Die Gezeiten im Ostindischen Archipel.
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zusammen, und es ergibt .sich daher wieder der Betrag von W + (a! + a”).
Wenn um 0* beide Niedrigwasser zusammenfallen, ergibt sich. dafür wie für
die folgenden. Zeiten genau das entgegengesetzte Verhältnis wie: oben aus-
geführt, ‚was sich .zeigt, wenn man die Figur umkehrt. “
Wenn es bei dem angeführten Beispiel Springtide war für beide Gruppen,
so wird der tägliche Gang, wegen der geringfügigen Verspätungen der Hoch-
wasserzeiten für diese Periode, einige Tage annähernd derselbe sein. War es
dagegen Niptide beider Gruppen, dann wird bereits am folgenden Tage das
Hochwasser . der. eintägigen Tide drei Stunden und am nächstfolgenden Tage
sechs Stunden früher eintreten als das der halbtägigen Tide, und es wird ein
Zustand beobachtet werden, wie ihn die punktierte Linie in der Figur andeutet.
Das Niedrigwasser der halbtägigen fällt zusammen mit dem Hochwasser der
eintägigen Tide, woraus sich W— (a? — al) ergibt. Sechs Stunden später fällt
das Hochwasser der halbtägigen mit dem Mittelstand der eintägigen Tide zu-
sammen, woraus sich W + a? ergibt. 12 Stunden später fällt das Niedrigwasser
der. halbtägigen mit dem Niedrigwasser der eintägigen Tide zusammen, woraus
W — (a? + a!) resultiert. Nach 24 Stunden tritt, ohne die Verspätung ge-
rechnet, wieder der zuerst genannte Zustand, :W — (a? — al), ein.‘ Im letzt-
genannten Falle findet man, daß nach zwei Tagen ein vollständig umgekehrter
Verlauf, eingetreten ist mit nur wenig veränderten. Amplituden, weil die täg-
lichen Änderungen von a! und a? nicht groß sind. Im ersten Falle gehört
dagegen ein Zeitunterschied von sieben Tagen dazu, und die Amplituden haben
sich inzwischen sehr verändert. . In dieser Zwischenzeit muß die aus dem Gange
beider Gruppen resultierende Gezeitenkurve verschiedene Formen erhalten,die durch
das nicht stets gleichzeitige Steigen oder Fallen beider Gruppen verursacht wird.
Falls die Amplitude der halbtägigen Gruppe größer ist als die der ein-
tägigen, findet man den oben beschriebenen Zustand des Ganges der senkrechten
Wasserbewegung und das Wasser hält sich abwechselnd längere oder kürzere
Zeit über dem mittleren Wasserstand, ;
Falls dagegen die Amplitude der eintägigen Tide größer ist als die der
halbtägigen, dann bleibt, wenn die Hochwasser beider Tiden zusammengefallen
sind, - das Wasser. weiter fallend nach dem HEintritt des ersten Niedrig wassers
der halbtägigen Tide, und es fängt bereits an zu steigen, bevor das Niedrig-
wasser dieser. Tide zum zweiten Male eintritt. Mitten zwischen den niedrigen
Ständen wird der mittlere Wasserstand durch das Steigen der halbtägigen Tide
jedoch nicht erreicht, sondern er bleibt darunter. Im Laufe eines Tages treten
der Reihe nach ein: ein hohes Hochwasser mit dem Betrage von W + (al-+a?),
ein hohes Niedrigwasser mit dem Betrage von W-— a% ein niedriges Hoch-
wasser mit dem Betrage W — (al-— a?), ein zweites hohes Niedrigwasser wie
oben‘ angegeben, und darauf wieder das hohe Hochwasser wie oben. Diesen
Fig. 2.
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Vorgang zeigt die gebrochene Linie in Figur 2. Sind dagegen die Niedrig-
wasser beider Tiden zuerst zusammengefallen, so findet das umgekehrte Ver-
hältnis von dem vorbeschriebenen Gange statt, das die genannte Linie in
Figur 2 darstellt, wenn man letztere umkehrt und das unterste nach oben
nimmt.. Im ersten Falle ist der Wasserstand erheblich länger unter, als über
dem mittleren Wasserstande, im letzten .Falle ist es umgekehrt der Fall,
Ann. d, Hydr. etc., 1904, Heft YII.