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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1907 
zwischen passend gewählten Punkten und läßt deren Schwankungen als Maß 
für die größere oder geringere Intensität der atlantischen Luftzirkulation gelten. 
Dieses zweite Verfahren hat den Vorzug, daß man die Erscheinungen für einen 
viel längeren Zeitraum untersuchen kann, vorausgesetzt, daß man solche Orte 
wählt, an denen die Luftdruckbeobachtungen weit zurückreichen. Im folgenden 
soll dieser letztere Weg betreten werden. . 
Bei der Wahl der Stationspaare, deren Luftdruckdifferenzen gebildet 
wurden, war die Überlegung entscheidend, daß die Verbindungslinie jedes 
Stationspaares möglichst senkrecht zum Verlauf der mittleren Jahresisobaren 
über dem Nordatlantik gerichtet sein müßte, um die unperiodischen Schwan- 
kungen der Luftdruckverteilung in denen der Luftdruckdifferenzen am deutlichsten 
zum Ausdruck kommen zu lassen. Zugleich waren solche Orte zu bevorzugen, 
von denen eine lange Beobachtungsreihe zur Verfügung stand. 
Diese Bedingungen treffen nun für folgende drei Stationspaare zu: 
1. Toronto (Ost-Kanada) und lvigtut (SW-Grönland), 
2. Ponta Delgada (Azoren) und Stykkisholm (Island), 
3. Kopenhagen und Stykkisholm. 
Die Verbindungslinien dieser Stationspaare stehen, wie man sich durch 
einen Blick auf eine Jahresisobarenkarte überzeugen kann, nahezu senkrecht 
zur Richtung der normalen Isobaren. Sie verbinden das isländische Depressions- 
gebiet mit den umgebenden Gebieten hohen Luftdrucks. Der gemeinschaftliche 
Beobachtungszeitraum beginnt für das erste Paar mit 1875, für das zweite mit 
1866, und für das dritte schon mit 1846. Es wurden nun für jeden Monat die 
Luftdruckdifferenzen zwischen den zusammengehörigen Orten gebildet und daraus 
‚Jahresmittel in der Weise abgeleitet, daß, entgegen dem gewöhnlichen Brauch, 
nicht die zwölf Monate des bürgerlichen Jahres (Januar bis Dezember), sondern 
die zwölf Monate der mit September beginnenden und mit August schließenden 
Jahrgänge zusammengefaßt wurden. Es hatte sich nämlich durch andere Unter- 
suchungen, auf die hier nicht eingegangen werden kann, herausgestellt, daß im 
nordatlantischen Zirkulationssystem länger dauernde positive oder negative 
Abweichungen der meteorologischen und ozeanographischen Elemente vom 
Mittel sehr häufig im Herbst einzusetzen pflegen. Die atmosphärische 
Zirkulation tritt über dem Nordatlantik wie auch über den benach- 
barten Festländern in den Herbstmonaten gleichsam in ein neues 
Lebensjahr ein. Von diesem Gesichtspunkt aus war die Bildung der Jahres- 
mittel aus den Monaten September bis August gerechtfertigt. 
Die drei obersten Linienzüge im Diagramm auf Tafel 22 stellen die 
Schwankungen der Jahresmittel der Luftdruckdifferenzen zwischen den bezeich- 
neten Stationspaaren dar.') Die Abweichungen einzelner Jahre sind sehr be- 
trächtlich gewesen, wie folgende Werte zeigen: 
Jahresmittel der Luftdruckdifferenzen (mm). 
Größte 
Normal positive negative Amplitude 
Abweichung 
Toronto—Ivigtut (1875 bis 1900) . ... .. 77 +2,5 (1890) —2,6 (1888) 51 
Ponta Delgada—Stykkisholm (1866 bis 1900) . 10,8 +54 (1868) —6,1 (1881) 115 
Kopenhagen—Stykkisholm (1846 bis 1900) . 5,7 44,7 (1863) —65 (1888) 11.2 
Es: kommt vor, wie im Jahre 1888 (eigentlich September 1887 bis 
August 1888), daß die Luftdruckdifferenz zwischen Mitteleuropa und Island 
negativ, also der Luftdruck in Island im Jahresmittel höher ist als in Mittel- 
europa! Anderseits können die Luftdruckunterschiede im Jahresmittel fast das 
Doppelte des normalen Wertes erreichen, wie z. B. 1863. 
Ein Vergleich der drei Kurven auf Tafel 22 ]äßt nun erkennen, daß die 
Schwankungen der betreffenden Luftdruckdifferenzen im nordwestlichen, zentralen 
1) Entsprechend den obigen Bemerkungen bedeutet das Jahresmittel 1890 das Mittel aus den 
Monaten September 1889 bis August 1890. Als Ordinaten sind die Abweichungen der Lufıdruck- 
differenzen vom normalen Wert eingetragen. Die mit 0 mm bezeichnete Horizontallinie bedeutet 
die normale Luftdruckdifferenz zwischen Kopenhagen und Stykkisholm. Die Null-Linie für die Luft- 
druckdifferenz Azoren—Stykkisholm liegt um eine, die Null-Linie für die Luftdruckdifferenz Toronto— 
Ivigtut um zwei Horizontallinien höher. Der Abstand der Horizontallinien hat den Wert von 1 mm 
für die mit T.—J. bezeichnete Kurve, von 2% mm für die beiden andern Kurven der Luftdruck- 
differenzen.
	        
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