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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Ann. d. Hydr. ete., XXXI. Jahrg. (1904), Heft VII. 
772 
Ar 
Über Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation 
und ihre Folgen.) 
Von Dr. Wilhelm Meinardus in Berlin. ; 
_ (Hierzu Tafel 22.) 
Die folgenden Ausführungen enthalten einen kurzen Überblick über einen 
Teil von Untersuchungen, die mich seit einigen Jahren im Anschluß an frühere 
Arbeiten auf demselben Gebiet beschäftigt haben und die demnächst an anderer 
Stelle .mit allen Einzelheiten veröffentlicht werden sollen. . 
Die großen Meeresströmungen werden bekanntlich in erster Linie durch 
die Kraft der vorherrschenden Winde in Gang gehalten, die, nachdem einmal 
durch die unermeßlich lange dauernde Windwirkung ein gewisser Bewegungs- 
zustand im Meer induziert ist, nur noch die Aufgabe haben, den der. Wasser- 
bewegung entgegenwirkenden inneren Reibungswiderstand zu überwinden. Man 
darf. wohl annehmen, daß sich das System der Meeresströmungen dem gegen- 
wärtigen mittleren Zustand der atmosphärischen Zirkulation so weit angepaßt oder, 
besser - gesagt, sich dem Stadium vollkommener Anpassung asymptotisch so weit 
genähert bat, daß keine wesentlichen Änderungen nach ein und derselben Richtung 
hin mehr stattüinden, solange außer den klimatischen Verhältnissen des Luft- 
meeres auch die Verteilung von Wasser und Land, insbesondere der. Küsten- 
verlauf "und die Bodengestaltung des Weltmeers, wesentlich dieselben . bleiben 
wie heute. 
Dagegen sind. es unperiodische Änderungen von kürzerer oder längerer 
Dauer, die ebenso wie in der Atmosphäre auch im Ozean mit unregelmäßigen 
Intervallen und Amplituden um den mittleren Gleichgewichtszustand stattfinden 
und vor Augen führen, wie eng der Zusammenhang zwischen den Erscheinungen 
des Luft- und Weltmeers ist. Schwankungen in der Richtung und Stärke der 
Winde spiegeln sich in den Wasserbewegungen wieder und beeinflussen dadurch 
die Verteilung der Temperatur, des Salzgehalts, der Organismen im Meer. 
Nun ist aber ohne weiteres einleuchtend, daß die unperiodischen Ab- 
weichungen der Windverhältnisse von den normalen nur dann einen tiefer- 
gehenden. und nachhaltigeren Einfluß auf die Bewegung der trägen Wassermassen 
ausüben können, wenn jene lange genug in demselben Sinne anhalten. Wie 
kurz dauernde Temperaturperioden an der Erdoberfläche schon in den obersten 
Erdschichten aufgezehrt werden, so .verschwindet die Wirkung vorübergehender 
Luftströmungen entgegengesetzten Charakters, wie sie etwa beim raschen Vor- 
übergang einer Depression auftreten, schon in den obersten Meeresschichten. 
Diese Überlegung muß bei Untersuchungen über den Zusammenhang 
zwischen atmosphärischen und ozeanischen Erscheinungen den Ausschlag geben 
für die Wahl der Methoden. Das Studium der täglichen synoptischen Wetter- 
karten mit ihren ‚wechselvollen Bildern der Luftdruck- und Windverteilung 
verspricht weniger Erfolg, als das der Luftdruckverteilung längerer Zeiträume 
(Dekaden, Monate, Jahreszeiten usw.). . Man muß durch Zusammenfassen der 
Einzelwerte zu Mittelwerten die ephemeren Schwankungen eliminieren, um die 
stabileren Elemente der Witterungsgeschichte erkennen zu können; Nur die 
letzteren sind von nachhaltigerem Einfluß auf die ozeanischen Erscheinungen. 
Zu einer Untersuchung . der unperiodischen Schwankungen der nord- 
atlantischen Luftzirkulation lassen sich zwei verschiedene ‚Wege einschlagen, 
Entweder verfolgt man den Gang der atmosphärischen Erscheinungen auf dem 
Nordatlantik an der Hand der Monatsisobarenkarten, die in Verbindung mit 
den bekannten täglichen - synoptischen Karten für diesen Ozean von der 
Deutschen Seewarte und dem Dänischen Meteorologischen Institut nunmehr für 
16 Jahrgänge herausgegeben. sind. Oder man bildet Luftdruckdifferenzen 
1) Vortrag, gehalten bei der zehnten Tagung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft 
zu Berlin am 7.. April 1904. . Die Einleitung des Vortrags ist hier stark gekürzt wiedergegeben, 
statt dessen sind einige Tabellen aufgenommen. 
Ann. d. Hydr. etc., 1004. Heft TI.
	        
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