336 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1904,
Einfluß. Für die bei dem Seewasser vorkommenden Konzentrationen und inner-
halb der Grenzen der verlangten Genauigkeit kommen aber alle drei Korrektionen
nicht in Betracht,
Um den osmotischen Druck einer Seewasserprobe zu berechnen, kann
man entweder die Gefrierpunktserniedrigung direkt thermometrisch ermitteln.
Bei hinreichender Übung gelingt dies mit einem Fehler von etwa 0,002° C,,
wodurch also P, auf etwa 0,024 Atmosphären genau erhalten wird. Oder man
kann aus einer Chlortitration unter Zuhilfenahme empirischer Tabellen die
Erniedrigung entnehmen. Ist S der Salzgehalt in Gewichtspromille; 8, das
spezifische Gewicht des Seewassers bei 0° bezogen auf Wasser von 4°;
0, — 1000 (3, — 1), so bestehen folgende Beziehungen (nach H. J. Hansen
bzw. M. Knudsen):
t = —0,0086 — 0,064633 vo — 0,0001055 00%
% = — 0,093 + 0,8149 S — 0,000482 S? -+ 0,0000068 S3
P = —12,08t,
Der Verfasser hat seiner Arbeit eine derart berechnete Tabelle beigegeben.
Eine ähnliche Tabelle ist unterdessen auch von Dozent M. Knudsen veröffent-
licht worden (Conseil permanent international pour Vexploration de la mer.
Publication de circonstance Nr. 5. Kopenhagen, A. F. Höst & Sohn).
Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß der osmotische Druck stark von der
Temperatur abhängig ist und zwar ist er bei T° gegeben durch die Gleichung
Pr = Po (1-4 0,00867 T).
C. Forch.
3. Die Häfen von Emden und Delfzijl. (Tijdschrift van het Koninklich
Nederlandsch Aardrijkskundig Genootschap, Märzheft 1904.)
Eine Broschüre über die Beziehungen des holländischen Transithandels
zum Dortmund—Emskanal und die Vergrößerung der Häfen von Emden und
Delfzijl, sowie zwei Entwürfe des Ingenieurbureaus v. Hasselt und de König,
die durch die „Gesellschaft zur Förderung der Verbesserung des Hafens von
Delfzijl und der Wasserstraße Gröningen—de Lemmer“ veröffentlicht sind, geben
Herrn A. A. Beckmann Veranlassung, die neuen Hafenanlagen von Emden,
deren Wirkungen auf den deutschen und holländischen Handel, sowie die zur
Verbesserung der Hafenanlagen von Delfzijl geplanten Maßnahmen zu besprechen.
Die Arbeit hat für uns insofern besonderes Interesse, als sie die Ansicht eines
Holländers über den Emdener Hafen und die bereits ausgeführten oder geplanten
westdeutschen Kanalhauten gibt.
Das erste Aufblühen der Handelsstadt Emden im 15. Jahrhundert, führt
der Verfasser zunächst aus, ist zurückzurühren auf die energischen Eingriffe
Hamburgs, das damals die Nordsee von Seeräubern räumte und eines festen
Stützpunktes im Westen bedurfte. Im Jahre 1577 hatte Eınden bereits 600 See-
schiffe und erreichte etwa 150 Jahre später den Höhepunkt seiner Macht; die
Einwohnerzahl war von knapp 6000 im Jahre 1570 auf etwa 30000 im Anfang
des 17. Jahrhunderts gestiegen. Durch eine Veränderung des Fahrwassers der
Ems wurden dann aber damals ganz außerordentliche Ausgaben notwendig, die
gleichwohl nutzlos waren; Emden blieb trotzdem für tiefgehende Schiffe
anerreichbar. Im Kampfe mit der Ems mußte die Stadt schließlich unterliegen,
weil der 30jährige Krieg die Ausführung eines Planes zur Regulierung des
Fahrwassers, das die für jene Zeit ungeheure Summe von 6600000 Gulden
kosten sollte, unmöglich machte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war Emdens
Größe dahin, und weder die Bemühungen des Großen Kurfürsten noch die
Friedrichs des Großen, die den inzwischen in holländische Hände geratenen
deutschen Handel wieder nach Emden leiten wollten, hatten Erfolg. Dabei
wirkte mit, daß die Stadt durch die bekannte Sturmflut des Jahres 1717 furchtbar
gelitten hatte; im Jahre 1771 hatte sie nicht einmal 7000 Einwohner mehr.
Eine kurze Blütezeit trat dann noch einmal ein, als gegen Ende des 18, Jahr-
hunderts holländische Reeder in Emden sich niederließen, um ihre Schiffe unter
neutraler Flagge fahren lassen zu können; aber die napoleonische Zeit gab
auch diesem kurzen Aufleben den Gnadenstoß, Erst seit der Vereinigung mit
Preußen brachen für Emden bessere Zeiten an, die mit dem Bau des Dortmund—