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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1904. 
Liegt indessen zwischen beiden Hochwassern der einzelnen Tiden ein 
Zeitraum von sechs Stunden, so findet der Reihe nach statt wie die punktierte 
Linie zeigt: niedriges Hochwasser mit dem Betrage von W-+a?* bis W+(al— a?), 
niedriges Niedrigwasser mit dem Betrage von W — (a!-+-2a?%), und wiederum 
niedriges Hochwasser wie anfangs. Es zeigt sich, daß bei der eintägigen Tide 
so ein vollkommen umgekehrtes Verhältnis innerhalb zweier Tage sich ein- 
stellen kann, mit annähernd gleichen Amplituden, wie es nach einer Woche mit 
sehr veränderten Amplituden eintritt, und daß die daraus resultierende Gezeiten- 
kurve sehr verschiedene Formen annehmen kann, infolge der zufällig bedingten 
Wasserstände von Hoch- und Niedrigwasser. 
Bedenkt man nun, daß die Amplitude, jeder der Gruppen, außer den oben 
dargestellten Veränderungen, noch anderen Änderungen unterworfen ist infolge 
ihrer Zusammensetzung aus einzelnen Tiden, so daß a* schwanken kann zwischen 
1:4 K, bis !/4 K, und a? von 1’% M, bis !/s M,, wodurch das Verhältnis von 
a! zu a? sich stetig ändert, so wird es klar, daß die Gezeitenkurren an ein und 
demselben Orte nicht nur veränderlich sind, sondern auch einen ganz anderen 
Charakter annehmen können. 
Unter allen Umständen findet man aber die bemerkenswerte Eigenschaft 
der zusammengesetzten Tiden, ungleichartiges Steigen über und Fallen unter 
den mittleren Wasserstand. Dieses zeigt sich in der täglichen Ungleichheit in 
der Höhe, die nicht mit der Ungleichheit in Zeit verbunden ist, sofern der 
Charakter der Gezeitenkurve halbtägig ist, und in großer Ungleichheit in Zeit 
beim Steigen und Fallen, sofern er eintägig ist. 
Die Ungleichheit in Höhe verursacht, daß die Flutgröße — der Unterschied 
zwischen einem Hoch- und dem darauf folgenden Niedrigwasser oder zwischen 
einem Niedrig- und dem unmittelbar darauf folgenden Hochwasser, der sich bei 
eipfachen Tiden stets nur langsam ändert und Anhalt bietet für die Größe der 
Tide und den zu erreichenden Wasserstand — bei zusammengesetzten Tiden 
fortwährend großen Schwankungen unterliegt und daher kein Maßstab vor- 
handen ist, weder für den Umfang der Tide noch den zu erreichenden Wasser- 
stand. Beim Zusammenfallen der Houch- oder Niedrigwasser beider Gruppen 
beträgt, sofern a*—>2a*, der Unterschied zwischen dem normalen Niedrig- oder 
Hochwasser der halbtägigen Gruppe und dem vorhergehenden hohen Hoch- 
oder niedrigen Niedrigwasser 2 a? al, dagegen zwischen demselben Niedrig- 
oder Hochwasser und dem folgenden hohen Hoch- oder niedrigem Niedrigwasser 
2a°— al, Für denselben Tag ergibt sich mithin ein Unterschied von al. 
Falls al—> a? ist, war der Unterschied 2 a®*. Man sollte daher nur von 
Steigen oder Fallen über oder unter Mittelwasserstand sprechen und nicht von 
Flutgröße. * 
Nachdem darauf noch in eingehendster Weise erklärt wird, wie infolge 
der zusammengesetzten Tiden periodische Schwankungen aller Wasserstände 
entstehen und unter welchen Verhältnissen die Spring- und Niptiden wie auch 
die Hoch- und Niedrigwasser beider Gruppen von Tiden zusammenfallen und 
sich reiben, wird zum Schluß die Frage gestellt: Wie ist die vertikale Wasser- 
bewegung in den Segelhandbüchern zu beschreiben? 
Diese Frage wird zunächst dahin beantwortet, daß eine verständliche 
Beschreibung der senkrechten Wasserbewegung nur möglich ist für Gegenden, 
für die man auf Grund langjähriger Beobachtungen mit Hilfe der analytischen 
Methode die Konstanten (Amplitude und Kappa) der Haupt- und Nebentiden 
kennen gelernt hat. Da Beispiele in der Regel besonders geeignet sind, das 
Verständnis zu fördern, so wird an zahlreichen Beispielen für verschiedene Orte 
und Zeiten die Rechnung mit Hilfe von Tabellen, die die Konstanten (Am- 
plituden in cm, Kappa in Graden) dieser Orte für alle in Betracht zu ziehenden 
besonderen Tiden enthalten, ausgeführt. Das Auffinden des mittleren Wasser- 
standes, der Spring- und Niptiden, der Hochwasser und Hochwasserzeiten wie 
auch ganzer Gezeitenkurven wird dabei vorgeführt in einfacher, leicht begreif- 
licher Weise. Wir können den Ausführungen des Herrn Verfassers darin bei- 
pflichten, wenn er bei dieser Vorführung sagt: Diese Kenntnis konnte nicht 
aus einer geringen Anzahl von Beobachtungen gewonnen werden, sondern nur 
aus einer fortlaufenden Reihe von Beobachtungen, die eine völlige Serie aller 
Gezeitenkurven umfaßt, und ebenfalls, wenn er sagt: die Beobachtungen an
	        
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