358 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1904.
Betracht, dessen Intensitätsschwankungen ihren Ausdruck in der wechselnden
Eisführung bei Neufundland finden dürften. Fortdauernde Messungen der
Strömungsgeschwindigkeit gibt es im Labradorstrom ebenso wenig, wie in
irgend einer anderen Meeresströmung; man muß sich also an andere Indizien
halten, die einen Maßstab für die Intensität der Strömung geben können, und
da kann für den Labradorstrom einzig und allein die Eisführung in Frage
kommen,
Aus einer Zusammenstellung, die auf Veranlassung des Hydrographischen
Amts in London gemacht wurde,!) und aus Angaben in diesen Annalen sowie
in der Monthly Weather Review und in den Pilot Charts, habe ich eine kurze
Charakteristik des Eisreichtums bei Neufundland für die einzelnen Jahrgänge
von 1860 bis 1902 gewinnen können. Der Charakter der verschiedenen Eisjahre
wurde dabei durch eine fünfwertige Skala bezeichnet in der Weise, daß ein
sehr eisreiches Jahr mit +2, ein sehr armes mit — 2, ein normales mit 0
hezeichnet wurde. Für die Jahre seit 1880 war es zweckmäßig und möglich,
den Charakter der Eissaison bis auf halbe Skalenteile genau auszudrücken. So
erhielt ich eine von 1860 bis 1902 reichende Zahlenreihe, dessen Werte zur
Zeichnung der vierten Kurve auf Tafel 22 benutzt wurden.“)
Folgende Tabelle ermöglicht einen gedrängten Überblick über diese
Verhältnisse.
Charakteristik des Eisvorkommens bei Neufundland.
-+2 sehr eisreich, 0 normal, —2 sehr eisarm.
Jahrgänge. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
1860, .... --1 2—2 Al +42 +2 —D 241 2 2—1 +2 +15
1870. .... —1 — 90 —1 0 242 +1 —2 +1 —
1880. .... +1 —2 +2 +1 +15 +15 —05 +05 —2 0
1890..... +23 —05 —15 —1 +15 —1 +05 0 OH
1900. .... —2 21 29
Vergleicht man die Kurve, die den wechselnden Eisreichtum bei Neu-
fundland veranschaulicht, mit den drei darüber stehenden Kurven der Luftdruck-
differenzen, die als Repräsentanten der Schwankungen der allgemeinen Luft-
zirkulation über dem Nordatlantik angesehen werden können, so fällt eine
weitgehende Übereinstimmung im Verlauf derselben in die Augen. Es besteht
also ein enger Zusammenhang zwischen der Stärke der nordatlan-
tischen Luftzirkulation und der Eisführung des Labradorstroms in
dem Sinne, daß eine Verstärkung der Zirkulation mit einer Ver-
mehrung, eine Abschwächung dagegen mit einer Verminderung des
Eisreichtums bei Neufundland zusammenfällt.
Wenn man die Eisjahre nach ihrer Intensität ordnet und für jeden
Skalenwert die entsprechende Größe der Luftdruckdifferenz zwischen den drei
Stationspaaren ermittelt, so ergeben sich folgende zugeordnete Werte:
Charakter der Eisjahre bei Neufundland und zugehörige Ab-
weichungen der Jahresmittel (September bis August) der Luftdruck-
differenzen über dem Nordatlantic.
Intensität Toronto— Zahl Ponta Delgada--—- Zahl Kopenhagen— Zahl
Ivigtut der Fälle Stykkisholm der Fälle Stykkisbolm der Fälle
2,1 mm 3 3,5 mm 4 2,9 mm 6
05 8 09 10 06 11
00 7 03 10 0,2 10
—08 3 —12 , 5 —14 , 7
19 5 A 6 34 _ 7
Eine weitere Untersuchung ergab nun, daß für die Größe des Jahres-
mittels (September bis August) der Luftdruckdifferenzen im einzelnen Jahrgang
1) G. Robinson, a report on the movements of the ice currents and tidal streams on the
coast of Newfoundland and in the Gulf of St, Lawrence. London, 1889. Eine Monographie der
Kisverhältnisse des Labradorstroms wird nächstens von L. Mecking veröffentlicht.
2) In der von Schott im vorigen Heft, S. 307, gegebenen Charakteristik der Eis-
verhältnisse bei Neufundland von 1880 bis 1891 ist für die Beurteilung der einzelnen Jahrgänge
die Lage der Eisgrenze maßgebend gewesen, während von mir in erster Linie die Eismenge be-
rücksichtigt wurde, In einzelnen Jahrgängen findet daher eine verschiedene Bewertung der Eissaison
statt, So besonders 1882, das nach Angaben in der Monthly Weather Review als eins der sehwersten
Eisjahre anzusehen ist, während es Schott als normal gelten Jassen mußte,