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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Wettbewerb-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1903—1904. 323 
Die Ableitung der für die Güte der Chronometer maßgebenden Zahlen 
sowie die Einteilung in Klassen wurde auf Grund der Bestimmungen ausgeführt, 
welche in der von der Seewarte erlassenen Aufforderung zur Beteiligung an der 
27. Wettbewerb-Prüfung enthalten sind. Diese Bestimmungen lauten: 
. „Nach beendigter Prüfung werden sämtliche Chronometer, so weit sie 
sich überhaupt als brauchbar für die nautische Praxis erweisen, in vier Klassen 
eingeordnet, für welche die Höchstbeträge der später zu erklärenden Güte- 
Zahlen folgendermaßen festgesetzt worden sind: 
Klasse I H II IV 
A+2B+C 2,505ek' 5,00sek 6,50sek 10,005ek 
B 0,75sek 1,20sek 1,605ek 2,5050 
C 0,010sek 0,015sek 0,025sek 0,050sek 
Diese Größen A, B und C werden berechnet aus den mittleren täglichen 
Gängen, welche während der einzelnen Dekaden beobachtet worden sind. — 
Zur Bestimmung der Größe A werden die bei gleichen Temperaturen erhaltenen 
Gänge paarweise zu einem Mittelwerte vereinigt; es wird dann die größte vor- 
gekommene Differenz dieser Mittelwerte gleich A gesetzt. — Bezeichnet ferner 
B' die größte Differenz der täglichen Gänge von zwei aufeinander folgenden 
Dekaden, rt die Differenz der Temperatur während dieser beiden Zeitabschnitte 
and T die Differenz der höchsten und niedrigsten während der Prüfung überhaupt 
vorgekommenen Dekaden-Temperatur, so ist 
17 . 
B = B m A. 
In dieser Formel sind die algebraischen Vorzeichen von B’ und A zu berück- 
sichtigen. — Endlich erhält man den Wert der täglichen Beschleunigung € des 
täglichen Ganges, indem man die Differenz der Gänge bildet, welche während 
zweier zur Mitte der Untersuchungszeit symmetrisch gelegener Dekaden beob- 
achtet worden sind, und alsdann diese Differenz durch die Anzahl der zwischen 
der Mitte beider Dekaden liegenden Tage dividiert. Nachdem man in dieser Weise 
die tägliche Beschleunigung aus den beiden äußersten Dekadenpaaren der Prüfung 
berechnet hat, ist der Mittelwert beider Bestimmungen gleich C zu setzen. 
Innerhalb der einzelnen Klassen werden die Chronometer nach dem Wert 
der Summe A + 2B + C geordnet, wobei die Vorzeichen der Summanden nicht 
zu berücksichtigen sind.“ . 
Aus der vorstehenden tabellarischen Übersicht ergibt sich, daß sich die 
konkurrierenden Chronometer prozentisch in folgender Weise auf die einzelnen 
Klassen verteilen: 
Klasse I H IN IV v1 
37% 37% 10% 14% 29% 
Unmittelbar nach Schluß der Prüfung wurden die Chronometer wie in 
den früheren Jahren durch die an der Prüfung beteiligten Chronometermacher 
E. Bröcking in Hamburg, F. Dencker in Hamburg, A. Kittel in Altona 
und A, Meier (in Firma Th. Knoblich) in Hamburg im Beisein des Direktors 
der Seewarte und der Beamten der Abteilung IV einer Untersuchung auf ihren 
gegenwärtigen Zustand unterzogen. Es wurden weder an den Unruhen noch an den 
Spiralen der Chronometer Rostspuren gefunden, deren Entstehung auf die Zeit oder 
auf den Modus der Prüfung zurückgeführt werden konnte. Bei einigen Instrumenten 
zeigte sich eine geringe Farbenveränderung -des Öls am Sekundenradzapfen, und 
zwar war statt der rein gelben Farbe bei einigen Uhren ein Stich ins Bräunliche, 
bei anderen ein Stich ins Grünliche bemerkbar, Derartige Farbenveränderungen 
pflegen, wie die Sachverständigen ausdrücklich betonten, auch unter normalen 
Verhältnissen im Laufe der Zeit stets einzutreten. 
‘) Der Kürze wegen sind, wie in den früheren Jahren, diejenigen Chronometer als zur Klasse V 
gehörig bezeichnet worden, welche die für die Klasse IV festgesetzten Höchstbeträge der Güte- 
zahlen überschritten haben.
	        
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