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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

288 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904. 
Chaux-de-Fonds mit diesen Fragen praktisch und, von den Ergebnissen der 
Versuche angeregt, der Dr. Ch. Ed. Guillaume zu Paris theoretisch beschäftigt hat. 
Die Studien und Arbeiten dieser beiden Herren näher zu betrachten, wird 
nicht ohne Interesse sein, da beregte Studien mehr Licht in das Problem 
gebracht haben, voraussichtlich sogar die Lösung der Frage über den Einfluß 
des Luftdrucks auf den Chronometergang herbeizuführen berufen sind.') 
Die praktischen, allgemeine Aufmerksamkeit erregenden Untersuchungen 
des Herrn Ditisheim, welche sogar Gegenstand einer Verhandlung der Akademie 
der Wissenschaften zu Paris bei Gelegenheit einer Sitzung am 2, November v. J; 
waren, wurden angeregt gelegentlich eines Versuchs des betreffenden Uhren- 
{[abrikanten, mit Hilfe von Schiffschronometern den Längenunterschied der 
Sternwarten von Paris — 67 m hoch — und von Neuchätel — 489 m hoch — 
zu bestimmen. Derselbe wollte auf diese Art und Weise ermitteln, welchen 
Grad der Genauigkeit man mit den heutigen Präzisionsuhren erreichen kann. 
Zu dem beregten Zwecke wurde eine Anzahl Chronometer bester Konstruktion 
zunächst in Chaux-de-Fonds auf einer Höhe über dem Meeresspiegel von 1017 m, 
dann in Neuchätel und zuletzt in Paris beobachtet. Bei dem Vergleiche der 
Beobachtungen stellte man einen systematischen Unterschied in den täglichen 
Gängen fest, welcher auf den mittleren Luftdruckunterschied dieser Orte zurück- 
geführt wurde, da die Chronometer in demselben Maße langsamer gingen als 
wie der Beobachtungspunkt niedriger lag. Um die erhaltenen Kurven zu er- 
weitern, wurden darauf noch gleichartige Beobachtungen auf der Uhrmacher- 
schule zu Chaux-de-Fonds und auf dem Gipfel des Chasseral (im Jura, 1586 m 
hoch gelegen) angestellt. Die engen Druckgrenzen sowie die Veränderlichkeit 
der atmosphärischen Bedingungen, namentlich die der Feuchtigkeit, gestatteten 
jedoch nicht, klarliegende Gesetze abzuleiten, deshalb entschloß sich Herr Ditisheim 
auf Rat des Herrn Guillaume, besondere luftdichte Apparate herzustellen, welche 
es ermöglichten, die Chronometer künstlichem Drucke auszusetzen unter tun- 
lichster Innehaltung gleichmäßiger Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse. 
Die Instrumente wurden in diesen Apparaten behufs Vergleichs mit dem 
mittleren Drucke in Chaux-de-Fonds, der ungefähr 675 mm ist, einer Reihe von 
bekannten Luftdruckverhältnissen unterworfen. Der Druck, welcher von 100 
zu 100 mm gesteigert wurde begann bei — 600 mm und stieg bis + 200 mm. 
Um zunächst festzustellen, wie sich die Chronometergänge gemäß dem 
Drucke der sie umgebenden Luftschicht verändern, brachte man 7 Schiffs- 
chronometer von 49,63 mn Durchmesser unter die Luftpumpe und setzte sie 
regelmäßig wachsenden Druckverhältnissen aus. Die Chronometer blieben 
24 Stunden unter demselben Drucke, wurden unter diesem beobachtet, dann 
aufgezogen und unter neuen Druck gebracht. 
Die Mittel aus den doppelten Werten des Druckes und des täglichen 
Ganges wurden in Diagrammen graphisch niedergelegt, in welchen die beob- 
achteten Gänge, verbessert für etwaige kleine Kompensationsfehler, als Ordinaten, 
die Druckwerte als Abszissen dargestellt sind. Die täglichen Beobachtungen, 
in den Diagrammen als kleine Kreise bezeichnet, ergeben, daß sie sich mit 
geringer Ausnahme um eine Gerade rangieren, welche sich in den anbei 
gegebenen Fig. 1 bis 7 als eine von links nach rechts herablaufende Linie 
markiert. 
Aus allen 7 Diagrammen ist deutlich zu ersehen, daß, soweit die 
Chronometer Genauigkeit zulassen, die Gangveränderungen proportional 
den Luftdruckveränderungen sind. 
Bei Ableitung dieses Gesetzes fiel es auf, daß der Veränderungskoeffizient 
für jedes Chronometer ein verschiedener war, trotzdem man Instrumente von 
nahezu gleicher Bauart und gleichen Dimensionen benutzt hatte. 
Dr. Guillaume schob diese Tatsache auf die Veränderungen der 
Schwingungsweiten der Unruhe, veranlaßt durch die Veränderungen der 
Luftdichtigkeit, mit anderen Worten auf den Isochronismusfehler der Chrono- 
1) Zu der Arbeit sind, teilweise im Auszuge, die Veröffentlichungen des Journal suisse 
d’horlogerie über „Influence de la pression atmospherique sur ]a marche des chronomö@tres par 
M. Paul Ditisheim“, sowie der Pariser Zeitschrift La Nature bezw. der Revue chronometrique über 
„Pression atmospherique et chronometrie, Experiences de M. Ditisheim par Dr. Ch. Ed. Guillaume“, 
benutzt worden.
	        
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