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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Die Gezeiten im OÖstindischen Archipel. 
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Die Haupttide K,; der eintägigen Gruppe steht mit dem Datum im Zu- 
sammenhang. Die Zeit des. Hochwassers dieser Tide verfrüht sich täglich um 
4min. g9 daß das Hochwasser nach 6 Monaten auf ‚dieselbe Uhrzeit in der Nacht 
fällt, ‚an ‘der. es vorher. am Tage eingetreten ist, und daß das Hochwasser an 
jedem Datum der verschiedenen pa „stets um dieselbe Zeit eintritt. Das 
2 un “u appa FE N . 
Kappa (K) der‘ Tide (za ke) ix Zeit eibt die Zeit des 
Hochwassers dieser Tide für die zweite Hälfte Juni .an. - Mit Kappa wird der 
Unterschied zwischen der Kulmination des. betreffenden Gestirns und dem darauı 
folgenden, durch dasselbe verursachten, Hochwasser entweder in Bogengraden 
oder in- Zeit ausgedrückt. Die Amplitude, das Steigen über oder das Fallen 
unter den mittleren Wasserstand bezeichnet den täglich erreichten. Wasserstand. 
Das Kappa der Tide mag- als konstant angesehen werden, die Amplitude 
ist es indessen nicht. Sie schwankt vielmehr in einer halbjährigen Periode 
zwischen gewissen Grenzen hin und her, die durch die Amplitude einer Neben- 
tide. P verursacht werden, die mit der Deklination der Sonne zusammenhängt, 
Etwa um die zweite Hälfte der Monate Juni und Dezember, März und Sep- 
tember, ‚wenn die Deklination der Sonne am: größten oder gleich 0 ist, wird die 
Amplitude der Haupttide vergrößert oder verkleinert um den vollen Betrag der 
Amplitude der P-Tide, woraus folgt, daß letztere um die Zeit der ersten Hälfte 
der Monate Februar, Mai, August und November keinen Einfluß hat. Die 
Kappas der K,- und P-Tiden sind überall ungefähr gleich. - .. 
Die vornehmlichste Nebentide O, die einzige, die für. die Praxis von 
Belang ist, steht im Zusammenhang mit der Deklination des Mondes, und. zwar 
so, daß an den.Tagen der. größten und kleinsten halbmonatlichen Deklination 
des Mondes das Hochwasser dieser Tide im Mittel’ um soviel Stunden nach dem 
Eintritt jener Deklinationsphasen fällt, als das Kappa dieser Tide in Zeit be- 
trägt. Täglich verspätet sich das Hochwasser dieser Tide um 1,8", so daß es 
in 7 Tagen um etwa 12 Stunden später eintritt. 
Die Anzahl Tage, die im Mittel verfließen zwischen dem Augenblick der 
größten oder der 0°-Deklination des Mondes und dem zuerst darauf folgenden 
Zusammenfallen oder 12 stündigen Unterschied der K,- und O-Tiden nennt man 
die Lebensdauer der eintägigen Tide. Im ersten Falle ist es Springtide mit 
den A von 2 (K, -H O0), im zweiten Falle Niptide mit dem Betrage 
von 2 (K, — 0). 
. Das regelmäßige Verfrühen des Hochwassers der Haupttide wird fort- 
während beeinflußt durch diese Nebentide. Nach Springtide fällt. es anfänglich 
stets. später, um nachher beträchtlich zu verfrühen, so. daß das Hochwasser 
der Haupttide bei Niptide fast um dieselbe Zeit eintritt, wie bei der vorher- 
gehenden Springtide, bei der nächstfolgenden Springtide dagegen etwa um 
1 Stunde früher. ; 
Die nachstehende Tabelle veranschaulicht diese Verhältnisse: 
Stand der ‘Tide 
Springtide 
LTagnach 
2Tage, 
Born 
Hoch- 
WaSSC + 
zeit | Verfr. 
Tägl. 
Versp. 
n 
h 
0,0 
DB. 
40,5 
).9 
1,2 
0,4 
10.4 
16° 140.3 
Tägl. 
Hoch- ja 
wasser-| . + 
zeit: | Verfr. 
Stand der Tide 
5Tagenach | 
° Springtd. | 
6. m » 
Niptide . 
7Tagenach „ | 
8 ” » 
1,5 
0,8 
—0,1 
—0.7 
UL3 
9,9 
—1,5 
a4 
9 
‚9,3 | -—0,6 
Aoch- 
wasser 
zeit 
Tägl. 
‚Versp. 
‚+ 
Verfr. 
Stand der Tide 
10 Tagenach 
Springtd. 
11 
9,5 
Q.8 
—+0,2 
+—0,3 
12 » . » »” 
8 ‚N » » 
Springtide 
|4Tagenach, ..| 11,8 | +0.6 
—+0,4 
‘40.5 
- Faßt man das Vorstehende kurz zusammen, so ergibt sich für die Gruppe 
der eintägigen -Tiden folgendes: ; 
1. täglich ein Hoch- und ein Niedrigwasser;
	        
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