Rottok: Über den Einfluß des Luftdrucks auf den Chronometergang. 289
meter d.h, auf den Unterschied der Dauer der großen und der kleinen Unruh-
schwingungen, wie sie sich beim Aufziehen der Chronometer bezw. wenn die
Feder beinahe abgelaufen ist, zeigen. .
Herr Ditisheim stellte nun gemäß der Überlegung des Herrn Guillaume
Tabellen der unmittelbaren Resultate aus den Beobachtungen der Druck-
verhältnisse auf, wobei er die Abweichungen, veranlaßt durch den Isochronismus,
berücksichtigte, die. er wiederum herleitete aus den Beobachtungen, welche
während der ersten 12 und der letzten 12 Stunden des täglichen Ganges
gemacht waren und welche er auf 24 Stunden brachte.
Man ersah daraus eine in die Augen springende Ähnlichkeit zwischen
den beiden so erhaltenen Zifferreihen. In dem gezeichneten Diagramm, Fig. 8,
sind die Abszissen die Verzögerungen für Millimeter Luftdruck und für 24 Stunden,
der direkten Beobachtung entnommen, die Ordinaten die Beschleunigung, welche
die Chronometer bei kleinen Bogen erleiden. .
Als Gleichung für die berechnete Gerade erhielt Ditisheim folgende
Formel:
. i -
M p bezeichnet die Anderung.in 24 Stunden für 1 mm Quecksilber-Druckänderung,
i den Fehler des Isochronismus,
Die Werte des Ausdrucks Mp + 70 in der letzten Spalte der folgenden
Tabelle eingetragen, zeigen, daß die so errechneten Zahlen gleich den Fehlern
bei den Beobachtungen und den Gängen der Instrumente sind.
Isochronismus (Vorgehen
Druck veränderungen auf kleinen Schwingungs-
für 1 mm Quecksilber. bogen).
Mp .
0,01585ek
0,0138
2,0141
0,0145
0117
0,0126
3.0120
1
Mp + 750°
0,0163sek
0,0154
0,0157
0,0156
0,0157
9,0169
2,0165
0,4sek
1,2
9
+»
%
fr
Die aus der Fig. 8 abgeleitete Formel ergibt unmittelbar folgende:
Auslegung: . . .
Für Instrumente .von der Größe des Versuchskalibers ist die Gang-
veränderung entsprechend einer Druckveränderung von 1. mm Quecksilber
=— 0,0162°% für 24 Stunden, wenn der Isochronismus vollkommen ist, und es ist,
wie Dr. Guillaume bemerkt, eine Verzögerung vorhanden,. die sich um
so deutlicher zeigt, je mehr sich der Isochronismus eines Instrumentes
der Null nähert. Hierin, meint obiger Gelehrter, liegt der Kern der Frage
und der Unterschied, welcher bei der theoretischen Prüfung und bei der
praktischen Untersuchung der. Chronometer unter Druck gefunden wird.
Dr. Guillaume äußert sich in „La Nature“ bezw. in dem der Akademie
der Wissenschaften zu Paris vorgelegten Bericht über diese Erscheinung
ungefähr, wie folgt:
„Die Erfahrung des Herrn Ditisheim scheint mir zum ersten Male auf
deutliche Weise die doppelte Wirkung darzustellen, die durch das Element
hervorgebracht wird, in welchem sich der schwingende Teil des Chronometers
bewegt. Die Haupterscheinung: ist eine Verzögerung, da die Luft eine
Widerstand leistende Masse ist und so die Schwingungsweite vermindert, um-
somehr, je dichter sie ist. Sie vermehrt in demselben. Verhältnis die: Wirkung
des‘ Isochronismusfehlers und hat daher gleichzeitig eine entgegengesetzte
Wirkung bei den Chronometern, welche so. gebaut sind, daß sie bei kleinen
Schwingungen, vorgehen. Auf dieser Wirkung fußten. Villarceau und Caspari.
; Eine zweite Wirkung, welche den Hauptanteil an der beobachteten
Erscheinung ausmacht ist eine offenbare Verzögerung, die größer ist als
der Einfluß des Isochronismus in den beobachteten Instrumenten. Die
Ursache ist nicht schwer zu finden. Die schwingende Unruhe. reißt die Luft
mit sich, erteilt ihr kinetische. Energie und vermehrt so selbst die von der
Ann. d. Hvdr. ete.. 1904. Hoft VI.