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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904.
nach Inner-Rußland (14) schreiten und auf ihrer Rückseite einen breiten Rücken
hohen Luftdrucks, N—$S über Europa gestreckt, ostwärts nachfolgen, während
sich die neue Depression, die ein über dem Ozean westlich der Britischen Inseln
in nördlicher Richtung und weiterhin in nordöstlicher Richtung fortschreitendes
Minimum zeigte, allmählich über West- und Mitteleuropa ausbreitete. Nachdem
die Winde in Begleitung von Niederschlägen an der Küste am 10, und Il. im
Bereiche eines über Südschweden ziehenden Teilminimums aus westlichen Rich-
tungen vielfach stürmisch geweht hatten, drehten sie auf der Vorderseite der
vom Ozean heranziehenden neuen Depression am 13. an der ganzen Küste nach
Südost und erhielten sich überwiegend aus dieser Richtung bis zum 15. an der
Nordsee und 16,—17. an der Ostsee. Diese Tage mit Südostwinden zeichneten
sich, nachdem an der Ostsee in der Nacht zum 13, vielfach Frost aufgetreten
war, durch starkes Ansteigen der Temperatur und Nachlassen der Niederschläge
aus, die nur am 13., 14. und 16., z. T. in Verbindung mit Gewittern, an Teilen
der Küste im Bereiche von kleiner und nördlicher Richtung vordringenden
Ausläufern auftraten; am 15. und 16. frischten die Winde bei dem Andrängen
ler Depression gegen das Hochdruckgebiet auf ihrer Vorderseite stellenweise
an der Ostsee bis Stärke 7/—8 auf.
Als die Winde auf der Vorderseite eines am 16, und 17. vom Kanal nach
Westrußland vordringenden Ausläufers westlich wurden, trat wieder ein starkes
Sinken der Temperatur ein. Nachdem die von Nordwesten her über Europa
ausgebreitete Depression bereits vom 16. zum 17. an Umfang und Tiefe stark
abgenommen hatte, breitete sich das Hochdruckgebiet über Osteuropa, das
seinen Kern nach Nordwestrußland verlagerte und erheblich an Höhe zunahm,
alsbald über Skandinivien aus und trat durch einen über die Nordsee reichenden
Rücken hohen Drucks mit einem westlich der Britischen Inseln erscheinenden
neuen Hochdruckgebiet in Verbindung. Auf der Südwestseite des Hochdruck-
gebiets gelegen, hatte die Küste bis zum 21. östliche Winde und bis auf etwas
Regen am 20. und 21. an der pommerschen und preußischen Küste anhaltend
trockenes, am 19. und 20. vorwiegend heiteres Wetter; die östlichen Winde
führten von der Oder ostwärts bis zum 21. weiteres Sinken der Temperatur
herbei, während auf den Nordseeinseln vorübergehende Erwärmung, sonst aber
wenig Anderung der Temperatur erfolgte.
Die folgenden Tage bis zum 24. brachten an der Küste leichte veränder-
liche Winde, indem sich zwischen Hochdruckgebieten im Westen und Osten
eine über dem Mittelmeer gelegene Depression nordwärts über Kontinental-
europa bis über die deutschen Meere ausbreitete und die Küste mehrfach im
Bereiche kleiner Teilminima lag. Weitverbreiteter Nebel und an Teilen der
Küste auftretende Regenfälle kennzeichneten diese Tage; die Temperatur stieg
im Osten bei Winden mehr südlicher Herkunft, während sie sonst wenig
Anderung erfuhr. In der Nacht zum 24, breitete sich das Hochdruckgebiet
vom Ozean her über den Westen Mitteleuropas aus, und schon am Abend dieses
Tages lag die Küste im Bereiche hohen Drucks, der von der Biscayasee bis
Polen ausgebreitet lag.
Vom 25. bis Ende des Monats herrschten wieder anhaltend westliche
Winde an der Küste. Bei andauernd hohem, von einem über der Biscayasee
yelegenen Maximum über Kontinentaleuropa ausgebreiteten Luftdruck und
Depressionen über Süd- und Nordeuropa schritten in steter Folge Teilminima
äber Skandinavien fort, die an der Küste täglich, nach Osten hin allmählich
an Ausdehnung zunehmend, Regenfälle und am 25. ostwärts bis Mecklenburg
steife bis stürmische nordwestliche Winde hervorriefen; die Temperatur erfuhr
im allgemeinen in diesen Tagen wenig Anderung und lag bis zum 29. meist
etwas unter den normalen Werten, am 30. aber, wie bereits an der Nordsee
am Vortage, überall über der Normalen, nachdem ozeanische Luft südlicherer
Herkunft bis nach Ostpreußen vorgedrungen war.
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