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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Meyer, H : Totwasser. 
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Weiter heißt es auf S, 147: „Wir wollten in einer kleinen Bucht eine 
Kesselreinigung vornehmen, die sehr nötig war, aber wir brauchten mehr als 
vier Stunden, um die wenigen Seemeilen zurückzulegen, die wir in einer halben 
Stunde oder weniger hätten rudern können. Wir kamen des Totwassers wegen 
fast nicht vom Fleck, wir schleppten die ganze Seeoberfläche mit. uns. Kin 
sigentümliches Phänomen, dieses Totwasser!‘ Hier hatten wir mehr Gelegenheit, 
as zu studieren, als wünschenswert war. Es scheint nur da vorzukommen, wo 
eine Süßwasserschicht auf der. Wasserfläche über dem salzigen Seewasser liegt, 
ınd wird dann wohl dadurch gebildet, daß das Süßwasser vom Fahrzeug mit- 
zeschleppt wird, wobei es über die schwerere Seewasserschicht wie eine feste 
Unterlage gleitet. Der Unterschied zwischen den beiden Schichten war hier so 
groß, daß wir. der Oberfläche des Meeres Trinkwasser entnehmen konnten, 
während das durch den Bodenkran der Maschine erhaltene Wasser viel zu salzig 
war, um im Kessel verwendet werden zu können. Das Totwasser. zeigt sich 
als größerer oder kleinerer Wasserrücken oder als Wellen, die sich quer übers 
Kielwasser erstrecken, die eine hinter der andern. Manchmal kommen sie fast 
bis zur Mitte des Schiffes. Wir hielten einen gekrümmten Kurs ein, drehten 
zuweilen ganz herum und machten alle erdenklichen Seitensprünge, um los zu 
kommen, aber es half alles’ nichts. Sowie die Maschine stillstand, wurde das 
Fahrzeug gleichsam rückwärts gesogen.“ 
Endlich heißt es auf S. 149: „Am 2. September war der Kessel endlich 
gereinigt. Abends fuhren wir in südlicher Richtung, aber das Totwasser folgte 
uns unausgesetzt. Nach Nordenskjölds Karte sollen es nur 20 Sm bis zum 
Taimyr-Sunde sein, aber wir brauchten die ganze Nacht, um diese Strecke 
zurückzulegen. Unsere Geschwindigkeit war etwa ein Fünftel von dem, was 
sie unter anderen Umständen gewesen wäre. Erst um 6 Uhr morgens am 
3. September kamen wir in etwas dünnes Eis, das uns vom Totwasser befreite. 
Der Übergang war fühlbar. In demselben Augenblick, als „Fram“ durch die 
Eiskruste schnitt, machte sie einen Satz nach vorn und. glitt von da an mit 
der gewöhnlichen Fahrt vorwärts, Seit dem Tage spürten wir das Totwasser 
nicht viel mehr.“ Soweit Nansen in seinem Werke über das Totwasser., 
Da die obige Vorführung und Beschreibung dieser Erscheinung ohne 
Zweifel etwas geheimnisvoll klingt, so sind wiederholt Stimmen laut geworden, 
die Näheres über dieses Phänomen wissen möchten. Gleichfalls sind Fragen 
aufgetreten, ob unter deutschen Seeleuten gleichartige oder ähnliche Erschei- 
nungen bekannt seien, und auch, ob dafür der Name Totwasser gebräuchlich sei. 
Auf die vorstehenden Fragen mag zunächst bemerkt werden, daß, obwohl 
nicht alle einzelnen Erfahrungen der. deutschen Seeleute durch Veröffentlichung 
bekannt werden, doch wohl kaum eine solche Erscheinung verschwiegen würde, 
wenn sie oft beobachtet würde. Letzteres ist bei den deutschen Seeleuten 
offenbar nicht der Fall, und ‚viele von ihnen dürften von dieser Erscheinung 
überhaupt nichts gehört, noch weniger dieselbe aus Erfahrung kennen gelernt 
haben. Es mag dieses vornehmlich darin seinen Grund haben, daß deutsche 
Seeleute: sebr wenig in den nordischen Gewässern, wo diese Erscheinung offen- 
bar häufiger beobachtet wird, verkehren, Ihre Erfahrungen beziehen sich auf 
andere Gewässer, 
Da dieses Phänomen besonders durch die verlangsamte Fahrt oder gar 
Manövrierunfähigkeit von Schiffen in die Erscheinung tritt und die Seeleute in 
diesen Punkten ein besonders feines Gefühl haben, so wird ihnen so leicht ein 
solches Vorkommnis nicht entgehen. Trotzdem ist meines Wissens von 
deutschen Seeleuten nie ein Bericht zur Veröffentlichung gelangt, aus dem 
gefolgert werden könnte, daß auf dem offenen Meere jemals die von Nansen 
beschriebene Erscheinung beobachtet worden sei. Wohl aber ist diese Er- 
acheinung oftmals, vor den Mündungen von Flüssen und auch in Straßen be- 
obachtet worden. Besonders die Kongo-Mündung und die Georgia-Straße vor 
der Mündung des Frazer-Flusses weisen ähnliche Zustände auf, wie sie Nansen 
beschreibt, und jene Erscheinung ist dort wohlbekannt. . . 
Um dieselbe mit ihren Wirkungen näher kennen zu lernen, dürfte es 
zweckmäßig sein, zunächst einige Beispiele eingehend vorzuführen, um an der 
Hand derselben das geheimnisvolle Dunkel aufzuklären. Ein Beispiel aus 
eigener Erfahrung mag den Reigen eröffnen.
	        
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