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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Meyer, H.: Totwasser. 
DR 
braune Kongowasser an beiden Seiten desselben strömte und sich eine Schiffs- 
jJänge dahinter wieder über dem grünen Wasser zusammenschloß. 
Die Messungen der Strömung an der Oberfläche und in der Tiefe‘ haben 
zwar auf der Reede von Banana keinen erheblichen Unterschied ergeben, doch 
liegt dies daran, daß sie an einer Stelle und zu einer Zeit gemessen wurden, 
wo sie überhaupt schwach waren. Es kann als feststehend angenommen werden, 
wie dieses von Schiffen mehrfach beobachtet worden ist, daß letztere bei einigem 
Tiefgange keineswegs die volle Gewalt des Oberflächenstromes zu überwinden 
haben, sondern daß die Schiffe mit einem großen Teil ihres Rumpfes im Unter- 
wasser schwimmen, das eine weit geringere, zuweilen (bei Flut) keine oder dem 
Oberflächenstrom entgegengesetzte Richtung hat. Hierin liegt auch die unter 
Umständen die Schiffe sehr gefährdende Ursache, daß sie dem Ruder nicht ge- 
horchen, wenn sie nicht sehr frische Brise haben und viel Segel führen,“ 
Vor der Mündung des Frazer-Flusses an der Westküste von Britisch 
Columbien herrschen: ähnliche Verhältnisse in bezug auf Steuerunfähigkeit von 
Schiffen, wenngleich dort die Verhältnisse von denen in der Kongo-Mündung 
wesentlich abweichend sind, In der die Insel Vancouver mit ihrer: Umgebung 
vom Festlande trennenden breiten, tiefen Georgia-Straße herrschen ziemlich 
regelmäßige Gezeitenströme. Der Fluß mündet über eine flache Barre fast 
rechtwinklig in die Straße und sendet sein leichteres Wasser unter Umständen 
quer über die Straße. Im British Columbia Pilot heißt es darüber auf S, 175: 
„Die Gezeitenströme, obgleich längst nicht so stark wie in den Durchfahrten 
des Haro-Archipels, laufen. doch mit beträchtlicher Geschwindigkeit, besonders 
während des Sommers, wenn im Frazer-Flusse Oberwasser herrscht. Dann setzt 
der Strom in südlicher Richtung aus dem Flusse hinaus, über die Bänke in 
seiner Mündung und quer über die Georgia-Straße hinweg recht auf den Activ- 
Paß zu. Das milchfarbig aussehende Flußwasser wird häufig bis jenseit der 
Straße in die inneren Durchfahrten geführt, die die Insel Vancouver begrenzen 
und von den ihr vorgelagerten Inseln und Untiefen trennen.“ 
Über einen Fall von Steuerunfähigkeit seines Schiffes in jener Gegend 
berichtete Kapt. J.Früchtenicht, Führer des deutschen Vollschiffes „Wilhelm“ 
im. Jahre 1880, wie folgt:!) „Die aus dem Frazer-Flusse kommenden Wasser- 
massen verbreiten sich zu gewissen Zeiten hufeisenförmig über die Georgia- 
Straße. und erzeugen ein sogenanntes totes Wasser, Uns passierte es am 
20, Juni 1880, daß wir in dieses Wasser gerieten, wo mit 100 m Leine kein 
Grund zu erreichen war, und festsitzen blieben. Der Dampfer konnte mit voller 
Kraft das Schiff nicht fortbewegen. Das Wasser war an der Oberfläche gelb 
und stark brackig, während sonst das Wasser in der Straße tiefblau ist. Das 
23 Fuß (7 m) tiefgehende Schiff blieb ruhig auf seinem Kurse liegen und zeigte 
keine Neigung, sich zu drehen, . Ich hatte das Handlot mit 36 m Leine über 
Bord hängen, konnte jedoch keine verschiedenen Strömungen wahrnehmen. Das 
Lot blieb senkrecht hängen, aber ich fühlte ein beständiges Zittern und Schütteln 
an der Leine. Wir peilten das Frazer-Feuerschiff mw. NNO 5 Sm entfernt. 
Nachdem eine Stunde verflossen war und Lootse. und Steuerbaas über Hoch- 
and Niedrigwasser. kalkuliert hatten, ließ ersterer das Schiff nach SW abfallen 
und mehrere Segel setzen, worauf wir dann allmählich wieder in Gang kamen. 
Die Zeit, als sich dieses zutrug, war von 9.bis 10'/% Uhr vormittags.“ ; 
Diese typischen Beispiele dürften zur Charakteristik des sogenannten 
Totwassers, das nur durch die Steuerunfähigkeit von Schiffen in die Erscheinung 
tritt, genügen. 
Es kommt zwar auch. in Flüssen, Straßen, Kanälen und Durchfahrten 
oftmals vor, daß Schiffe zeitweilig dem Ruder nicht gehorchen und steuerunfähig 
werden, aber festgehalten werden sie dabei vom Wasser nicht. Die dort vor- 
kommenden Fälle der Steuerunfähigkeit rühren entweder daher, daß das Schiff 
dem Grunde zu nahe kommt, oder daß es Stromkabbelungen, Stromwirbel oder 
Neerströme passiert, in denen eine senkrechte Stromscheide vorhanden ist, Im 
erstgenannten Falle kann das vom Schiffskörper verdrängte Wasser wegen 
der Nähe des Grundes oder des Ufers nicht ungehindert wieder zur gleich- 
mäßigen Verteilung gelangen, und es entsteht dadurch ein ungleicher Druck 
x „Ann, d. Hydr. etc.“ 1881, S. 28.
	        
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