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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904. 
Das dem Meere so zugeführte leichte frische Wasser breitet sich natürlich 
infolge der ihm noch innewohnenden Bewegung und seines geringeren Gewichtes 
bald auf der schwereren Unterlage des Meerwassers aus. Es führt alle auf ihm 
schwimmenden Gegenstände, sofern sie nicht sehr tief tauchen, mit sich bis zu 
seiner Grenze, die dadurch eine sehr ins Auge fallende Form erhält. Falls 
keine Treibprodukte mitgeführt werden, so ist doch die Grenze des frischen 
Wassers als Stromkabbelung kenntlich. Im Falle Nansen bildete natürlich das 
dünne Treibeis die Grenze. 
Durch die Ausbreitung der Öberflächenschicht wird dieselbe natürlich 
nach den äußeren Grenzen zu bald dünner, wobei die stetige Reibung ihrer 
unteren Flüche auf der Seewasserunterlage insoweit fördernd wirkt, als dadurch 
auch eine stetige Mischung beider Schichten an ihren wagerechten Grenzen 
herbeigeführt wird, bis sie zuletzt ganz verschmolzen werden. Durch die so 
allmählich vor sich gehende Verdünnung der oberen Schicht entsteht für darin 
verkehrende Schiffe ein stetig wechselnder Zustand, der sich von vollständiger 
Manövrierunfähigkeit beim Vertreiben allmählich bis zur unbehinderten Steuer- 
fähigkeit oder auch umgekehrt gestalten muß. Dieses ist tatsächlich auch 
überall der Fall, wo solche Verhältnisse vorkommen. 
In die meisten Flüsse dringt das Meerwasser infolge des geringen Ge- 
fälles ihres Unterlaufes und wegen der Gezeiten weit hinein, und die Mischung 
von See- und Flußwasser findet im Flusse selbst statt. Man bezeichnet diese 
Mischung gewöhnlich mit dem Namen „Brackwasser“. Vor den Mündungen 
solcher Flüsse findet eine wagerechte Schichtung des Wassers daher nicht statt. 
Ein Zustand der Schichtung so, daß die Steuerfähigkeit und der Fortgang von 
Schiffen dadurch wesentlich beeinträchtigt wird, erfordert daher besondere Vor- 
bedingungen. In den nördlichen Gewässern mag ein solcher Zustand durch 
Schmelzen von Treibeis und Schnee zu gewissen Zeiten dauernder sich gestalten 
können, und daher das durch die Steuerunfähigkeit von Schiffen in Erscheinung 
tretende Phänomen Totwasser allzemeiner bekannt geworden sein, als es sonst 
der Fall ist. 
Berechnung des Schiffsortes aus zwei Gestirnshöhen nach 
der Höhenmethode. 
Von H. Baum und €, Fesenfeld, Navigationslehrern in Elsfleth, 
Fällt man vom gegißten Schiffsort G ein Lot auf die 
Standlinie PS, so ist P ein genäherter Ort (le point 
rvapproche nach Marcq St. Hilaire), der dem wahren 
Orte S näher liegt, als G. Da nun jeder Winkel im Halb- 
kreise ein rechter ist, so müssen die drei Punkte G, P und S 
auf einem Kreise liegen, dessen Durchmesser die Entfernung 
G8S vom gegißten nach dem wahren Schiffsorte ist. Da GP 
der Höhenfehler ist, so hat man, wenn « den Winkel zwischen den Richtungen 
zum beobachteten Gestirn und nach dem Schiffsorte S bezeichnet, für die Ent- 
fernung GS 
re 
GS — GP-seca. 
Das Gesagte gilt natürlich von beliebig vielen 
Punkten P und den zugehörigen Standlinien, welche 
in der nebenstehenden Figur ein Strahlensystem 
zweiter Ordnung bilden, dessen sich rechtwinklig 
schneidende Strahlen dem Kreise GPS den Ursprung 
geben. Von allen Strahlen GP gilt in analoger Weise 
in bezug auf den Durchmesser GS 
GS = GP-seca. 
Ist nun @& bekannt, so bedarf es nur einer ein- 
fachen Koppelung von GS an den gegißten Ort G. 
um den wahren Ört S zu finden. 
Bei mehreren Beobachtungen mit ebenso vielen Standlinien wird man am 
besten aus den voneinander abweichenden Koordinaten von S das Mittel nehmen.
	        
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