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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Di 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904. 
durch den Wind gedreht war, wollte es nicht weiter abfallen, obwohl wir den 
Klüver back liegen ließen und den Besan herunter holten. Da das Schiff mit 
den backen Segeln quer im Strome liegend sich dem Lande näherte, 80 mußte 
abermals geankert werden. 
Am Morgen des 12. Oktober war der Wind SW. Wegen der geringen 
Entfernung vom Lande war es nicht möglich, das Schiff in der gewöhnlichen 
Weise unter Segel zu bringen; ich ließ deshalb einen Wurfanker fertig machen, 
zetzte alle Segel bis auf den Besan und lichtete den Buganker. Als das Schiff 
dann quer im Strome dem Lande zu lag, ließ ich vom Heck den Wurfanker 
fallen. Das Schiff kam indessen nicht weiter auf, als bis es N anlag, und trieb, 
indem die Leine am Wurfanker nach SOzS zeigte, auf flacheres Wasser. Als 
wir uns der Bank, die bei Vista sich herausstreckte, bis auf 6,8 m (3%4 Faden) 
Wassertiefe genähert hatten und die hohe Brandung in Lee nur noch 1 Sm 
von uns entfernt war, nahm ich den Augenblick wahr, als das Schiff bis NzW 
anluvte, um die Wurfleine zu kappen. Das Schiff luvte dann bis NW auf und 
es gelang uns, frei zu kommen.“ 
Ähnliche Erscheinungen und Vorgänge werden für jene Gegend in einer 
yanzen Anzahl von Fällen beschrieben, wenn auch in weniger ausführlicher 
Weise.!) Alle betreffen sie aber Segelschiffe, sofern vollständige Steuer- 
anfähigkeit eintritt. Von Dampfschiffen gibt es meines Wissens nach nur einen 
einzigen Bericht, der Schwierigkeiten über die Steuerfähigkeit des Schiffes betont. 
Es ist dieses S. M. Kanonenboot „Hyäne“. Der Kommandant desselben, Kaptlt. 
Zeye, berichtete darüber etwa folgendes:*) „Von Shark Point zur Ebbezeit, 
stwa 21/2 Stunden vor Stauwasser, auf Boolambemba Point zu haltend, wurde 
das Fahrzeug stark nordnordwestwärts versetzt, bis es etwa 3'/ Sm westsüd- 
westlich von French Point sich befand, von wo an die Versetzung etwa ent- 
gegengesetzt zu der Kursrichtung erfolgte. Der starke Unterstrom vermutlich 
machte es erforderlich, daß auf dieser Strecke, in der Nähe von Shark Point, 
das Ruder bis zu 20° B-B. liegen mußte, um einen geraden Kurs steuern zu 
önnen.“ 
Sehr trefflich schildert der Kommandant S. M. S. „Gazelle“, Kapt. z. S. 
Frhr. v. Schleinitz, in seinem Bericht aus Kapstadt vom Jahre 1874 die 
Strom- und Wassertemperaturverhältnisse in der Mündung des Kongo.°) Er 
berichtet etwa folgendes: „Einen guten Ankerplatz, auf welchem man von der 
Strömung wenig beeinflußt wird, findet man auf der Reede von Banana auf 
04 m Wassertiefe in der Peilung: Boolambemba Point mw. SO°/sO, Shark Point 
WSW’/AW. Die Strömungen ergaben eine große Unregelmäßigkeit. Auf der 
Reede setzte der Strom nach NO bis WzN, und zwar scheint der Strom bei 
Flut nördlicher, schwach, mit 0,1 bis 0,5 Knoten Geschwindigkeit, bei Ebbe 
westlicher, stärker, bis zu 1,7 Knoten Geschwindigkeit zu setzen, Der Ebbstrom 
wird aber während der Regenzeit erheblich stärker sein. 
Das spezifische Gewicht hielt sich an der Oberfläche zwischen 1,0070 
und 1,0092, in der Tiefe zwischen 1,0241 und 1,0268 und in der Mitte zwischen 
beiden auf durchschnittlich 1,0231. Dadurch ist der Beweis geliefert, daß das 
Flußwasser gewissermaßen auf der Oberfläche des Salzwassers schwimmt. In 
vollkommener Übereinstimmung hiermit befindet sich die Temperatur des Wassers, 
die an der Oberfläche 22,8° C., in der Mitte aber wie am Grunde etwa 18,6° C. 
betrug. Es veranschaulicht dieser Temperaturunterschied in Verbindung mit 
dem spezifischen Gewicht sehr deutlich die Ursache, weshalb das Flußwasser so 
weithin auf dem Seewasser unvermischt schwimmend sich erhält. Es verhält 
sich das Flußwasser zum Salzwasser ähnlich, wie Öl zum süßen Wasser. 
Eine weitere Illustration hierzu, die gleichzeitig die verschiedene Färbung 
des Seewassers und des Flußwassers sehr schön zeigte, erhielten wir, als das 
Schiff in die Mündung des Flusses hinein und später wieder hinaus dampfte, 
indem die Bewegung der Schiffsschraube das Seewasser in die Höhe brachte 
and einen tiefgrünen Schweif im Kielwasser des Schiffes erzeugte, während das 
1) Hansa, 1876, S. 64, „Ann, d. Hydr. etc.“ 1883, S. 582, 1886, S. 485 u. a. m. 
2) „Ann, d. Hydr. etc.“ 1890, S. 207. 
3) Ebenda 1874, S. 303.
	        
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