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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904, 
Was die Größe der thermischen Abweichungen von den XNormal- 
werten anlangt, so scheinen die negativen Abweichungen durchweg etwas größere 
Beträge erlangt zu haben als die positiven; dabei kann man und darf man den 
ganz großen Abweichungen, die fast auf jeder der kleinen Kärtchen der Tafel 18 
an derselben Stelle, nämlich etwa 60 bis 100 Sm im Süden von der Südspitze 
der Neufundlandbank, also nördlich von etwa 41° N-Br. zwischen 48° und 
52° W-Lg. anzutreffen sind, nicht übermäßig großen Wert beilegen, weil dort 
die warmen und kalten Stromgebiete außerordentlich scharf aneinander grenzen 
und bei etwaigen auch nur kleinen Verschiebungen der Stromgrenzen oder bei 
selbst geringfügiger Unsicherheit des Schiffsortes der Vergleich mit dem Normal- 
werte keine reale Bedeutung hat. Immerhin ist nicht zu verkennen, daß sogar 
im eigentlichen Golfstromgebiet, im ausgesprochen warmen Wasser südlich von 
41° N-Br. und selbst von 40° N-Br., ein sehr großes Wärmedeßzit im Sommer 1903 
bestanden hat, und zwar lagen von Juni bis August auf erheblichen Strecken 
die Wärmegrade durchschnittlich 3° bis 4° unter den normalen. 
In welch hohem Maße die Erniedrigung der Sommertemperaturen in den 
Gewässern von Neufundland tatsächlich als abnorm zu bezeichnen ist, dies 
lehrt ein Blick auf den gestörten jährlichen Gang der Temperatur im Jahre 1903 
für mehrere Abschnitte der vereinbarten Dampferwege (siehe Tafel 17). Normaler- 
weise soll die Wasserwärme von März ab bis August hin zunehmen; statt 
dessen ergibt sich 
für 70°—65° W-Lg. vom Juni zum Juli Konstanz der Temperatur mit 19,1°, 
für 65°—60° W-Lg. vom Juli zum August eine Abnahme der Temperatur 
von 22,4° auf 21,6°, 
für 55°—50° W-Lg. vom Mai bis Juni eine Abnahme der Temperatur 
von 17,4° auf 17,1°. 
Auf der europäischen Seite des Ozeans ist dagegen der Umstand 
charakteristisch, daß im Frühjahr (März—Mai) mehrfach keine der vorwärts- 
schreitenden Jahreszeit entsprechende Zunahme der Temperatur eingetreten zu 
sein scheint; wir finden 
für 35°—30° W-Lg. vom April zum Mai eine Abnahme der Temperatur von 
12,9° auf 12,6°, 
für 30°—25° W-Lg. vom April zum Mai Konstanz der Temperatur mit 12,3°, 
für 25°—20° W-Lg. vom April zum Mai eine Abnahme der Temperatur von 
11,9° auf 11,4°, 
für 20°—15° W-Lg. vom April zum Mai Konstanz der Temperatur mit 11,4°, 
für 15°—10° W-Lg. vom März zum April Konstanz der Temperatur mit 10,3°, 
für 10°— 5° W-Lg. vom März zum April eine Abnahme der Temperatur von 
10,0° auf 9,6°. 
I. Die Ursachen der besonderen Wärmeverhältnisse des Jahres 1903. 
Suchen wir aus den vorstehenden Betrachtungen in Hinblick auf die ganz 
ungewöhnlichen Mengen von Treibeis und Eisbergen des Jahres 1903 allgemeine 
Gesichtspunkte über die Ursachen und thermische Bedeutung eines solchen 
Naturphänomens zu gewiunen, so ist es wohl sicher, daß die Wärmeverhältnisse 
des Oberflächenwassersa im Nordatlantischen Ozean im Jahre 1903 unter dem 
Einflusse mindestens zweier bestimmender Faktoren gestanden haben. Das Vor- 
handensein der großen Eismassen ist von nicht zu vernachlässigendem, wenn 
auch wohl lokalem Einfluß gewesen — es soll davon erst an zweiter Stelle die 
Rede sein. Ein viel wichtigerer und grundlegender Faktor ist aber 
nach meiner Überzeugung in allgemeinen, vorwiegend wohl als 
Intensitätsänderungen zu charakterisierenden Schwankungen zu er- 
blicken, denen die zwei großen Strömungen, der Golfstrom sowohl 
als auch der Labradorstrom, unterworfen gewesen sein müssen. Es 
sind dies also Einflüsse, die mit dem Eisvorkommen nichts zu tun haben, deren 
Ursprungsgebiet vielmehr lokal sehr weitab von den hier betrachteten Meeres- 
gegenden liegen kann und wahrscheinlich wirklich entfernt gewesen ist, es sind 
Einflüsse von weitreichender und anhaltender Wirkung auch auf das Klima der 
betroffenen Gebiete. Das Thema der unperiodischen großen Schwankungen der
	        
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