accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Meinardus, W.: Über Schwaitkungen der nordatlantischen Zirkulation und‘ ihre Folgen. 359 
in der Regel: die Herbst- und Wintermonate entscheidend sind. Aus dieser 
Tatsache aber folgt die Möglichkeit, , aus dem Wert der: Luftdruck- 
differenzen im Herbst und Winter den Charakter‘ der zukünftigen 
Eissaison bei Neufundland im voraus abzuschätzen. . Nach ‚einer ein- 
gehenden Prüfung der Verhältnisse in den letzten drei bis vier Jahrzehnten gibt 
° 1 die Luftdruckdifferenz Toronto—Ivigtut für den Zeitraum 
September bis Januar oder . . . 
die Luftdruckdifferenz Kopenhagen-—Stykkisholm für den 
Zeitraum August bis Januar (oder Februar) “ 
die Grundlage für die beste Prognose‘ | 
Eine starke positive Abweichung dieser Luftdruckdifferenzen lassen. für 
das kommende Frühjahr eine bedeutende, eine starke negative dagegen eine 
geringe Eisdrift erwarten... Man würde also Anfang Februar die Abweichung 
der Luftdruckdifferenz des angegebenen Zeitraums vom normalen Wert zu be- 
rechnen und daraus einen Schluß auf den Charakter der Eissaison zu ziehen haben. 
Im Zeitraum 1875 bis 1900 ging. den sieben eisreichsten Jahren eine 
mittlere Abweichung der Luftdruckdifferenz Toronto— Ivigtut von +2,2 mm 
voraus, in den sechs eisärmsten eine Abweichung von — 2,6 mm. Für die Luft- 
druckdifferenz Kopenhagen—Stykkisholm stellten sich im Zeitraum 1860 his 1900 
die entsprechenden Abweichungen auf -|-2,7 mm (Mittel aus den zehn. eisreichsten 
Jahren) und —3,9 mm (Mittel aus den acht eisärmsten Jahren). . 
. Diese Methode der Eisprognose setzt demnach ‚voraus, daß man recht- 
zeitig über die Luftdruckverhältnisse des Herbstes und Winters auf Island und 
in Südwestgrönland bei uns unterrichtet werde, ein Grund mehr, daß die lange 
geplante telegraphische Verbindung der dänischen Kolonien mit dem Mutterlande 
endlich zur Ausführung komme. Bis dahin wird man sich aus den festländischen 
Luftdruckbeobachtungen und den Windverhältnissen über den britischen Inseln 
und über dem östlichen Kanada eine Vorstellung über die Entwicklung. der 
nordatlantischen. Zirkulation zu bilden haben, wozu mit Vorteil auch die inter- 
nationalen Dekadenberichte herangezogen werden-könnten, die auch die Luftdruck- 
verteilung über dem mittleren Teil des Ozeans wiedergeben. *. 
Beiläufig bemerkt, tritt in den Kurven des Übermaßes auf Tafel 22 der 
erwähnte CM zwischen Luftdruckdifferenzen und Eisverhältnissen in 
der Weise in die Erscheinung, daß ein starker Anstieg der Kurve der Luftdruck- 
differenz gegen Ende des Jahres und später das Anzeichen für eine bevor- 
stehende eisreiche Saison bildet (vgl. die Jahre 1882, 1884, 1885, 1887, 
1890); ein steiler Abstieg deutet dagegen auf ein eisarmes Jahr hin (1881, 1888). 
Wir gelangen durch obige Betrachtung zur Bestätigung einer Vermutung, 
die ich a. a. O. bereits vor sechs Jahren ausgesprochen habe, ohne sie damals 
schon durch ein umfangreicheres Tatsachenmaterial belegen zu können, daß 
nämlich eine Verstärkung der atlantischen Zirkulation auf den beiden gegenüber- 
liegenden Seiten des Nordatlantik einen entgegengesetzten Einfluß auf die 
Wärmeführung der Meeresströmungen ausübt. Indem sie den Golfstrom be- 
schleunigt, erhöht sie die Temperatur an den westeuropäischen. Küsten, indem 
sie aber gleichzeitig den Labradorstrom beschleunigt, vermehrt sie dessen Eis- 
führung, und höchstwahrscheinlich vermindert sie gleichzeitig. dessen Temperatur, 
was allerdings aus Ermangelung von Messungen bisher nicht näher hat fest- 
gestellt werden können. Bei abgeschwächter Zirkulation findet das Gegenteil 
statt. In beiden Fällen tritt in der Außerung der vermehrten oder verminderten 
Wasserbewegung auf die Temperatur- bezw. Eisverhältnisse eine Verspätung 
von mehreren Monaten ein, wodurch ehen die Möglichkeit einer. Prognose für 
beide Seiten des Atlantik gegeben ist. Eine ähnliche Verzögerung der Wirkung 
hat ja auch kürzlich Dr. W. Brennecke bezüglich der Luftdruckverteilung 
über dem nordöstlichen Atlantik und der Eisführung des’ Ostgrönlandstroms 
konstatiert.) . , . 
Infolge der entgegengesetzten thermischen Wirkung, welche die Verstärkung 
(oder die Abschwächung) der nordatlantischen Zirkulation auf die gegenüber- 
liegenden Seiten des Nordatlantik ausübt, wird offenbar der gesamte Wärme- 
vorrat im Nordatlantik nur verhältnismäßig wenig affziert werden, die höhere 
) 
1) Vel, Heft II dieses Jahrgangs, Ss. 49.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.