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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Die Witterung an der deutschen Küste im April 1904. 
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24, eintrat und nach einer Abnahme um. Mitte der dritten Dekade die letzten 
Tage wenig Änderung oder langsames Steigen brachten. 0 
Die Temperatur schwankte an der Küste zwischen der höchsten, 21,9°, 
von Borkum und der niedrigsten, — 3,1°, von Memel, also um 25°, während 
die kleinste Schwankung mit 15,2° in Keitum und die größte mit 23,2° in 
Hamburg beobachtet wurden. Frosttemperaturen stellten sich nur an der Ost- 
see, in Memel am 1., 2. und 13. bis 15., auf den übrigen Normalbeobachtungs- 
stationen nur am 13. ein. Sommertage, an denen die höchste Temperatur über 
25° stieg, wurden nicht beobachtet. 
Die aus den Änderungen der Temperatur von Tag zu Tag für die drei 
Beobachtungstermine ohne Rücksicht auf die Vorzeichen der Anderungen als 
arithmetische Mittel berechneten Werte der interdiurnen Veränderlichkeit der 
Temperatur (I. T. V.) lag mit ihren größten Beträgen zwischen 1,9° (Borkum, 
Wilhelmshaven und Kiel) und 2,9° (Neufahrwasser); sie zeigte die kleinsten 
Werte meist am Morgen, ihre größten meist am Nachmittag. 
Die monatlichen Niederschlagsmengen zeigten vielfach große Unter- 
schiede für benachbarte Orte und gaben keine allgemeine‘ Anordnung hinsicht- 
lich ihrer Größe zu erkennen. Den größten Beträgen von 88 mm in Wyk a. F. 
und Stolpmünde stehen als die kleinsten 27 mm in Hela und 28 mm in Riz- 
höft . gegenüber, Läßt. man den Miederschlagstag um.8* Ortszeit des gleich- 
namigen Kalendertages beginnen und sieht man von geringfügigen sowie von 
vereinzelten Niederschlägen ab, so fielen diese wesentlich am I. bis 1. an der 
ganzen Küste (am 2. mehr vereinzelt, am 8. ausgenommen Rügen und Pommern 
und am Il. an der Nordsee mehr vereinzelt), 13. ostwärts bis Pommern, 14. über 
Pommern und Westpreußen, 16. ostwärts. bis Mecklenburg, 20. und 2l. über 
Pommern und Preußen, 2%. über Mecklenburg und Rügen, 23, von Rügen ost- 
wärts, 24, ostwärts bis zur Kieler Bucht und an der preußischen Küste, 26. und 
27. ostwärts bis Mecklenburg, 28. und 29, ostwärts bis Pommern und am 30, 
an der ganzen Küste. Fast ganz frei von Niederschlägen waren der 12., J5. 
und 17. bis 19. — Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20,0 mm erreichende Nieder- 
schläge wurden nur in Wyk a. F. am 16. (25 mm) beobachtet. Gewitter traten 
in größerer Verbreitung auf am 13. und 16. ostwärts bis Mecklenburg, 21. an 
der Danziger Bucht und am 23, an der pommerschen Küste. Nebel würde in 
größerer Ausbreitung beobachtet am 1. in der Umgebung von Rügen, 14., 16. west- 
lich der Jade, ostwärts bis Mecklenburg, 17. über Mecklenburg und Pommern, 
21. von.der Oder ostwärts, 22. von Mecklenburg ostwärts, 23. an der Nordsee, 
24. östwärts bis Pommern, 25. von der Oder ostwärts und am 30. an der 
ganzen Küste, . . 
Als heitere Tage, an denen die nach der Skale 0 bis 10 geschätzte Be- 
wölkung im arithmetischen Mittel aus den drei Terminbeobachtungen kleiner 
als 2 war, charakterisierten sich über größerem Gebiete der 13, von Stolpmünde 
ostwärts, der 16. an der.Ostsee und der 19. und 20; an der ganzen Küste. 
Die Wetterlage zeigte bis 10. zwischen einem zunächst von Rußland über 
Skandinavien ausgebreiteten und allmählich ostwärts zurückweichenden Hoch- 
druckgebiet und einem meist Frankreich umfassenden Hochdruckgebiet über 
Südwesteuropa eine von einem tiefen Minimum nördlich von Schottland über 
Nordwest- und Mitteleuropa meist bis zu den Alpen reichende Depression. In 
kurzer Aufeinanderfolge durchquerten Ausläufer niedrigen Drucks, durch wellige 
Ausbüchtungen der Isobaren angezeigt, in östlicher Richtung Deutschland, um 
dann über Westrußland in nördlicherer Richtung weiterzuschreiten. Meist trübes 
Wetter mit fast täglichen Niederschlägen an der ganzen Küste und ganz über- 
wiegend westlichen Winden, die am 5. bis 7., wie oben angegeben, vielfach 
stürmisch und besonders am 6. im Westen und 7. im Osten als teilweise Schwere 
Stürme geweht haben, kennzeichneten. die Witterung dieser Tage; die Tempe- 
ratur erfuhr wenig Änderung und war am Morgen meist um 1—2° höher als 
die normale. „ 
Eine Änderung der Wetterlage erfolgte vom 10. zum 1l. beim Heran- 
nahen einer neuen tiefen Depression über den Ozean, indem ein keilförmiger 
Ausläufer hohen Drucks auf ihrer Vorderseite zur Entwicklung gelangte, der 
die Depression der vorigen Dekade ostwärts drängte. In den Tagen bis zum 16. 
sehen wir diese Nord- und Mitteleuropa auf ihrem Wege umfassende Depression
	        
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