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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Meinardus, W.: Über Schwankungen der nordatlantischen. Zirkulation und ihre Folgen, 361 
Nun liegt aber gerade südlich und südöstlich von Neufundland der‘ Haupt- 
divergenzpunkt der von Süden herkommenden warmen Strömung. Der Golf- 
strom geht von hier aus fächerförmig auseinander, die Öffnungsweite des Fächers 
beträgt mehr als 90°, ‘die linksseitigen Stromfäden laufen in die Davisstraße 
hinein, die rechtsseitigen nehmen den Kurs südlich der Azoren..' Diese Strom- 
zerteilung muß nun auch verteilend wirken auf die Schmelzwasser der Eismassen, 
die :an ‚sich ‚schon immerhin doch nur einen sehr kleinen Bruchteil der vom 
Golfstrom geführten Wassermassen ausmachen, .der abkühlende Effekt wird mit 
der Entfernung vom Strahlungspunkt immer mehr verblassen. Oder aber die ab- 
kühlende Wirkung teilt sich überhaupt nur dem einen oder anderen Stromzweig 
mit,: während. die anderen davon unberührt bleiben. Daraus würde dann zu 
folgern sein, daß der Eisreichtum bei .Neufundland nicht regelmäßig den 
Zweig des Golfstroms zu beeinflussen braucht, der gegen die nordwesteuropäischen 
Küsten gerichtet ist. — 
Die dritte Strömung des Nordatlantik,. die für die gesamte ‚Zirkulation 
und die Temperaturverhältnisse Bedeutung hat, ist der ostgrönländische 
Polarstrom mit seinen Verzweigungen, insbesondere die zwischen Jan Mayen 
und Island nach Südosten laufende sogenannte ostisländische Strömung, die 
für die .Eisverhältnisse bei Island von Einfluß wird.. E 
= W. Brennecke hat vor kurzem in dieser Zeitschrift den Nachweis er- 
bracht, daß für den Charakter der Eisverhältnisse im ostgrönländischen Meere 
die Luftdruckdifferenzen zwischen 70° N-Br. 20° W-Lg. und 70° N-Br. 20° O-Lg. 
im Frühjahr (März bis Mai) maßgebend zu werden pflegen. Durch große Luft- 
druckunterschiede werden ‚die . nordöstlichen Winde über‘ den KEisstrom be- 
schleunigt, die dann ihrerseits die Eismengen schneller und in größerer Menge 
südwärts treiben. . Diese Beziehung ‘zwischen Luftdruckverteilung und HEis- 
verhältnissen, die der vom Labradorstrom ganz ‚analog. zu sein scheint, ver- 
anlaßte mich, um einen längeren Beobachtungszeitraum .und auf festem Lande 
gelegene Beobachtungsorte verwenden zu können, die Luftdruckdifferenzen 
zwischen Stykkisholm (Island) und Vardö oder Christiansund (Norwegen) mit 
den Eisvorkommnissen bei Island in Vergleich zu stellen, welch letztere sich 
für ungefär 100 Jahre einigermaßen charakterisieren lassen. Es zeigt sich, daß 
auch. hier im allgemeinen (d. b. in 70 bis 80 % der Fälle) die erwähnte Be- 
ziehung statthat, daß also relativ hoher Luftdruck. auf Island im Winter und 
Frühjahr Eisreichtum, niedriger Luftdruck Eisarmut im Gefolge zu haben pflegt. 
Nun ist aber, wie wir gesehen haben, die relative Höhe des Luftdrucks bei 
Island auch wesentlich mitentscheidend für die größere öder geringere Entfaltung 
der nordatlantischen Zirkulation und für ihre Folgeerscheinungen hinsichtlich 
der Temperatur in Westeuropa im Winter und in Mitteleuropa im Frühjahr, 
sowie für die Eisverhältnisse bei Neufundland. Da. hoher Druck, bei Island 
einerseits eine vermehrte Eisführung bei Island, anderseits eine verminderte nord- 
atlantische Zirkulation mit.ihren Folgen bewirkt, niedriger Druck dagegen eine 
Verminderung der Eisführung bei Island und eine Verstärkung der atlantischen 
Zirkulation mit ihren Folgen, so hängen folgende Erscheinungen aufs engste 
miteinander zusammen: a 
A- 1. Schwache atlantische Zirkulation,. . . 
2, niedrige Wassertemperaturen an der europäischen Küste, 
3, Eisarmut bei Neufundland, 
Eisreichtum bei Island 
oder aber ; 
starke atlantische Zirkulation, . 
hohe .Wassertemperaturen an der europäischen Küste, 
Eisreichtum bei Neufundland, 
4. Eisarımut bei Island. 
Der gleichsinnige Verlauf der Kurven des oberen Diagramms auf Tafel 22 
bringt diese Beziehungen in der gedrängtesten Form zum Ausdruck. Die 
extremen Vertreter eisreicher und -armer Jahre bei Island sind dort durch be- 
sondere Zeichen hervorgehoben. 
Es gibt naturgemäß Ausnahmen von diesen Regeln, wie es nicht anders 
zu erwarten ist; denn ein Ineinandergreifen so vieler Faktoren läßt sich nicht 
restlos durch eine kurze Formel umgrenzen. Es kommen gelegentlich Ab-
	        
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