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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

280 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904 
sein kann, ist es nützlich, die Durchmusterung der Wärmeverhältnisse 1903 mit der 
quer über den ganzen Ozean längs des Dampferweges gültigen Darstellung zu 
beginnen. Wir finden dann folgendes: 
1903 Januar . 
1903 Januar . 
Februar 
März .. 
April. . 
1903 Mai... 
„ duni.. 
Juli... 
August . 
m os 
Septemb. 
1903 Oktober 
Novemb. 
Dezemb. 
Das Wasser ist zu ! Das Wasser ist zu 
warm kalt 
auf den nördlichen Wegen von 70° bis 40°W-Lg. 'zon 40° bis 10°W-Leg 
auf den südlichen Wegen ‘von 70° bis 65° W-Lr 
- » ı» 70° „60° „ | 
® ” 1 » 70° ® 45° » 
- „ 720° „80° _ 
-on 65° bis 10° W-Lg 
„ 60° „ 10° „ 
» 45° „10° , 
„ 380° „10° ” 
auf den südlichen Wegen 
von 70° bis FO°V 
„ 70° „65° 
„ 70° „65° 
» 70° ; 65° » 
» 70° „65° „ 
. 70° „65° * 
< 
‚on 50° bis 10°W-Lr 
65° „ 10° 
65° „109 
65° „109 
65° „ 10 
65° . 10° 
» » 
» ® 
2 » » » 
- „A nördlichen 
auf den nördlichen Wegen von 70° bis 60°W-Lg.'von 60° bis 10°W-L: 
„|, 70° „55° „ |- 55°. 10° 
= |} 700 140° 5 |, 40° „10° ” 
| 
Bemerkungen 
Um etwa 0,5° zu warm auch 
zwischen 50°—45°W und 
15°—10° W. 
Zwischen 60°—55° auch zu 
kalt. 
Da Normalwerte der Oberflächentemperaturen für die Strecken einerseits 
zwischen Lizard und 10“ W-Lg. und anderseits zwischen 70° W-Lg. und Sandy 
Hook noch nicht berechnet sind, war die Ausdehnung des Vergleichs der 
Temperaturen von 1903 mit den normalen bis unmittelbar zu den Küsten 
Europas bezw. Nordamerikas nicht möglich; es ist aber aller Wahrscheinlichkeit 
nach der Sinn der Abweichungen der Temperaturen im Jahre 1903 für diese 
zwei kurze Strecken derselbe gewesen wie für die nächst angrenzenden zwei 
reinen Seestrecken. 
Wenn wir 8o die vorstehende Tabelle überschauen und dabei die oberste 
Reihe weglassen, für welche nur relativ wenige Beobachtungen zur Verfügung 
standen, da sie nur auf die Beobachtungen auf dem nördlichen Dampferwege 
vom 1. bis etwa 14. Januar 1903 gegründet werden konnte, so ergibt sich 
zunächst, daß schon im Januar 1903, als noch keine Spur von Eis auf den 
Schiffahrtslinien in Sicht war, das Wasser mit Ausnahme des schmalen Streifens 
zwischen amerikanischer Küste und 65° W-Lg. durchweg über die ganze 
Breite des Ozeans hinüber bis Europa zu kalt war, um 1° bis 3° zu kalt in 
der westlichen, um 0,5° bis 1° zu kalt in der östlichen Hälfte. Darauf folgte, 
und zwar von Februar bis Ende April hin, eine sehr regelmäßige Zunahme der 
Ausbreitung eines Temperaturüberschusses schrittweise von Westen nach Osten 
in dem Sinne, daß die anfänglich negative Temperaturanomalie allmählich bis 
nach 30° W-Lg. (!) in eine solche mit positivem Vorzeichen überging, und zwar 
war stets zwischen 70° und 60° W-Lg., also dort, wo die Schiffe im stärksten 
Striche des Golfstromes sich befinden, der Betrag dieser positiven Abweichung 
am größten, so daß man den Eindruck erhält, daß der Golfstrom im Frühjahr 
1903 eine über sein durchschnittliches Maß hinausgehende thermische Energie 
entwickelt hat. Wohlgemerkt, fällt dieser Wärmevorstoß in die Zeit der ersten 
gewaltigen KEistrift. 
Dieser Periode des Vordringens der Wärme folgte dann vom Mai bis 
Juni, d. h. im Frühsommer, als die zweite Eistrift sehr mächtig war, ein ebenso 
entschiedener Rückgang der positiven Temperaturanomalie auf der ganzen west- 
lichen Hälfte der Wege — lediglich zwischen 65° und 70° W-Lg. blieb das 
Wasser zu warm —, und diese nunmehr wieder den Ozean in seiner gesamten 
Breitenausdehnung umfassende abnorme Abkühlung blieb in bewunderns- 
werter Konstanz bis Ende September erhalten. Während dieses Zeitraumes war 
die negative Anomalie meistens am größten zwischen 60° und 45° W-Lg.; in 
der näheren und weiteren Umgebung der Neufundlandbank und auch südlich 
davon im Golfstromgebiet war damals das Meerwasser um durchschnittlich 2° 
zu kalt. Auch für die europäische Seite des Ozeans kann man vielleicht eine
	        
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