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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

364 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1904. 
Ostindischen Archipel aus zwei verschiedenen Arten von Bewegungen zusammen- 
setze. Nach seiner Angabe bestehe dieselbe aus einer eintägigen Tide, die 
täglich nur ein Hoch- und ein Niedrigwasser umfasse und mit dem Stande der 
Sonne zusammenfalle, und einer halbtägigen Tide, täglich zwei Hoch- und zwei 
Niedrigwasser umfassend, die mit dem Stande des Mondes zusammenhänge. 
Obwohl nun diese Beobachter der 4. Art von dem Resultat ihrer Unter- 
suchungen fest überzeugt waren und auf Grund ihrer Theorie sogar Voraus- 
berechnungen über den Gang der Tide veröffentlichten, haben diese Ergebnisse 
sich doch nicht eingebürgert, weil immerhin noch große Abweichungen davon 
vorkamen. Spätere Beobachter haben zu viel Wert auf jene Abweichungen 
gelegt, und 80 ist man allmählich wieder auf den alten Stand der Unregel- 
mäßigkeit der Tide gekommen und hat denselben längere Zeit beibehalten. 
Es wird dann weiter ausgeführt, daß man wohl wußte, daß letztere An- 
schauung nicht ganz zutreffend sei, und daß man auch versucht habe, durch 
regelmäßige Pegelbeobachtungen, die an sechs verschiedenen Stellen im Archipel 
während einer längeren Periode angestellt wurden, der Sache auf den Grund 
zu kommen, daß aber dennoch solches derzeit nicht gelungen sei. Erst nachdem 
englische Gelehrte auf Grund langjähriger Pegelbeobachtungen an der Küste 
von Vorderindien mit Hilfe der mathematischen Analysis zu der Erkenntnis der 
Haupt- und Nebentiden gekommen seien, habe man weitere Fortschritte in der 
Erkenntnis auch der Tide im Ostindischen Archipel gemacht.) 
Die Methode der harmonischen Analyse wurde für holländisch Indien 
zuerst in Anwendung gebracht im Jahre 1881 durch den Ingenieur H. Ijpes 
bei der Bearbeitung der Angaben des selbstregistrierenden Pegels von Soerabaja. 
Die Resultate dieser Arbeit bestätigten vollkommen die Richtigkeit der 
Behauptungen des Leutnants Jansen, besonders das Bestehen von einer ein- 
tägigen und einer halbtägigen Tide, Durch die wissenschaftlichere Behandlung 
des Gegenstandes wurde das Regime der eintägigen und der halbtägigen Tiden 
besser beschrieben und außerdem das Bestehen anderer Tiden angedeutet in 
genauer angegebenem Umfange, um den Wasserstand für künftige Gezeiten zu 
berechnen. 
Der geringe Unterschied zwischen den so berechneten und den wirklich 
beobachteten Wasserständen bildete den vollständigen Beweis für die Brauch- 
barkeit der befolgten Methode. Damit war bewiesen, daß man in das Wesen 
der Sache, in den Mechanismus der Tide eingedrungen war, und daß dieses 
der einzige Weg sei, um die senkrechte Wasserbewegung zu verstehen. Dies 
Wesen der Tiden im ganzen Archipel konnte daher nur gefunden werden durch 
gute Pegelbeobachtungen an möglichst vielen Stellen und durch Bearbeitung 
derselben auf Grund der harmonischen Analyse. 
Der damalige Direktor des Meteorologischen Öbservatoriums in Batavia 
veröffentlichte im Jahre 1889 das erste Resultat seiner eingehenden Unter- 
suchungen über an 70 verschiedenen Stellen im Archipel angestellte Pegel- 
beobachtungen unter dem Titel: „Harmonische aualyse der getijden in de 
Javazee“ in den „Mededeelingen van de Koninklijke Akademie van Weten- 
schapen. Ihm verdanken wir besonders die Kenntnis, die wir über die Gezeiten 
im Ostindischen Archipel besitzen. 
Danach wird die senkrechte Wasserbewegung hauptsächlich verursacht 
durch das gleichzeitige Auftreten von zwei Gruppen besonderer Tiden. Die 
Flutgröße und das Zusammenfallen jeder dieser Gruppen ist sehr verschieden, 
sogar an Plätzen, die nicht weit voneinander entfernt liegen. Selbst bei sorg- 
fältiger Auswahl werden Besonderheiten bei den einzelnen Gruppen gefunden, 
wie bei den eintägigen Tiden in der Gasparstraße und in dem Westgat von 
Soerabaja und bei der halbtägigen Tide an der Nordküste von Atschin. 
Um den gemeinsamen Einfluß beider Gruppen untersuchen zu können, 
sei vorweg bemerkt, was jede der beiden Gruppen hervorbringt und aus welchen 
Elementen sie sich für die Praxis zusammensetzt. Wir folgen hierbei den aus- 
führlichen Beschreibungen des Herrn Verfassers. 
1) Siehe „Die harmonische Analyse der Gezeitenbeobachtungen“ von Prof. Dr. Börgen, 
„Ann, d. Hydr. etc.“ 1884.
	        
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