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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Schott, G.: Die große Eistrift bei‘ der Neufundlandbank etc, im Jahre 1903, 279 
Mit den Eisbergen dieser zweiten (Juni:) Trift war eine besonders große 
Gefährdung des transatlantischen Verkehrs um deswillen verbunden, weil. mit 
der vorschreitenden Jahreszeit die Häufigkeit des Nebels in diesen Gewässern 
außerordentlich zunimmt. Gleichwohl konnte vom 16. Juni 1903 ab für aus- 
gehende, vom 26. Juni ab für heimkehrende Schiffe die sonst übliche Route 
wieder eingehalten werden, auf der der 47, Meridian in 42° bezw. 41° N-Br. 
geschnitten wird; aber vereinzelte Berge waren zwischen 42° N-Br. und dem 
äußersten Südrand der Bank noch während des ganzen Juli 1903 vorhanden, 
offenbare Reste der Juni-Trift. Ja, noch am 12. August werden zwei einzelne 
Berge sogar in 41° N-Br. unter 49° W-Lg. gesehen! . 
Im übrigen beschränkte sich während Juli und August 1903 das HEis- 
vorkommen — ähnlich wie im Mai — auf die nördlichsten Teile der Bank. 
Die Belle Isle - Straße wurde erst am 4. Juli 1903 passierbar, war am 9, Juli 
fast eisfrei, doch erschienen schon von Mitte Juli ab wieder sehr viele Berge 
vor der Straße, welche zum Teil in dieselbe eindringen konnten, so daß die 
Schiffahrt von neuem daselbst sehr behindert war. In der Tat ist bis zum 
Schluß der Schiffahrt durch die Belle Isle-Straße ständig Eis in ihrer Umgebung 
gesichtet worden, so z. B. noch am 10. Oktober. Diese Gegend ist also in 
der Saison 1903 niemals ganz eisfrei geworden.!). . . 
Die im vorstehenden Überblick vertretene Auffassung von dem zeitlichen 
und örtlichen Auftreten des Neufundland-Eises stimmt im allgemeinen gut mit 
den Darlegungen überein, welche Herr Kapt. Garde vor kurzem veröffentlicht 
hat;?) ich glaube nur, daß im Juni ein recht erheblicher neuer Vorstoß von 
Eis stattgefunden hat, und sodann dürfte die Meldung, wonach am 12, August 
in 37° 52‘N-Br., 71° 30‘ W-Lg., also auf der Höhe von Richmond, 160 Sm vom 
Ufer, der Rest eines Eisberges: gesehen sein soll, auf irgend einem Irrtum 
beruhen; Zeit sowohl wie geographische Länge wären ganz unerklärlich, zum 
mindesten würde es sich nur um den Rest eines Stückes Eises vom St. Lorenz- 
Golf handeln können, welches in einem Wasser von 19° bis 20° C. Temperatur 
sich erhalten hätte (?). - - 
Il. Die Wärmerverhältnisse des Meerwassers im Jahre 1903 
sind nach zwei verschiedenen Richtungen auf den beigefügten Tafeln (17, 18) 
und in dem nachstehenden Text behandelt; erstens sind quer über den ganzen 
Ozean längs des in den einzelnen Monaten befahrenen internationalen Dampfer- 
weges zwischen Englischem Kanal und New York die im Jahre 1903 beob- 
achteten Temperaturen der Meeresoberfläche sowie ihre Abweichungen von den 
normalen Werten dargestellt (Tafel 17); zweitens sind für die kritische Gegend 
des Eisvorkommens, auf und in. der Nähe der Neufundlandbank, d. h. für die 
Gegend von 37°—50° N-Br. und 40°-—60° W-Lg., alle Beobachtungen, also nicht 
bloß diejenigen vom internationalen Dampferwege, und zwar wiederum unter 
Vergleich mit den Normalwerten kartographisch verwendet worden (Tafel 18). 
Bei der lediglich für den internationalen Dampferweg, aber quer über den 
ganzen Ozean gültigen Untersuchung sind Mittelwerte der. Temperatur für 
Streifen von 5° zu 5° Länge berechnet worden, bei der für die Neufundland- 
Gegend ausgeführten Untersuchung sind die Mittelwerte auf Eingradfelder bezogen. 
Die Normalwerte der Temperatur wurden in beiden Fällen der bekannten 
„Quadratarbeit“ der Deutschen Seewarte entnommen; auf den Tafeln treten sie 
nicht als solche auf, sondern nur die Differenzen „Wert 1903 minus Normalwert“. 
Damit wir nicht Gefahr laufen, als lokal bedingte Erscheinung das anzu- 
sehen, was in Wirklichkeit durch allgemeine, weitgreifende Veränderungen bedingt 
1) Die „Monatskarte für den Nordatlantischen Ozean“, November-Ausgabe, hatte auf Grund 
einer Notiz in der „Shipping Gazette“ die Meldung aus Dundee’‘ verzeichnet, daß ein Far Oer-Kutter 
Anfang Oktober v. J. bei den Far Oer Eisberge angetroffen habe, von. denen einige auf 165 m tiefem 
Wasser an Grund säßen; es wurde auf das ganz Ungewöhnliche dieses Eisvorkommens hingewiesen. 
Später stellte sich aber durch eine über Kopenhagen kommende Nachricht heraus, daß der Kapitän 
dieses Kutters bestritt, jemals eine solche Meldung gemacht zu haben, und daß er kein Eis 
gesehen hat. Es liegt daher irgend ein unerklärtes Mißverständnis vor, und die Deutsche 
Seewarte möchte hiermit ausdrücklich darauf hinweisen, daß Eis bei den Far Oer 
im Jahre 1903 nicht gemeldet ist. i | 
2) Isforholdene i de arktiske Have 1903, S. XII. Sonderabdruck aus dem „Jahrbuch 
des Dän. Meteorol. Institutes“, abgeschlossen Kopenhagen, den 4, Januar 1904,
	        
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