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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Nansen u, Meyer: Was ist Totwasser? 
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Der weitere Schluß Nansens, daß das Totwasser auf der „Fram“-Expedition 
nichts mit Strom zu tun hatte, weil man es fand, nach welcher Richtung man 
sich auch bewegte, ist durchaus nicht beweiskräftig, denn dasselbe muß ebenfalls 
eintreten, sobald ein Richtungsunterschied in der Bewegung der beiden Wasser- 
schichten vorhanden ist. Um die Fahrt erheblich zu verringern, genügt in 
diesem Falle schon ganz schwacher Strom, den man eben nur feststellen kann, 
wenn man vor Anker liegt. Da das Treibeis; das von Nansen als die Grenze 
des Totwassers angegeben wird, deutlich für eine abweichende Bewegung der 
oberen Wasserschicht von der Unterlage spricht, Nansen auch nicht behauptet, 
daß im Taymür-Sunde überhaupt kein Strom gefunden sei, sondern nur „beinahe 
kein Strom“, so ist durchaus nicht bewiesen, daß jenes Totwasser nichts mit 
Strom zu tun hatte, sondern alle Anzeichen deuten eher das Gegenteil an, zumal 
auch das leichtere Wasser sich in der unbegrenzten Fläche nicht ohne Aus- 
breitung auf der schwereren Unterlage erhalten kann. . 
Es wird nun angedeutet, daß das eigentliche Totwasser auf einem, den 
Physikern bisher ganz unbekannt gebliebenen Phänomen beruhe, einer großen 
Welle, die sich nach zahlreichen Experimenten des Herrn Dr. Ekman hinter 
einem Schiffe bildet, wenn solches durch eine leichte Wasserschicht bewegt 
wird, die auf einer schwereren Unterlage ruht, und die imstande sein soll, die 
Fahrt des Schiffes auf ein Fünftel zu reduzieren. 
Dieser Satz ist nicht ganz verständlich. Sofern ein solches Schiff oder 
Modell nur durch die obere Schicht, wie Nansen ausdrücklich sagt, bewegt 
wird, würde dieses Experiment nicht den Fall von Totwasser treffen, bei dem 
das Schiff in beide Schichten taucht, wie es in den von mir angeführten Bei- 
spielen und auch bei der „Fram“ der Fall war. . In diesem Falle würde vielmehr 
ein ähnliches Verhältnis obwalten, wie wenn ein Schiff auf flachem Wasser 
fährt, wo der Grund, wie die schwere salzige Unterlage beim Experiment, wirkt. 
Die so entstehende Heckwelle, in der Schiffahrt allgemein bekannt und gewöhnlich 
Sogwelle genannt, bildet seit langer Zeit ein Studium schiffahrts- und schiffbau- 
technischer Kreise, und ihre Ursache und Wirkungen sind bis zu einem gewissen 
Grade lange bekannt. Ihr Verhalten weicht indessen von dem von Dr. Kkman 
gefundenen insofern erheblich ab, als sie sich mit der Zunahme der Geschwindigkeit 
des fahrenden Schiffes vergrößert und bei ganz langsamer Fahrt verschwindet. 
Diese Sogwelle beeinträchtigt besonders die Geschwindigkeit schnellfahrender 
Schiffe, und zwar auch noch bei beträchtlicher Wassertiefe. In der letzten 
Sitzung der englischen Schiffbautechnischen Gesellschaft im März d. J. wurde 
ein Beispiel der Probefahrten eines Torpedobootes angeführt, das mit 6200 P.5S. 
auf 8!/s Faden (15 m) Wassertiefe 21,3 Sm, auf 9'/4 Faden (17 m) Wassertiefe 
22,0 Sm, auf 10 Faden (18,3 m) Wassertiefe 24,6 Sm und auf 16 Faden (29 m) 
Wassertiefe 25,2 Sm Geschwindigkeit in der Stunde erreichte. 
Es ist nun ohne weiteres klar, daß, wenn die Schichtung zweier Flüssig- 
keiten streng vorhanden ist, durch die Vorwärtsbewegung eines in der oberen 
Schicht schwimmenden Schiffes und die dadurch notwendig werdende Füllung 
des entstehenden leeren Raumes auch die obere Schicht für sich allein eine 
Sogwelle bilden muß. Solches muß in noch stärkerem Maße der Fall sein, falls 
das Schiff gleichzeitig in beide Schichten taucht, weil der größere Querschnitt 
des Schiffes dann in der oberen Schicht sich befindet und demgemäß auch dort 
wiederum der stärkste Zufluß des Wassers stattzufinden hat. Dadurch kann 
natürlich die Fahrt des Schiffes um etwas verlangsamt werden. Ob aber eine 
so strenge Schichtung des Wassers in der Natur überhaupt besteht oder auch 
nur bestehen kann, erscheint sehr zweifelhaft; es ist vielmehr wahrscheinlich, 
daß der durch den Vorwärtsgang des Schiffes entstehende leere Raum mindestens 
zum großen Teil durch sofortiges Aufquellen der schwereren Wasserschicht aus- 
gefüllt wird. Mir ist die künstliche Herstellung solcher streng getrennter 
Schichten trotz vielfacher Versuche mit Wasser nicht gelungen, denn bei der 
geringsten Bewegung beider Schichten, selbst mit den winzigsten Modellen, fand 
sofort eine Mischung derselben statt. 
In seinem Werke ‚spricht Nansen von einer solchen großen Heckwelle 
auch nicht. Die einzige Äußerung über die Art des Auftretens der Erscheinung 
lautet wörtlich: „Das Totwasser zeigt sich als größerer oder kleinerer Wasser- 
rücken oder als Wellen, die sich quer übers Kielwasser erstrecken, die eine
	        
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