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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1904, 
Lücken hofft die Seewarte in absehbarer Zeit geben zu können, indem nach den deutschen Schiffs- 
beobachtungen auf den wichtigsten Dampferwegen des Mittelmeeres Wind, Strom und Temperatur 
näher behandelt wird. — Die hervorragende Bedeutung der verschiedenen Winde wird vom Verfasser 
refflich gewürdigt, die zahlreichen merkwürdigen Eigennamen der Winde werden besprochen, u. a. m. 
Besonders gelungen erscheint auch der Abschnitt „Soziales“ in Kap. IX, wo nicht mit Hilfe ver- 
schwommener allgemeiner Redensarten, sondern in überzeugenden einfachen Sätzen der Einfluß des 
Mittelmeerklimas auf das ganze Leben, sowohl auf die öffentliche wie die private Lebensweise und 
jamit auf den Charakter und schließlich auch auf die politische Betätigung der Mittelmeeranwohner 
bewiesen wird. 
Die beigegebenen photographischen Abbildungen sind durchweg typisch und mit hervor- 
ragendem Verständnis ausgewählt. — Möge das liebenswürdige, von jedem unnötigen wissenschaft- 
lichen Ballast freie und dabei doch durch und durch wissenschaftliche kleine Werk von allen den- 
jenigen gelesen werden, die eine Reise nach irgend einem der Mittelmeerländer anzutreten beab- 
sichtigen, damit sie einen über die Einzelheiten hinausgehenden wahrhaft geographischen Überblick 
gewinnen; sie werden dann imstande sein, die zahlreichen Einzelerscheinungen von höheren Gesichts- 
punkten aus zu betrachten und mit wirklichem Verständnis dem Gesamtbilde einzuordnen verstehen. 
G. Schott. 
Keprehns i Navigation, udarbejdet af J. A. D. Jensen, Navigationsdirektor. 
— I Afdeling: Omfattende kravene til den almindelige Styrmandseksamen. 
8°, 2828. — II Afdeling: Omfattende kravene til den udvidede Styrmands- 
eksamen. 8°. 10458. Kopenhagen 1904. G.E.C., Gad. 
Nautiske Tabeller, ved J. A. D. Jensen, Navigationsdirektor. 8% 162 S. 
Kopenhagen 1902. G. E. C. Gad. 
Die beiden hier genannten Werke bilden ein zusammengehöriges Ganzes. Das erste enthält 
eine in modernem Geiste geschriebene Darstellung der terrestrischen und astronomischen Nautik in 
einer Abgrenzung, die selbst recht hohen Anforderungen genügen dürfte; das zweite ist eine Zu- 
sammenstellung von Tafeln, wie sie durch die im Lehrbuche behandelten Methoden verlangt werden. 
Das Lehrbuch ist in zwei Teile geteilt, entsprechend den Anforderungen, die in den beiden 
im Titel genannten Prüfungen an die Prüflinge gestellt werden. Diese Teilung mag für den Unterricht 
recht geeignet sein, sie erschwert aber das Auffinden eines bestimmten Gegenstandes, da die wich- 
:igsten Kapitel der Nautik an zwei verschiedenen Stellen behandelt worden sind. Dieses springt 
vor allen Dingen bei dem Kapitel über die Deviation in die Augen. Im ersten Teile werden nicht 
aur die Methoden zur Bestimmung der Deviation behandelt, sondern es wird auch schon eine Dar- 
stellung des Verlaufes der Deviation — wenigstens qualitativ — gegeben. Im zweiten folgt dann 
erst die eigentliche Deviationslehre, wobei natürlich Wiederholungen unvermeidlich sind. 
Abgesehen davon, wird die klare, wohlgeordnete Darstellung wenig Tadler finden, Das 
Buch ist nicht nur eine Kompilation aus der großen Schar verwandter Lehrbücher, sondern man 
stößt an vielen Stellen auf originelle Gedanken, die den Verfasser als selbständig denkenden Mann 
arscheinen lassen. Es sei hier nur erwähnt, daß er an die Stelle des gekünstelten, unnatürlichen 
Napierschen Deviationsdiagramms das schlichte rechtwinklige Diagramm setzt und gleichzeitig dabei 
angibt, wie dieses zum Verwandeln der Kurse verwandt werden kann. Sein Verfahren deckt sich 
im wesentlichen mit dem vor kurzem von Herrn Dr. Meldau angegebenen, 
Die Bedeutung der Standlinie, sowohl der terrestrischen, wie der astronomischen, ist überall 
in dem Buch richtig gewürdigt. Daß bei der Bestimmung der astronomischen Standlinie die Höhen- 
methode nicht verwandt wird, mag vielleicht befremden. Als Mangel des Buches kann man es 
keineswegs hinstellen, denn die Wahl der Methoden ist zum größten Teil Geschmacksache. Wer 
kann den Nachweis liefern, daß die eine Methode besser sei als die andere? 
Es mag noch erwähnt werden, daß die nautischen Instrumente eine besonders liebevolle 
Behandlung in dem Buche erfahren haben, daß selbst Deflektoren behandelt sind und ihre Ver- 
wendung zur Kompensation der Kompasse erklärt ist. 
Die „Nautischen Tafeln“ sind verhältnismäßig wenig umfangreich. Es ist dies hauptsächlich 
durch das Fehlen einer besonderen Semiversus- oder Sinusversus-Tafel bewirkt. Verfasser benutzt 
keine dieser in Deutschland und England so beliebten Funktionen; er bestimmt alle Winkel mit 
Hilfe der sechs Grundfunktionen. Weshalb er den Stundenwinkel indessen anstatt durch den Sinus 
durch den viel ungeeigneteren Kosinus bestimmt, ist nicht recht verständlich. 
Die neuerdings so sehr in Aufnahme gekommene ABC-Tafel ist in der Sammlung nicht 
enthalten, weshalb auch im Lehrbuche bei den Standlinien-Aufgaben die Azimute stets mit berechnet 
werden mußten, 
Im übrigen enthält die Sammlung ungefähr dieselben "Tafeln, die sich auch in den in 
Deutschland gebräuchlichen Tafelsammlungen befinden. In vielen Tafeln ist die Genauigkeit viel 
weiter getrieben, als es bei uns gebräuchlich ist, so ist z. B. bei der Tafel der Meridionalteile die 
Abplattung der Erde mit berücksichtigt. Fulst. 
Hans Hess: Die Gletscher. 8°, 426 S. Mit 8 Vollbildern, zahlreichen 
Abbildungen und 4 Karten. Braunschweig 1904, F. Vieweg und Sohn. 
£s ist sehr mit Freuden zu begrüßen, daß durch dies neue, umfassende Werk von Hess die 
physische Geographie nunmehr ein zweites, ebenfalls von einem hervorragenden Fachmann ge- 
schriebenes Handbuch der Gletscherkunde erhalten hat. Neben dem bisher (seit 1885) vorhandenen 
Heimschen Handbuche, welchem in der wichtigen Frage nach der erodirenden Wirkung der 
Gletscher die meisten Forscher nicht mehr zustimmen dürften, wird die neue Zusammenfassung und. 
Bearbeitung sich schnell einen Platz erobern, an sich schon deshalb, weil es gerade in schwierigen
	        
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