290 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904,
Spiralfeder zu bewegende Masse, mithin auch ihr Trägheitsmoment’und ihre
Schwingungsdauer. Wenn man annimmt, daß eine Taschenuhr nur eine Imft-
menge von !/2 Milligramm mitreißt, so kann man sich schon die festgestellten
Gangabweichungen erklären.
Durch dieses Mitreißen der Luft ist die erste Frage gelöst.“
Daß die Luft wirklich mitgerissen wird, bestätigt ein Versuch des
Herrn Ditisheim, welcher in der Nachbarschaft der in Beweguug befindlichen
Unruhe sehr leicht geschlagene Goldplättchen aufhing; hierbei fand er, daß
sich die Goldplättchen noch in einer Entfernung von 4 bis 5 mm von dem
Unruhreifen wellenförmig unter dem Einfluß der Luftströmung bewegten.
Bemerkt sei noch, daß die Wirkung der umgebenden mitgerissenen Luft-
schicht nicht allein von ihrer Dichtigkeit sondern auch von ihrer Anhängungs-
fähigkeit an die Unruhe abhängt. Die Unruhränder reißen nämlich nur einen
geringen Teil des luftförmigen Körpers mit sich, während die von der Peripherie
zurückgeschleuderten Luftmassen sich zu einem etwa 5 mm breiten Ring aus-
breiten, welcher die Unruhe umgibt und sich an dieselbe anhängt.
Es ist vorher schon erwähnt worden, daß die von Ditisheim geprüften
Chronometer ein Zurückbleiben in 24 Stunden von 0,0162s% für jeden Millimeter
Druckänderung ergaben, bezw. daß der Druckeinfluß = Null ist, wenn der
Isochronismusfehler 12%°%* ausmacht. Hiernach könnte man eine Uhr herstellen,
welche vom Druck nicht beeinflußt wird. Da dann aber der Isochronismusfehler
zu groß, die Unregelmnäßigkeit im Gange demgemäß unerträglich sein würde, so
empfiehlt es sich nicht, dieses Mittel anzuwenden, sondern man sollte im
Bedürfnisfalle den Chronometern Verbesserungen für den Druck mitgeben.
Außer der soeben gelösten Frage gab es noch eine zweite zu unter-
suchen. Wie verändern sich die barometrischen Koeffizienten mit der Größe
der Chronometer?
Diese Frage wurde gelöst durch die Beobachtung von Chronometern
verschiedenen Durchmessers, von dem Kaliber der Marine-Chronometer bis zu
dem bedeutend kleineren der Taschenuhren, bei denen es noch möglich war
genügend genaue Beobachtungen zu erreichen.
Das Diagramm, Fig. 9, gibt die Ergebnisse der Untersuchung.
In demselben sind die Durchmesser der Unruhen als Abszissen, das
beobachtete Zurückbleiben der Uhren, auf vollkommenen Isochronismus gebracht,
als Ordinaten eingezeichnet. .
Eine Tabelle nach der Beziehung von Mp + en aufgestellt ergibt das
Folgende:
Veränderung in
24 Stunden für 1 mm
Art der Durchmesser Durchmesser Druckveränderung.
Chronometer, des Triebwerks. der Unrahe. i
mm mm Mp-+ 750
86,10 37,2 0,0102 sek
49,62 20,7 0,0162
42,86 17,4 0,0200
38,35 15,5 0,0217
: 31,58 13,2 2,0228
10 22,56 9,4 0,0225
Sowohl aus dem Diagramm als aus der Tabelle ist zu ersehen, daß der
Einfluß des atmosphärischen Druckes sich vermehrt und um so deut-
licher auftritt je kleiner der Durchmesser der Unruhe ist. Für eine
Damenuhr tritt er zweimal so stark auf als für ein Marine-Chronometer.
Folgende praktische Schlüsse sind nun aus den Untersuchungen
zu ziehen:
Durch die Versuche ist festgestellt worden, daß in der Tat der Einfluß
der atmosphärischen Luft eine Verzögerung des Ganges hervorbringt. Diese
Verzögerung ist jedoch für unsere Marine-Chronometer so gering, laut Tabelle
in 24 Stunden nur 0,0102 sc für 1 mm Druckunterschied, daß sie für Chrono-
meter dieser Größe nur geringe Bedeutung hat, namentlich wenn die Instru-
mente an Bord gebraucht werden. An Bord werden die Chronometer im
allgemeinen verhältnismäßig kleinen barometrischen Bewegungen ausgesetzt
sein, selten werden die Druckunterschiede hier wohl mehr wie 30 mm über-