Schott, G.: Über die Grenzen des Treibeises bei der Neufundlandbank etc. 307
weil nur vereinzelte Berge oder Eisstücke gesichtet wurden, die eine förmliche
„Treibeisgrenze“ festzustellen nicht erlauben.
Hieraus und aus dem Studium der den einzelnen Jahrgängen dieser Zeit-
schrift seit 1885 beigefügten „Skizzen des Treibeises bei Neufundland“ gewinnen
wir das Ergebnis, daß, im ganzen genommen, die zwölf Jahre 1880 bis 1891
hinsichtlich des Eisreichtums oder der Eisarmut bei der Neufundlandbank, wie
folgt, charakterisiert werden dürfen:
1880 normal, später eisreich,
1881 ungewöhnlich eisarm, insofern überhaupt kein Eis erschien,
1882 im Durchschnitt normal (in den einzelnen Monaten bald
wenig, bald viel Eis),
1883 normal oder auch zeitweise mehr Eis als gewöhnlich,
1884 eisreich,
1885 eisreich,
1886 eisarm,
1887 nahezu normal, wie 1882,
1888 nahezu normal oder etwas weniger Eis als gewöhnlich,
1889 erste Jahreshälfte eisarmn, zweite Jahreshälfte ungewöhnlich
eisreich, ') ;
1890 hervorragend eisreich, ungewöhnlich weite KErstreckung
nach Osten,
1891 eisarm.
Wenn hier die Ausdrücke „eisarme“ und „eisreiche“ Jahre gebraucht
3ind, so ist dabei die stillschweigende Voraussetzung gemacht, daß z. B. ein
Vorrücken der Eisgrenze über ihre mittlere Lage hinaus sachlich auch bedeute,
daß das Eis in großer Menge erschienen ist; in den weitaus meisten Fällen
wird diese Voraussetzung zutreffen, obschon der Fall vorkommt, daß einzelne
Eisberge in einem an sich eisarmen Jahre ungewöhnlich weit nach Osten oder
Süden treiben. Dieselbe Bemerkung gilt sinnentsprechend für das Verhältnis
zwischen Zurückbleiben der Eisgrenze hinter ihrer mittleren Lage und Eisarmut.
Wenn wir dasselbe Prinzip, wonach wir aus der Lage der Eisgrenze auf
den relativen Eisreichtum schließen, auf die Gewässer zwischen Island, Jan
Mayen und Spitzbergen anwenden wollen, so können wir die Eisgrenzen benutzen,
die C. Ryder”) für die Jahre 1877 bis 1892 veröffentlicht hat, und welche auch
in dieser Zeitschrift?) im wesentlichen wiedergegeben worden sind. Außerdem
steht die sehr bequeme Übersicht, welche W. Brennecke*) kürzlich unter Aus-
dehnung der Charakteristik der Eisverhältnisse bis zum Jahre 1895 gegeben hat,
zur Verfügung. Wir erhalten dann für die zwölf Jahre 1880 bis 1891 folgendes:
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1880 eisarm bezw. normal,
1881 ungewöhnlich eisreich,
1882 sehr eisreich,
1883 normal im Durchschnitt,
284 sehr eisarm,
385 eisarm,
1886 eisreich,
‘887 eisreich,
888 eisreich bei Island, sonst normal,
889 eisarm,
1890 eisarm bezw. normal,
1891 sehr eisreich.
1
. 4) Das Jahr 1889 nimmt eine Sonderstellung ein, welche auch schon in der ersten Tabelle
auf S. 305 deutlich herauskommt, In diesem Jahre war nämlich im Frühjahr und Sommer bei Neufundland
nur vergleichsweise wenig Eis vorhanden; von September an kamen aber Eismassen, welche ununter-
brochen bis Dezember hin (und später) Nachschub erhielten, so daß in der ganzen zwölfjäbrigen
Periode das Jahr 1889 das einzige Jahr ist, in welchem im Herbst und Winter sowohl Treibeis
als Eisberge an der Ostseite der Neufundlandbank vorhanden waren. Man wird deshalb das Jabr
1889, im ganzen genommen, zu den für die neufundländische Seite eisreichen Jahren rechnen müssen,
%) Isforholdene i Nordhavet 1877—-1892. Kopenhagen 1896. Mit 16 Karten.
3) Jahrgang 1897, S. 313, Tafel 10. ;
N „Ann. d. Hydr. ete.“ 1904 S. 50 u. 51.