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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1904. 
„Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean“ in jeder ihrer Ausgaben die 
wichtigsten einzelnen Eismeldungen in kartographischer Übersicht und, soweit 
möglich, sofort gebracht, um dem Interesse der Schiffahrt Genüge zu leisten. 
Jetzt, da die KEistrift als solche vor fast einem Jahre schon ihr Ende 
erreicht hat, kann es sich wesentlich nur um die Aufgabe noch handeln, in 
kurzer Zusammenfassung den weiteren Verlauf der Naturerscheinung nachträglich 
zu beschreiben und ihren thermischen Einfluß, wenigstens soweit die 
Wassertemperaturen in Betracht kommen, zu untersuchen. Auf dem 
letztgenannten Punkte liegt das Hauptgewicht. 
J. Die Eisverbreitung vom April 1903 an. (Tafel 16.) 
Wie Tafel 10 der ersten Mitteilung!) zeigte, erstreckte sich gegen Ende 
März und während des ganzen April 1903 die große Eismasse in äußerst 
kompaktem, dichtem Auftreten und ununterbrochen bis reichlich 41° N-Br. 
südwärts herab längs der Ostkante der Bank; der Eindruck, den Tafel 10 
erwecken konnte, daß das Gros der Berge im Süden und Südwesten der Bank 
in dieser Periode gelagert habe, daß dagegen weiter nördlich, im Norden und 
Osten der Bank, vergleichsweise weniger Eis vorhanden gewesen sei, ist wohl 
nicht zutreffend, da aus den nördlicheren Teilen des Gebietes um diese Zeit nur 
wenig Meldungen vorliegen. Im April 1903 war auf den unter gewöhnlichen 
Umständen gültigen, vereinbarten New Yorker Dampferwegen sowohl der Aus- 
reisen wie der Heimreisen noch durchweg so viel Eis, daß die Verlegung dieser 
Wege nach Süden der Sicherheit halber mit Recht noch für den ganzen Monat 
Mai von den beteiligten Dampfergesellschaften aufrecht erhalten wurde. 
Gleichwohl haben, wie sich erst nach Eingang aller Berichte übersehen 
ließ, die Eisverhältnisse des Mai 1903 tatsächlich eine unverkennbare Besserung 
in der kritischen Gegend, d. h. an der Südostecke der Bank, gebracht; das 
Treibeis war im Mai, seiner Hauptmasse nach, zeitweise auf dem Rückzuge 
insofern, als sehr südliche Positionen nur noch ausnahmsweise vom Eis erreicht 
wurden. Auf rund 42° N-Br. und nördlich davon stand zwischen den Meridianen 
von 52° und 54° W-Lg. in der zweiten Hälfte des Mai eine größere Zahl Eis- 
berge, desgleichen an der Ostkante der Bank selbst; doch blieb dies Eis 
hier immerhin vereinzelt. Die Kernmasse des Eises lag im Mai, wie die 
Tafel 16 deutlich erkennen läßt, auf dem nördlichen Teil der Bank, die Süd- 
grenze für das Gros war ungefähr durch den Breitengrad von Kap Race gegeben; 
das Hauptphänomen spielte sich also im Mai nicht mehr im Südosten der 
Neufundlandbank, sondern im Südosten Neufundlands ab. 
Die vorübergehende Verminderung des Treibeises in der Nähe der New 
Yorker Dampferwege während des Monats Mai hielt aber nicht an; im Juni 1903 
erfolgte ein zweiter, wenn auch im Vergleich mit den Aprilverhältnissen 
schwächerer Vorstoß des Treibeises wieder sehr weit nach Süden, bis nach 
41° N-Br. unter 49° —48° W.-Lg. 
Die Vorposten dieses zweiten Nachschubes waren, wie man mit ziem- 
licher Sicherheit jetzt sagen kann, bereits Anfang Mai 1903 auf der Höhe 
von St. Johns erschienen. Am 5. Mai in St. Johns einkommende Schiffe hatten 
gemeldet, daß ungeheure Eisfelder über die Bank südwärts trieben, daß die 
ganze Nordküste Neufundlands durch Eis blockiert sei und zahllose Eisberge 
dortselbst mit der Strömung südwärts zögen. Höchstwahrscheinlich sind die 
von Mitte Juni 1903 ab in der Nähe des 41. Parallels wiederholt gemeldeten 
Eisberge auf diese zweite Eistrift zurückzuführen; denn das erneute Auftreten 
von Eis so weit im Süden ist nach der relativen Eisfreiheit dieser Zone während 
des Mai auffällig. Man würde, wenn man vom 5. Mai 1903 ab bis Mitte 
Juni 1903 die Triftperiode und von rund 48° N-Br. bis 41° N-Br. den Triftweg 
unter Hinzuziehung eines Umweges um die Nordostecke der Bank insgesamt 
auf 520 Sm veranschlagt, zu einer täglichen Vorwärtsbewegung des Eises um 
rund 13 Sm, also um etwa 0,5 Sm in der Stunde, gelangen. Dies wäre eine 
Geschwindigkeit, die etwas hinter der für die erste Eistrift im März 1903 be- 
rechneten geringsten Geschwindigkeit zurückbleibt. 
5) Vol. den ersten Aufsatz über diesen Gegenstand im Maiheft 1902. S. 204f£
	        
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