur 2,3 Zehntel aus; es wurden 19 heitere und nur 2 trübe Tage gezählt.
[m Einklang mit der Bewölkung standen auch die relative Feuchtigkeit der
Luft und die Niederschläge, erstere betrug 70%, letztere erreichten durch
2 regnerische Tage 5,6 mm Höhe. Am 2. Dezember 7h 40%» abends setzte
Schneetreiben ein, welches die ganze Nacht über anhielt, der gefallene Schnee
blieb jedoch nur an den nördlichen Hängen der Höhen und Berge und in den
Ravinen einige Tage liegen.
Morgens war die Erde sehr oft mit Reif überzogen und die Atmosphäre
dunstig. |
Die Winde wehten, wie immer zu dieser Jahreszeit, zum überwiegenden
Teile aus dem Nordwestquadranten; sie entwickelten eine Durchschnittsstärke
von 2,9 der Beaufortskala.