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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1904,
südlicher als die erste Depression vordringend, bis zum Morgen des 12. über
Mitteleuropa nach Nordosteuropa fortschritt. Die mehr veränderlichen schwachen
Winde dieser Tage wehten zunächst, langsam rechtdrehend, aus südlichen
Richtungen und zuletzt aus West bis Nordwest; die ausgedehnten Regenfälle
währten, vielfach von Gewittern begleitet, fort, und nur vorübergehend trat
etwas wärmeres Wetter im Gefolge der südlichen Winde ein.
Als am Il. ein Hochdruckgebiet von Südwesten her vordrang und am 12.
bis 14. mit seinem Maximum über Kontinentaleuropa, zeitweise ganz Mitteleuropa
bedeckend, voranschritt, blieben die Regenfälle zunächst am 12. auf Preußen
beschränkt, und am 13. hatte die ganze Küste trockenes Wetter. Eine bis zum
16. mit ihrem Minimum über dem Ozean nordostwärts nach dem hohen Norden
ziehende Depression, die einen längs der Küste fortschreitenden Ausläufer ent-
wickelte, brachte nur an der westdeutschen Küste am 14. Regenfälle. Nachdem
auf der Rückseite des vordringenden Hochdruckgebietes bei südöstlichen Winden
am 13. und 14, Erwärmung eingetreten war, brachten westliche Winde auf der
Rückseite des nachfolgenden Ausläufers alsbald wieder ein Sinken der Temperatur.
Die Wetterkarte vom Morgen des 12. zeigte bereits wieder eine neue
Depression über dem Ozean, südwärts bis nach der Biscayasee reichend, und von
der Depression über Nordosteuropa durch ein vom Mittelmeer nach der Nordsee
ausgedehntes Hochdruckgebiet getrennt, das bei seinem Vordrängen gegen die
Depression auf seiner Nordostseite die angegebenen stürmischen Winde am 16.
an der östlichen Ostseeküste hervorrief.
Die folgenden Tage bis zum 20. zeigten das rasche ostwärts gerichtete
Vorüberschreiten einer längere Zeit fast ganz Europa umfassenden Depression,
deren Minimum im hohen Norden vorüberzog. Nachdem das erwähnte trennende
Hochdruckgebiet zunächst am 16. Abkühlung herbeigeführt hatte, trat am 17.
mit südlichen Winden auf der Vorderseite der heranziehenden Depression wieder
starke Erwärmung ein, der bei nördlichen Winden ebenso schnell wieder kräftiges
Sinken der Temperatur nachfolgte. Der 17. bis 19. brachten der ganzen Küste
wieder Regenfälle und im Westen ausgebreitete Gewitter. Bei dem Vordringen
eines Hochdruckgebietes vom Ozean im Rücken der Depression frischten die
nordwestlichen Winde am 18. bis 20. stark auf und wehten, wie angegeben, an
diesen Tagen vielfach stürmisch.
Das am Morgen des 21. NW—SO über Mitteleuropa gestreckte breite
Hochädruckgebiet führte zusammen mit der Depression über Osteuropa nördliche
Winde herbei, Als sich das Hochdruckgebiet aber in der Folge über West-
rußland südwärts ausbreitete und sein Maximum von Nordskandinavien am 24,
bis 27. nach Westrußland verlagerte, traten südöstliche Winde und damit in
diesen Tagen eine starke Erwärmung ein. Nachdem am 20, trockenes Wetter
geherrscht hatte, stellten sich am 2l. bis 27., wie angegeben, an der west-
deutschen Küste wieder Regenfälle ein, im Bereiche flacher Minima, die im
Gefolge einer über dem Ozean gelegenen Depression auftraten.
Bei dem Vordringen eines Hochdruckgebietes von Südwesten her über
Kontinentaleuropa und dem gleichzeitigen Zurückweichen des Hochdruckgebietes
über Westrußland stellten sich am 28. und 29, wieder überwiegend westliche
Winde an der Küste und damit im Gefolge Abkühlung und am 28. an der
ganzen Küste Regenfälle ein; bei der raschen Ausbreitung eines am 28. über
dem Norwegischen Meere erscheinenden neuen Hochdruckgebietes über Mittel-
europa blieben die Regenfälle am folgenden Tage bereits auf die westliche
Ostsee beschränkt.
Die beiden letzten Tage brachten die Herrschaft eines ausgedehnten
Hochdruckgebietes, das sein Maximum von Skandinavien nach Mitteleuropa
verlegte und mit rechtdrehenden östlichen Winden heiteres und trockenes Wetter,
sowie am 3l. durchweg steigende Nachmittagstemperaturen herbeiführte.
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