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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1904
Falls Kappa der M,-Tide erheblich größer ist, wie bei Pulo Besar in
der Bankastraße und bei Boompjes - Eiland, so wird die Lebensdauer der halb-
tägigen Tide negativ, d.h. sie umfaßt nur etwa vier Tage, und dadurch werden
die täglichen Verspätungen der Hochwasserzeiten noch ungleicher.
Ist die Amplitude der S,-Tide viel kleiner, als die halbe Amplitude der
M,-Tide, wie bei Permangkat an der Nordwestküste von Borneo, wo sie !/s,
und bei der Briluntiefe, wo sie !/4 beträgt, so wird die tägliche Verspätung der
Hochwasserzeiten weniger ungleich. Ist sie aber viel größer, wie bei Balik
Pappan und bei Toli Toli, wo sie % beträgt, oder bei Donggala, wo sie %/
ist, und wenn sie selbst den vollen Betrag der Amplitude der M,-Tide über-
trifft, wie bei Kotta Baroe, wo sie */s, oder bei Gorontala und Kema, wo sie
3% beträgt, oder bei Bonthain, wo sie doppelt so groß ist, dann wird die Ver-
spätung der Hochwasserzeit zuerst geringer, doch nachher, bei der Annäherung
an die Niptide von äußerst geringem Betrage.
Falls die Amplitude der N-Tide von einigem Belang ist, wie bei Saleyer,
wo sie gleich der der S,-Tide ist, so wird dadurch die tägliche Verspätung der
Hochwasserzeit sehr unregelmäßig. Wenn die Amplitude der K,-Tide erheblich
groß ist, wie bei Bonerate, wo sie °/s der Amplitude der S,-Tide beträgt, dann
wird die tägliche Verspätung einen ganz verschiedenartigen Gang haben.
An den wenigen Stellen, wo nur eine der beiden Gruppen vorkommt,
hat man doch den Unterschied beider Gruppen bei der Berechnung in Betracht
zu ziehen und am meisten die Einzelheiten der bedeutendsten Gruppe.
Für die Praxis können gewöhnlich die N- und K,-Tide außer acht ge-
lassen werden, dagegen sind besonders zu berücksichtigen, das Datum (K , und P),
die Deklination des Mondes (0), die Mondphase (M,) und die Uhrzeit (S,).
Die eintägige Gruppe gibt Hoch- und Niedrigwasser für einen Zeitpunkt,
der in annähernd 14 Tagen nur vier Stunden auseinander geht, die halbtägige
Gruppe dagegen für einen Zeitpunkt, der in fast 15 Tagen alle Uhrzeiten
Jurchläuft. Die Hoch- und Niedrigwasser beider Gruppen müssen daher in
dieser Periode wenigstens einmal miteinander zusammenfallen.
Stellt man den Gang beider Gruppen für einen vollen Tag, wie unten-
stehend, graphisch dar, wo die gerade Linie W den mittleren Wasserstand mit
den Uhrzeiten, die beiden ausgezogenen Kurvenlinien den Gang der ein- und
halbtägigen Tiden bedeuten, a! und a* die Amplituden beider Tiden, so ergibt
sich aus dem Zusammenwirken beider Gruppen für diesen Tag die gestrichelte
Linie. Um 0* fallen beide Hochwasser zusammen, und es entsteht dadurch ein
hohes Hochwasser mit dem Betrage W + (a!-+-a?). Sechs Stunden später hat
die halbtägige Tide Niedrigwasser, während die eintägige zu diesem Zeitpunkt
fallend auf den mittleren Wasserstand angelangt ist; die Folge davon wird ein
Piz, 1.
6 stündl.. N.
Erf o°W
Wasserstand sein von W-—a?, Nach 12 Stunden hat die halbtägige Tide wieder
Hochwasser, während die eintägige Niedrigwasser hat, und der Wasserstand
wird infolgedessen sein W + (a*— al), 18 Stunden später hat die halbtägige
Tide zum zweiten Male Niedrigwasser, während die eintägige steigend wieder
den mittleren Wasserstand erreicht hat; die Folge ist wieder ein Wasserstand
von W— al Nach 24 Stunden fallen die beiden Hochwasser annähernd wieder