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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Meinardus, W.: Über Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation und ihre Folgen. 355 
and nordöstlichen Teil. des Nordatlantik in der ‘Regel gleichsinnig ‚verlaufen, 
daß demnach das gesamte nordatlantische Gebiet gleichzeitig. von 
einer Verstärkung oder Abschwächung der normaler, gegen das 
isländische Aktionszentrum- gerichteten Luftädruckdifferenzen und 
damit. auch .der. atmosphärischen Zirkulation ergriffen zu werden 
pflegt. .Das ganze nordatlantische Gebiet und die benachbarten Küstengebiete 
bilden. in barometrischer Hinsicht eine Einheit, wie das bereits aus den Unter- 
suchungen. von Hildebrandsson hervorging, der nachwies, daß das isländische 
Depressionsgebiet mit dem Hochdruckgebiet der. Azoren und. seinen Ausläufern 
im Kompensationsverhältnis steht.!). .. 
Diese Tatsache muß nun auch. von wesentlicher Bedeutung für die nord- 
atlantische Wasserzirkulation werden. : Die Schwankungen. der atmosphäri- 
schen müssen entsprechende Schwankungen der. ozeanischen Zirkulation ver- 
anlassen.. Man .darf daher voraussetzen, daß die‘ großen Strömungen des 
Nordatlantik (nördlich von 40° N-Br.), der Golf, Labrador- und: Ostgrönland- 
strom mit ihren Verzweigungen .und Ausläufern, : in ihrem Verhalten gewisse 
charakteristische Änderungen zeigen, die mit‘ denen der Luftzirkulation korre- 
spondieren.- Eine. Verstärkung der letzteren oder, wenn wir für die Wirkung 
die nächstliegende Ursache setzen, eine Vergrößerung der. Luftdruckdifferenzen 
sollte eine Beschleunigung, . eine Abschwächung dagegen. eine‘ Verzögerung der 
Strömungen hervorrufen. Änderungen der Geschwindigkeit warmer. oder kalter 
Meeresströmungen machen sich aber in Temperaturschwankungen geltend. 
Beschleunigte. warme Strömungen sind wärmer, verzögerte kälter als normal, 
und. das Umgekehrte gilt für kalte Strömungen, wie ich: das bereits in einer 
früheren Untersuchung näher ausgeführt und. durch Tatsachen. zu belegen ver- 
zucht habe. Eine weitere Stütze erhalten diese zum Teil aprioristischen Schluß- 
folgerungen durch .die. folgenden Ausführungen, . denen ein umfangreicheres 
Beobachtungsmaterial zu Grunde liegt. 
‚Es galt zunächst festzustellen, in welcher Weise die unperiodischen 
Schwankungen der Luftdruckdifferenzen, von denen vorher die Rede war, in 
Temperaturschwankungen des Golfstroms zum Ausdruck kommen, _ 
Im Bereich des Golfstroms. und seiner. Verzweigungen liegen an den 
westeuropäischen Küsten langjährige Beobachtungen der Wassertemperatur von 
britischen, dänischen, deutschen und norwegischen: Stationen ‚vor. Ahnliche 
Messungen sind zeitweise auch an der Westseite des Atlantik, an der Küste 
der Vereinigten Staaten, ausgeführt, aber in keiner für den vorliegenden Zweck 
brauchbaren Form veröffentlicht worden. Sie würden übrigens auch ‚keinen 
unmittelbaren Einblick in die Schwankungen der Golfstromtemperatur geben, 
weil die nordamerikanische Ostküste. bekanntlich durch einen kalten Wasser- 
streifen (cold wall) vom Golfstrom getremt ist. 
Die Untersuchung mußte sich demnach auf die unperiodischen Schwan- 
kungen der Wassertemperatur an den. europäischen (und isländischen) Küsten- 
atationen beschränken. Zur Charakterisierung dieser. Schwankungen’ genügt 
es, an dieser Stelle. aus dem reichen Beobachtungsmaterial zwei T’emperatur- 
reihen herauszugreifen. Die eine veranschaulicht. die Verhältnisse an, der 
westnorwegischen‘ Küste zwischen Udsire und Ona, die andere die von 
Horns Riff, dem‘ dänischen Leuchtfeuerschiff vor der Westküste Jütlands. 
Während für. die norwegische Küste aus den Beobachtungen der drei Stationen 
Udsire, Hellisö und‘Ona ‚ein, gemeinschaftliches Temperaturmittell der Wasser: 
oberfläche für jeden Monat der Jahre 1874 bis 1901 abgeleitet wurde, konnte 
für Horns Riff, wo täglich außer der Temperatur an der Meeresoberfläche :auch 
die Temperaturen in verschiedenen Tiefenstufen bis 32 m herab abgelesen 
werden,. aus diesen Daten der Wärmegehalt einer. .Wassersäule von 1 qm 
Querschnitt und 32 m Tiefe für jeden Monat der Jahre 1880 bis 1902 .berechnet 
werden. Es ‚sind. also die Schwankungen der. Wasseroberflächentemperaturen 
an der norwegischen Küste und die des Wärmegehalts ‚einer Wassersäule bei 
4) Neuerdings hat J. Hann (Sitz. Ber. ‚Wiener. Akad. 1904, 1. Heft) das gegensätz- 
liche Verhalten der Luftdruckschwankungen in Ponta Delgada und Stykkisholm näher untersucht 
and die Abweichungen ‘der Luftdruckdifferenz zwischen beiden ‚Orten mit den gleichzeitigen 
Temperaturanomalien über Nordwesteuropa verglichen. Es ergaben sich dabei ähnliche Beziehungen, 
wie ich sie früher für die Luftdruckdifferenz Kopenhagen—Stykkisholm nachgewiesen hatte.
	        
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