Die Gezeiten im Ostindischen Archipel,
3
Die Gezeiten im Ostindischen Archipel.
Die holländische Zeitschrift „Marineblad“ bringt in ihrer 5. Lieferung des
Jahrganges. 1903/04 unter dem Titel: „Hoe moeten. wij de Getijden in ‚den
O0. I. Archipel begrijpen“ einen. sehr interessanten Artikel über die Gezeiten-
verhältnisse im Östindischen Archipel aus der Feder des Herrn J. M. Phaff,
Oberstleutnannt zur See und Souschef der Militären Hydrographie. In diesem
Artikel werden die Beobachtungen und Untersuchungen der sehr verwickelten
Gezeitenverhältnisse jener Gegend, wie sie im Laufe der Zeit angestellt und
zu erklären versucht wurden, in kritischer. Weise beleuchtet, und schließlich
eine. Lösung dieses Problems gegeben, die auch Nautikern leicht verständlich
ist; weil sie sich nicht so sehr streng auf mathematische Formeln stützt, sondern
den Gegenstand bildlich vorführt. a .
Der Herr Verfasser führt zunächst aus, daß ein Schiffsführer, der in
früheren Jahren eine Reise nach den Sundainseln machen mußte, aus den hollän-
dischen Segelanweisungen und Beschreibungen nicht das habe finden können,
was er für die Ausführung einer solchen Reise gerade gebrauchte. Wenn auch
die englischen Werke teilweise das in den holländischen Werken Fehlende er-
setzt hätten, so hätte.es doch immerhin noch ausgedehnte Gebiete, Flächen von
größerer Ausdehnung als ganz Holland, gegeben, über die. man jede Angabe
vermißt hätte. - Vor allen Dingen hätte man aber in jenen Werken nichts
Brauchbares über die Gezeitenverhältnisse gefunden. Welchen Wasserstand und
welchen Strom der Schiffsführer. für einen bestimmten Ort und zu einer be-
stimmten Zeit antreffen würde, sei für ihn damals fast immer eine unbeantwortete
Frage gewesen. Selbst wenn er die dahingehenden Anweisungen besessen hätte,
habe er am Ende seiner Reise doch stets erklären müssen, daß er die Ver-
hältnisse ganz anders gefunden habe, als er sie sich auf Grund jener An-
weisungen vorgestellt und erwartet hätte. ; N
Es wird dann weiter ausgeführt, daß die den Schiffsführern mitgegebenen
Anweisungen über die Gezeitenverhältnisse falsch. gewesen seien und aus welchem
Grunde sie falsch sein. mußten. . Vornehmlich sei letztere Ursache darin zu
suchen, daß die Beobachter jener Zeit selbst den Beobachtungen nicht unbefangen
genug gegenüber gestanden hätten, weil sie nach verschiedenen, aber vorher
bestimmten Anweisungen beobachtet und dem entsprechend auch ihre Resultate
veröffentlicht hätten. Die Anweisungen erstreckten sich, jenen Gesichtspunkten
folgend, auf‘ folgende vier verschiedene Arten von Beobachtungen und Ver-
öffentlichungen: ; .
1. solche, die berichteten, daß die senkrechte Bewegung des Wassers
unregelmäßig sei; ; ;
2. solche, die nur über die Hafenzeit und die Fluthöhe berichteten;
- 3, solche, die außer der Angabe der Hafenzeit und der Fluthöhe noch
andere Angaben machten, und ; a. Eu
4. solche, die Erklärungen für die senkrechte Bewegung des Wassers
machten.
. Der Wert dieser Arten von Beobachtungen wird dann in nachstehender
Weise charakterisiert, teilweise durch Auszüge aus denselben, wie z. B. für die
unter 1. genannte Art: „Hafenzeit ist nicht anzugeben“, oder „die Tide scheint
sich nicht an eine Hafenzeit zu kehren“. . Bei den Veröffentlichungen der unter
2 und 3 genannten Arten scheint man. von vornherein einen Zusammenhang mit
den Mondphasen gesucht und dann versucht zu haben, die Abweichungen davon
möglichst wieder durch. Erklärungen anzuschmiegen, wobei man-sich aber in
unlösbare Widersprüche verwickelte.. Nur die Beobachter der +4. Art standen
den Beobachtungen unbefangen: gegenüber, indem sie nicht zuerst ein System
aufstellten und dann diesem System die Beobachtungen anzupassen suchten,
sondern indem sie versuchten, aus den Pegelbeobachtungen in das Geheimnis
der senkrechten Wasserbewegung einzudringen und deren Spuren zu folgen.
Nach weiterer Angabe betrug die Anzahl derer, die mit Erfolg in dieser
Weise ‚arbeiteten, nur drei. Der erste von ihnen, der damalige Leutnant zur
See. H. M. Jansen, hat bereits im Jahre 1843 als Resultat seiner Unter-
suchungen die Erklärung gegeben, daß sich die senkrechte Wasserbewegung im