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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

356 . Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1904. 
Horns Riff, die im folgenden mit den Schwankungen der Luftdruckdifferenzen 
in Vergleich gestellt werden. 
Um den Zusammenhang der fraglichen Erscheinungen näher zu unter- 
suchen und augenfällig zu machen, habe ich den von Buys Ballot in die 
Meteorologie eingeführten, leider, noch viel zu wenig beachteten Begriff des 
Übermaßes verwendet.) Unter Übermaß eines Elements, z. B. der Temperatur, 
versteht man die algebraische Summe der Abweichungen (der Temperatur) von 
einem beliebig gewählten Zeitpunkt ab gerechnet. Wenn eine ununterbrochene 
Reihe positiver Abweichungen aufeinander folgt, so nimmt demnach das Übermaß 
beständig zu; es nimmt stetig ab zu Zeiten andauernden Defizits. Man kann 
von jedem Element den Betrag des Übermaßes berechnen, so auch von den 
hier in Frage stehenden Luftdruckdifferenzen oder vom wechselnden Wärme- 
gehalt der Wassersäule bei Horns Riff, 
Um die Berechnung des Übermaßes zu veranschaulichen, diene folgender 
Ausschnitt aus einer größeren Tabelle. In der ersten Horizontalreihe sind die 
aus 21jährigen Beobachtungen abgeleiteten normalen Monatswerte des Wärme- 
zehalts der erwähnten Wassersäule bei Horns Riff in Tausenden von Kilogramm- 
Kalorien angegeben.?) Dann folgen zunächst die für die Monate der Jahre 
1880 bis 1882 berechneten Werte, darunter die Abweichungen dieser Werte 
von den normalen. Diese Abweichungen dienen nun zur Berechnung des Über- 
maßes in der Weise, daß sie von Januar 1880 angefangen fortlaufend summiert 
und für jeden Monat besonders notiert werden — unter Berücksichtigung des 
Vorzeichens der Abweichungen (letzter Teil der Tabelle). So stellt die Zahl 
4149, die sich als Übermaß für den Dezember 1882 ergeben hat, die Summe 
aller monatlichen Abweichungen der Jahre 1880 bis 1882 dar, 
Horns Riff, Westküste Jütlands. 
Wärmegehalt einer Wassersäule von 1 qm Querschnitt und 32 m Tiefe 
_ in Tausenden von Kilogramm-Kalorien, 
A I IX IV V VI VM VAL IX X XI XII Jahr 
Wärmegehalt 
Mittel ja6 89 84* 139 242 339 439 493 491 414 306 208 281 
1880 bis 1900 . 
1880... 127 99 118 161 252 364 455 503 533 406 
1881... 87 37 18 89 188 297 452 492 476 363 
1882... 182 152 164 211 293 407 503 527 506 433 
Abweichungen vom Mittel: 
1880... +2 +10 +34 +22 +10 +25 +16 +10 +39 —8 —49 — 1 +9 
1881... —38 —52 —66 —50 —54 —42 +13 —1 —18 —51 —58 +10 —34 
4882. .. +57 +63 +80 472 +51 +68 +64 +34 +12 +19 —16 —58 +38 
Übermaß (vom 1. Januar 1880 ab gerechnet): 
1880. ..+ 2-+12 +46 +68 + 78 +108 +119 +129 +168 +160 +111 +110 
1881. . .+ 72 + 20 —46 —96 —150 —192 —179 —180 —198 —249 —307 —297 
1882. . .—240 —177 —97 —25 + 26 4 94 4158 4192 4204 +223 4207 4149 
Beiläufig bemerkt, zeigen diese Zahlen, daß der normale jährliche Wärme- 
umsatz in der betreffenden Wassersäule 410 000 kg-Kal. beträgt und die Extrem- 
werte erst im März (84 000) und September (494 000) eintreten.) Aber schon 
die drei Jahrgänge 1880/1882 beweisen, wie außerordentlich groß die unperio- 
dischen Schwankungen sind. Im März 1881 enthielt die Wassersäule 66 000 kg-Kal. 
zu wenig, im gleichen Monat des nächsten Jahres (1882) aber 80000 kg-Kal. 
zu viel; die Abweichungen waren im März und in den benachbarten Monaten 
in einigen späteren Jahrgängen noch größer, und die Amplitude der extremsten 
Werte eines Monats erreicht mit 180 000 kg-Kal. fast die Hälfte des normalen 
jährlichen Wärmeumsatzes, 
ı) Nähere Angaben über die Bedeutung des Übermaßes machte u. a. W. Köppen in der 
„Österr. Zeitschr. £. Meteorologie“, Bd. 16, S. 237—241, 1881, und Buys Ballot in der „Meteor, 
Zeitschr.“, Bd. 6, 375—378, 1889. 
2) Eine Berechnung des absoluten Wärmegehalts des Wassers ist nicht möglich, man muß 
vielmehr von einer konventionellen Temperaturbasis ausgelıen. Als solche ist 0°C. angenommen. 
Der Wärmegehalt wird also bei dieser Festsetzung einen negativen Wert annehmen, wenn die mittlere 
Temperatur der Wassersäule unter 0° ist. 
3) Vgl. J. Schubert, Der Wärmeaustausch im festen Erdboden, in Gewässern und in der 
Atmosphäre, Berlin 1904. Siehe auch Referat darüber, Juliheft d. Ann., S. 339. Schubert hat 
sogenannte kleine Kalorien und als Fläche einen qem gewählt. Seine Zahlen sind daher 1/10 
der obigen.
	        
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