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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalon der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1904. 
Im August 1874 steuerten wir am Tage bei frischer Seebrise aus süd- 
westlicher Richtung mit einer 12'/2 Fuß (3,8 m) tiefgehenden Brigg die Kongo- 
Mündung an ihrer Südseite an mit etwa 5 Knoten Fahrt und sichteten dabei 
in nordöstlicher Richtung eine Bark, deren Manöver uns ganz unverständlich 
erschienen. Auf ihr wurden Segel gesetzt, wieder niedergeholt, hin und her 
gebraßt, aber den Windverhältnissen entsprechende Kurse nicht gesteuert. Das 
Schiff lag vielmehr fast recht vor dem Winde quer zum Strom direkt auf die 
Küste an der Nordostseite der Strommündung zu und gelangte zusehends weiter 
in nordwestlicher Richtung. Wir steuerten inzwischen auf östlichem Kurse 
weiter und gelangten in die Münduny, an deren Südseite wir unbehindert bis 
in die Nähe von Shark Point kamen. Dort bildete eine auffällige Strom- 
kabbelung die Grenze zwischen dem bisher von uns durchsegelten dunkelblauen 
Meerwasser und dem aus dem Flusse kommenden gelblich trübe aussehenden 
Flußwasser, 
Nach dem Passieren jener Stromkabbelung wollte auch unser Schiff plötzlich 
nicht mehr steuern. Es machte zuerst gegen unsern Willen einige Drehungen, 
legte sich dann fast quer zum Strom und blıeb so liegen. Wir machten alle 
erdenklichen Segelmanöver bei dem frischen Winde, aber das Schiff folgte so 
wenig diesen, wie der Ruderlage, sondern trieb mit der Strömung in nordwest- 
licher Richtung weiter, was durch Landpeilungen festgestellt werden konnte. 
Lotungen ergaben, daß die Wassertiefe zu groß war, um ankern zu können. 
Wir beobachteten nun dieselbe Erscheinung, wie Nansen sie beschreibt. 
An Steuerbordseite strömte das trübe Flußwasser auf das Schiff zu und floß 
dann an beiden Schiffsenden daran vorbei. An Backbordseite dagegen liefen 
große Wirbel und Neerströme, wie wenn das Schiff quer im Strome auf Grund 
3äße, doch abweichend davon quoll das dunkelblaue Meerwasser aus der Tiefe 
auf und trat zu Tage. So weiter treibend, näherten wir uns allmählich der 
Küste an der Nordseite der Flußmündung, und ankerten, sobald wir bequeme 
Ankertiefe erreicht hatten. 
Das Schiff legte sich dann sofort auf den mit erheblicher Geschwindigkeit 
laufenden Strom und lag darauf etwa SO an, doch bildete sich hinter dem 
Schiffe ein doppeltes Kielwasser, dessen beide Richtungen um etwa zwei Striche 
voneinander abwichen. Wir lichteten dann sofort wieder den Anker, um mit 
dem frischen günstigen Wind weiter aufwärts zu segeln. Das Schiff ging in- 
dessen nicht voraus und steuerte auch nicht. Es blieb vielmehr auf demselben 
Kurse liegen und trieb mit der Strömung abwärts und auch weiter der Küste 
zu. Da wir bei der stetigen Abnahme der Wassertiefe fürchteten, auf eine in 
der Karte angedeutete Bank zu geraten, ließen wir schließlich den Anker wieder 
fallen. Mittlerweile war es Abend geworden und aus diesem Grunde machten 
wir die kleinen Segel fest. 
Am folgenden Morgen war die oben erwähnte Bark, deren Manöver uns 
später aus eigener Erfahrung verständlich geworden waren, nicht mehr in Sicht. 
Der Strom schien etwas geringer zu sein als am vorhergehenden Tage, im 
übrigen war alles ähnlich. Nach dem Einsetzen der Seebrise versuchten wir 
wieder, aufwärts zu segeln, doch der Erfolg war deıselbe wie am vorhergehen- 
den Tage und wir mußten schließlich wieder ankern. 
Am zweiten Tage vormittags kam ein Boot aus dem Kongo heraus und 
bei uns längsseit. In diesem befand sich außer den Negern ein holländischer 
Lotse, der mit den örtlichen Verhältnissen genau vertraut war, Mit seiner 
Hilfe gelang es ohne erhebliche Schwierigkeiten, nachmittags mit der Seebrise 
Banana zu erreichen. Er ließ das Schiff zunächst so nahe an die Küste treiben, 
daß es, nach unseren Begriffen, nur eben Wasser unter dem Kiel behielt. Dort 
war der Strom erheblich schwächer, und das Schiff lief von dort an auf einem 
beinahe zwei Striche von der Küste zeigenden Kurs auf gleichmäßiger Wasser- 
tiefe an der die Küste besäumenden Bank entlang, immer ein doppeltes Kiel- 
wasser hinter sich lassend. Es steuerte zuerst nicht, doch beim Weiterkommen 
erlangte es allmählich Steuerfähigkeit, und zuletzt steuerte es tadellos. 
Die Hamburger Bark „Maria Heydorn II“, die wir in Banana antrafen, 
hatte ganz dieselben Verhältnisse vorgefunden und ähnliche Erlebnisse durch- 
gemacht wie wir.
	        
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