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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

M einardus, ‘W.: Über. Schwankungen der nordatläntischen Zirkulation und ihre Folgen. 357 
I ähnlicher Weise, wie oben angegeben, sind die Werte: des Übermaßes 
auch für die Wassertemperatur an der norwegischen Küste. und für. die Luft- 
druekdifferenz Kopenhagen—Stykkisholm berechnet. Wenn man’diese Werte 
nun als. Ordinaten, die Monate als Abseissen aufträgt, erhält man Kurven, die 
in ausgezeichneter Weise diejenigen .Zeiträume hervortreten lassen, in denen 
die Tendenz zu. positiven bezw. negativen Abweichungen vorherrscht. .Diese 
Art der Darstellung hat vor der sonst üblichen, auch bei dem oberen Diagramm 
gewählten Methode, Kurven zu zeichnen, die um eine Mittellinie. schwanken, 
den unschätzbaren Vorteil, daß vorübergehende ganz ephemere Unterbrechungen 
einer Periode mit positiver. oder negativer Tendenz auch wirklich als vorüber- 
gehende Erscheinungen gekennzeichnet werden, ohne daß der: Verlauf der Kurve 
im ganzen dadurch gestört wird. So z. B. tritt die isolierte positive Abweichung 
des Wärmegehalts bei Horns Riff im Juli 1881 .inmitten einer negativen Periode 
in der Kurve des Übermaßes auf Tafel 22 nur als kleiner Höcker auf einer 
abfallenden Linie hervor. . 
Man hat also mit dieser Methode ein bequemes Mittel in der Hand, ‚mit 
einem Blick überschauen zu können, wie sich: die positiven und negativen Ab- 
weichungen in einem längeren Zeitraum verteilen, zugleich aber gibt der Ver- 
gleich ‘ mehrerer solcher Kurven die gemeinsamen oder ungleichartigen ‚Be- 
ziehungen leicht zu erkennen. 
Die auf Tafel 22 abgebildeten Kurven des Übermaßes bilden einen Aus- 
schnitt aus einer größeren Darstellung und gelten für die zehn Jahre 1880 bis 
1889. Worauf hier besonders Gewicht gelegt werden soll, das ist die Kongruenz 
der Temperatur bezw. Wärmegehaltskurven mit der Luftdruckdifferenzkurve. 
Sie bedeutet, daß positive (negative) Luftdruckdifferenzen über dem 
Nordostatlantik, oder mit anderen Worten eine Verstärkung (Ab- 
schwächung) der atlantischen Zirkulation mit erhöhtem (verringertem) 
Wärmegehalt der Wasserschichten bezw. deren Oberflächentempe- 
ratur an der europäischen Küste zusammenfallen, oder aber ihnen 
am ein bis drei Monate voraufgehen, wie ein näherer Einblick in den Linien- 
verlauf lehrt. Denn die Wendepunkte .der Übermaßkurven . der Luftdruck- 
differenzen werden in der Regel um einige Monate eher erreicht, als die der 
Temperatur und des Wärmegehalts, Im Jahre 1885 verzögert sich der Eintritt 
des Wendepunkts sogar um ein halbes Jahr. . 
Der relativ gleichmäßige Verlauf der Kurve ist ferner ein Beweis dafür, 
daß die Tendenz zu positiven und negativen Abweichungen der Luft- 
druckdifferenzen und der Temperatur längere Zeit anzuhalten pflegt. 
Unter Nichtberücksichtigung kurzer Unterbrechungen beträgt die Dauer gleichen 
Vorzeichens der Temperatur im westeuropäischen Küstengebiet durchschnittlich 
nicht weniger als ein Jahr, Die Tendenz zum Wechsel des Vorzeichens ist, 
wie schon angedeutet, im Herbst am größten... . . 
Diese Tatsachen beweisen den engen Zusammenhang zwischen‘ der atmo- 
sphärischen Zirkulation über dem Nordatlantik und der Wärmeführung des Golf- 
stroms an der europäischen Küste aufs deutlichste. Schwankungen in der 
Intensität der Zirkulation machen sich in der Regel erst nach. Ablauf einiger 
Monate in einer veränderten Wärmeführung des Wassers an der Küste geltend, 
wie es der Fall sein muß, wenn die Wärme aus größerer Entfernung herbei- 
geführt wird, Die lange Andauer gleichen Vorzeichens deutet darauf hin,. daß 
Kräfte vorhanden sind, welche die einmal eingeleitete Verstärkung oder Ab- 
schwächung der atmosphärischen Zirkulation zu erhalten suchen. Ich habe 
früher bereits: den Versuch gemacht, auf Grund eines wesentlich: beschränkteren 
Beobachtungsmaterials eine Erklärung für diese große. Erhaltungstendenz zu 
geben, und glaube auch heute noch diesen Erklärungsversuch aufrecht erhalten 
zu können, !): 
Wir wenden uns nun zum nordwestlichen Teil des Nordatlantik, um zu 
untersuchen, welche Wirkungen die Schwankungen der atmosphärischen Zir- 
kulation hier hervorrufen. Es kommt in erster Linie der Labradorstrom in 
= ©) 
4) G. Schott hat im Juniheft dieser Zeitschrift (S. 283) Gelegenheit genommen, den 
betreffenden Passus aus meiner früheren Veröffentlichung abzudrucken, weshalb ich an dieser Stelle 
nicht weiter darauf zurückzukommen brauche.
	        
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