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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904. 
auf die beiden Seiten des Schiffes, in den letztgenannten Fällen entsteht wegen 
der senkrechten Stromscheide beim Passieren derselben ein ungleicher Druck 
auf die beiden Enden des Schiffes, wodurch die Steuerschwierigkeit ver- 
ursacht wird. 
Ganz anders liegt aber die Sache bei der Erscheinung des Totwassers. 
Die angeführten Beispiele lassen durchaus keinen Zweifel darüber, daß in allen 
Fällen eine wagerechte Schichtung des Wassers vorhanden war, und zwar 
befand sich jedeamal eine Schicht leichten, süßen Flußwassers fließend auf einer 
zchwereren salzigen Unterlage von Meerwasser. Ob letztere sich in allen Fällen 
ebenfalls in Bewegung befand, ist nicht sicher, für einige Fälle ist es aber 
nicht zu bezweifeln, Kine solche Schichtung muß aber in ganz natürlicher 
Weise den Fortgang und die Steuerfähigkeit eines Schiffes beeinträchtigen, 
sofern das Schiff in beide Schichten taucht, wie weiter ausgeführt werden soll. 
Wenn man bedenkt, daß ein schwimmendes Schiff vermöge seiner Bauart 
nur in seiner Kiel- oder Längsrichtung mit verhältnismäßig geringer Kraft durch 
las Wasser bewegt werden oder solches durchschneiden kann, dagegen in seiner 
Dwars- oder Querrichtung nur mit großer Kraft in minimale Bewegung zu bringen 
ist, so wird es begreiflich, wie schwer es halten muß, ein Schiff vorwärts zu 
bewegen, das in zwei wagerecht getrennte Wasserschichten taucht, sofern beide 
aicht die gleiche Richtungsbewegung haben, es mithin keine derselben in seiner 
Längsrichtung durchschneiden kann. 
Sofern nur ein Unterschied in der Geschwindigkeit der Bewegungen 
beider Wasserschichten vorhanden ist, was der Fall ist, wenn die untere Schicht 
still steht und die obere darüber hinweg fließt, oder wenn beispielsweise die 
obere mit größerer Geschwindigkeit als die untere in derselben Richtung sich 
bewegt, so muß sowohl Vorwärtsbewegung wie Steuerfähigkeit eines in beide 
Schichten tauchenden Schiffes möglich sein, solange es in der Richtung des 
Oberflächenstromes steuert. Die Fahrt des Schiffes durch das Wasser erscheint 
alsdann größer, wenn es gegen diesen Strom fährt, kleiner, wenn es mit ihm 
fährt, als wenn es nur in die obere Schicht tauchte, weil es im ersten Falle 
weniger, im letzten Falle mehr Wasser zu durchschneiden hat, als der Ober- 
Aächenströmung allein entspricht. Sobald das Schiff aber mit seinem Kurse 
von der Richtung der Oberflächenströmung abweicht, müssen Schwierigkeiten 
in der Steuerfähigkeit wie auch im Fortgang des Schiffes entstehen, denn durch 
die fließende oder schneller fließende Schicht wird das Schiff dann seitlich gegen 
die feststehende oder langsamer fließende Schicht gedräugt und durch den so 
entstehenden Druck bis zu einem gewissen Grade festgehalten. Aus diesem 
Grunde kann es in der Folge auch nicht mehr die fließende Schicht in seiner 
Kielrichtung durchschneiden. Die Größe dieses Druckes richtet sich nach der 
Dicke und Geschwindigkeit der fließenden oder schneller fließenden Schicht und 
nach der Tauchtiefe des Schiffes in die stehende oder langsamer fließende Schicht. 
Beschränken wir uns der Einfachheit halber und um ein leichteres Verständnis 
zu erreichen, auf den Fall der stehenden Unterlage. 
Ist beim Abweichen von der Stromrichtung der fliebenden Schicht der 
Druck stark, sei es, daß die fließende Schicht von beträchtlicher Dicke, sei es, 
daß die Geschwindigkeit derselben groß ist, so muß die Steuerfähigkeit des 
Schiffes aufhören und dasselbe sich infolge des seitlichen Druckes quer zur 
Stromrichtung der fließenden Schicht legen. Etwas Vorwärtsgang kann trotzdem 
noch möglich sein. Es tritt alsdann ein Zustand für das Schiff ein, der dem 
Aufgrundsitzen quer im Strome sehr ähnlich ist, weil das Schiff in seiner Quer- 
lage nur ganz langsam durch die stehende Wasserschicht gedrängt werden kann. 
Genau so, wie es uns und dem „General Brialmont“ in der Kongo-Mündung erging. 
Durch das an der Luvseite (Luv in bezug auf die Strömung) des Schiffes auf- 
3tauende und an beiden Enden desselben vorbeifließende Oberflächenwasser ent- 
stehen in Lee Wirbel und Neerströme, und durch den Schiffsdruck gegen die 
feste Unterlage und den geringeren Druck an der Oberfläche quillt auch das 
Wasser der Unterlage an der Leeseite empor und tritt bis an die Oberfläche. 
ist der Druck heim Abweichen von der Stromrichtung nicht sehr groß, 
so daß derselbe durch die Ruderlage ausgeglichen werden kann, so leidet doch 
der Vorwärtsgang darunter, weil das Schiff dann die fließende Schicht unter 
einem Winkel durchschneiden muß, wie es bei S. M. Kanonenboot. „Hyäne“ und
	        
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